„The Road Ahead“ nach 25 Jahren – Wo lag Bill Gates richtig?

Anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung seines neuesten Buchs „How to avoid a climate disaster“ am 16. Februar 2021 wirft Microsoft-Gründer Bill Gates noch einmal einen Blick in die Vergangenheit: Welche technischen Meilensteine er der Menschheit vorhergesagt hat, welche davon eingetreten sind und welche nicht. Außerdem gibt es noch einen Ausblick in die nahe oder auch nicht ganz so nahe Zukunft.   

Stell dir vor, du willst ein Foto für das Familienalbum entwickeln lassen. Dazu musst du aber erst einmal in ein Fotolabor, wie soll es denn auch sonst gehen? Du machst dich also früh morgens auf den Weg, setzt dich in dein Auto und kramst den Stadtplan aus dem Handschuhfach. Jetzt heißt es: Straßennamen merken, du kannst den 2×2 Meter-Plan ja nicht immer im Blickfeld haben. Nachdem du ein paar Mal falsch abgebogen bist und mehrere Pausen gemacht hast, um herauszufinden, wo du dich befindest, kommst du endlich an. Du gibst die zu entwickelnden Fotos ab und sollst nun in einer Woche wiederkommen, dann sollten sie fertig sein. Der Rest des Tages gehört dir und du hast Lust, mit Freunden bowlen zu gehen. Also fährst du wieder nach Hause, du willst schließlich nicht die Preise an einer Telefonzelle bezahlen. Du gehst ans Telefon und rufst deine 5 besten Freunde einzeln an, dann ist die Sache beschlossen. Schließlich machst du dich auf den Weg zur Bowlingbahn und bemerkst, dass diese nur 10 Minuten vom Fotolabor entfernt ist.  

So in etwa muss es wohl ausgesehen haben, als Bill Gates vor 25 Jahren sein erstes Buch „The Road Ahead“ verfasst hat. Ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. Ich kann aber eines sagen: Seitdem hat sich einiges getan, besonders was die Technik angeht. Einige Entwicklungen konnte der Tech-Titan schon damals ganz gut einschätzen, andere eher nicht. Welche technischen Errungenschaften er damals richtig vorhergesagt hat und welche nicht, davon gibt es hier nun einen Überblick: 

Was hat er richtig vorausgesagt? 

Schon damals hat sich Bill Gates Gedanken darüber gemacht, was in Zukunft alles mit dem Internet möglich wäre. Ein elektronisches Postfach und Konferenzen per Video sind einige davon. So könne man in Zukunft auch von Zuhause arbeiten, wie er schon damals sagte. Eine weitere großartige Entwicklung war das Smartphone, welches er noch als „wallet pc“ bezeichnet hat. Dieser würde einem überall und jederzeit Zugriff auf das Internet gewähren und Platz für tausende Fotos und andere Daten geben. Durch das umfassende „Verbunden sein“ sind wir für unsere Mitmenschen viel einfacher erreichbar als je zuvor. Damals hat Bill Gates aber noch nicht vorausgesehen, wie durch Soziale Netzwerke Menschen aus aller Welt zusammengebracht und doch auch gespalten und polarisiert werden. Dass so viele Leute andere Ansichten herausfiltern und sich ihre eigenen damit immer weiter erhärten, hätte er wohl nicht gedacht.  

Welche Voraussagen haben sich nicht erfüllt?

Bill Gates hatte die Idee eines „public kiosk“. Das wäre ein Ort in der Öffentlichkeit, der einem auch ohne „wallet pc“ Zugang zum Internet bietet. So könne man zum Beispiel Videotelefonie über eine Telefonzelle betreiben. Diese Idee hat sich aber nicht großflächig durchsetzen können, wohl auch weil das Smartphone ein so durchschlagender Erfolg war, dass jeder jederzeit eines parat hat. Wo er sich auch verschätzt hat, ist der Fortschritt, der bei digitalen Assistenten gemacht wurde. Es gibt zwar Cortana, Siri und Alexa, aber diese sind noch lange nicht so weit, wie er es sich 1995 ausgemalt hat. Noch können sie nicht so spezifisch auf die Befindlichkeiten und Anforderungen ihres Benutzers reagieren, wie es ein menschlicher Assistent kann. Seiner Ansicht nach befinden wir uns noch am Anfang von dem, was diese Assistenten in Zukunft alles leisten könnten.

Was können wir demnächst noch erwarten?

Was uns noch erwartet, ist ein Strukturwandel unserer Städte, der durch das Internet möglich ist. Heutzutage sind die Lebensunterhaltskosten in großen Städten für viele Menschen viel zu hoch, ihre Beliebtheit wird ihnen zum Verhängnis. Doch durch die Möglichkeit des Homeoffice wird es wieder attraktiver, außerhalb dieser teuren Ballungszentren zu leben. So könnte man in Zukunft mit weniger Geld in größeren Häusern leben und die Straßen würden entlastet werden. Diese Entwicklung zeigt sich in Teilen schon jetzt, in den durch Corona bedingten Schließungen von Büroräumen. Immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen die Vorzüge darin, einen Teil der Arbeit aus dem Homeoffice heraus zu erledigen. Darum will Microsoft auch nach Corona anbieten, von Zuhause aus zu arbeiten.

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!
Bildquelle: Wikimedia; CCO-Lizenz

Großer Anime-Fan und leidenschaftlicher Gamer mit einem Faible fürs Schreiben und das Lernen von Sprachen - gerne auch mal ausgefallenere wie Elbisch oder im Moment Mandarin. Zudem ein überzeugter Hemdenträger, exzessiver Nutzer der Farbe Schwarz (Dark Mode ist PFLICHT) und Katzenliebhaber.