Was ihr über den Black Friday (vielleicht) noch nicht wusstet

Nackte Schaufensterpuppen

Heute ist er wieder, der Festtag des hemmungslosen Konsums. Mal abgesehen davon, dass das fragwürdig ist, haben wir uns gefragt, woher der Black Friday eigentlich kommt – und ob das wirklich sein muss.

Alles Gute kommt von drüben? Wie so vieles Kontroverses (für mich persönlich der unsägliche „Brauch“ in Gruselkostümen auf der Jagd nach Süßigkeiten hausieren zu gehen) kommt der Black Friday aus den USA. Auch bei uns wurde der Black Friday immer massiver beworben und hat sich im Handel mittlerweile zur festen Größe etabliert.

Der Ursprung des Black Friday

Schon seit den 60er Jahren hat sich in den USA der Trend abgezeichnet, dass sich Familien am Brückentag vor dem langen Thanksgiving-Wochenende auf große Einkaufstour begeben haben. Schließlich war die ganze Familie zusammengekommen und hatte Zeit, auch schon über Weihnachtswünsche zu sprechen. Der Handel erkannte die Zeichen der Zeit und lockte mit Sonderangeboten. Thanksgiving ist einer der wichtigsten Feiertage in den Staaten und fällt immer auf den vierten Donnerstag im November. Am darauffolgenden Freitag nehmen sich viele Amerikaner frei und haben demnach Zeit, dem Geldausgeben zu frönen. Somit wurde Anfang der 2000er Jahre der Black Friday ins Leben gerufen – und seitdem klingeln die Kassen des Einzelhandels an diesem Tag besonders laut. Seit 15 Jahren werden zu dieser Zeit die höchsten Umsätze des Jahres erzielt. Im Jahr 2016 wurden an diesem verlängerten Wochenende beispielsweise rund 51 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Warum heißt es eigentlich „Black Friday“?

Bei Black Friday fällt mir als erstes der Geschichtsunterricht ein mit dem „Schwarzen Donnerstag“ und dem großen Börsencrash vom 24. Oktober 1929, der die Great Depression und in der Folge eine Weltwirtschaftskrise auslöste, in deren Fahrwasser die Nationalsozialisten ihre Propaganda wirkungsvoll platzieren konnten. Der darauffolgende Freitag war ebenfalls ein schwarzer Tag in der Geschichte. Warum sollte der Konsum-Kampf um den günstigsten Flatscreen damit in Verbindung gebracht werden? Eine Theorie über die Namensherkunft des Black Friday besagt aber genau das: Weil die vielen Menschen in den Warteschlangen vor den Geschäften wie ein großes, schwarzes Etwas aussehen. So ähnlich war wohl auch der chaotische Anblick auf den Straßen nach dem großen Börsencrash.

Eine weitere Vermutung besagt, das umsatzschwache Unternehmen an diesem Tag die Chance haben, schwarze Zahlen zu schreiben. Und da Geld ja bekanntlich schmutzig ist, sollen die Händler vom vielen Geldzählen schwarze Hände bekommen haben, so will es ein Sprichwort.

Prügeln um jeden Preis?

Am Black Friday kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen und Gewalt. Auch wenn die Motivation der Schnäppchenjäger, das Beste Angebot zu ergattern, nachvollziehbar sein mag, so sollte doch niemand wegen eines Fernsehers unhöflich oder gar handgreiflich werden. Die Videos und Memes zum Black Friday mögen im ersten Moment witzig erscheinen (ich erspare euch hier Video-Beiträge zu Schlägereien in der Mall, da ich Gewalt verabscheue). Dennoch darf kein Mensch deshalb ausrasten und sollte stattdessen darüber nachdenken, ob es das wert ist, den Respekt vor seinen Mitmenschen zu verlieren.

Ungebremster Konsum ist ohnehin nicht erstrebenswert – weder für den eigenen Geldbeutel noch für die oft unfairen Arbeitsbedingungen, die hinter vielen Produkten stecken, geschweige denn für die Umwelt. Ich bin da zwar mit meiner Meinung nicht allein, denn bei vielen Menschen findet gerade ein Umdenken statt in Bezug auf Nachhaltigkeit und Maß halten. Aber für viele scheint der Black Friday nach wie vor zu verlockend. Und weil ein Tag zum Power-Shopping nicht ausreicht, hängen wir einfach noch denn Cyber Monday dran. Schließlich will der Online-Handel auch nicht zu kurz kommen und freut sich, wenn er an den Konsumrausch anknüpfen kann. Als nächstes kommen dann der Rabatt-Dienstag und der Resterampe-Mittwoch? Ach, haben wir ja längst: Es gibt die ganze Black-Friday-Shopping-Week. Es lebe der Kapitalismus!

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!
Bildquelle: Pixabay; CCO-Lizenz