„Scheiß‘ drauf, ich wähl‘ trotzdem AfD“ – Wieso Bushidos Provokation so gefährlich ist

Bushido AfD Skandal

Skandal, Skandal! Mit seiner jüngsten Aussage sorgte Gangsterrapper Bushido mal wieder für gehörigen Aufruhr. „Scheiß‘ drauf, ich wähl trotzdem AfD, Alter“, sagte er in einem öffentlichen Videoblog und hinterlässt damit eine mehr als aufgewühlte Klatschpresse.

Das 13-minütige Video zeigt Bushido und seinen Kumpel Ali Bumaye während der Dreharbeiten zu Buyame’s neuem Song „Rumble in the jungle“. Irgendwann kommen die beiden ganz zufällig auf das Thema Politik zu sprechen; Bushido fragt sich, wo ein gemeinsamer Bekannter geblieben ist, der nicht zum Dreh erschienen ist. Bumaye erklärt, dass der gerade als „Wachhund“ in einem Flüchtlingslager arbeitet. „Ich schwöre, das Beste, was diesen ganzen Pennern passieren konnte ist, dass die Flüchtlinge kommen. Die haben alle einen Job jetzt“, sagt Bushido. Bumaye meint daraufhin, dass er vor allem die Leute lachhaft findet, die sich über die Ankunft vieler Flüchtlinge aufregen, obwohl sie selbst erst seit kurzem in Deutschland leben.

 

Diese „Hurensohn-Nazi-Partei“?

 

Und dann sagt Bushido den alles entscheidenden Satz: „Scheiß drauf, ich wähl trotzdem AfD, Alter.“ Es folgt: Schweigen. Bumaye tippt auf seinem Handy herum, fragt dann aber doch in verwundert-ironischem Tonfall nach: „AfD? Das ist doch diese Hurensohn-Nazi-Partei, oder? Die willst du wählen?“ Ja, das will er wohl, der bekannteste Rüpelrapper Deutschlands. Und warum? „Einfach so. Ist doch scheißegal, ich wähl nie wieder CDU, diese Bastarde, Alter.“ Bumaye fühlt sich nun, da das Gespräch drauf und dran ist, eine ungewohnt tiefgründig politische Richtung einzuschlagen, offensichtlich nicht besonders wohl in seiner Haut und schließt das Thema mit den Worten „Zum Glück kenn‘ ich mich da nicht so aus in der ganzen Politik“ schnell ab.

Doch wir können es einfach nicht fassen, hören und hören ihn uns immer wieder an, diesen Satz, den Bushido eigentlich gar nicht gesagt haben kann – er, der bekennende Moslem, der etliche Anti-Nazi-Songs auf seine stolze Fahne schreibt. Und irgendwann wird jeder auch noch so sensationsgeile Journalist (hoffentlich) zu dem Schluss kommen, dass der Rapper natürlich nicht die AfD wählen wird. Alles Bullshit, alles spektakulär unspektakulär. Schließlich ist es bekannt, dass „Bullshitdo“ immer gern ganz besonders tief in die Provokationskiste greift, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Eigenpropaganda nennt sich das, und selten ging ihr Plan so perfekt auf. Denn natürlich stürzte sich die Boulevardpresse mit Freuden auf das Video. Ist ja alles Auslegungssache und besonders ironisch wirkte die Aussage tatsächlich nicht.

 

„Bullshitdo“ in seinem Element

 

Aber jede Provokation und jede Form der Eigenwerbung hat irgendwo auch eine Grenze und die heißt (wie so oft) Gefahr. Mit Bushido’s jüngstem Affront wurde diese Obergrenze zweierlei überschritten: Einerseits könnte es sein, dass Hardcore-Groupies die Provokation nicht verstehen, ihrem Idol bei allem nacheifern und getreu dem Motto „Scheiß‘ drauf, ich wähl‘ AfD“ das Kreuz an der völlig falschen Stelle setzen. Oder er weckt die Revolutionäre unter seinen Fans, die sich denken: „Bushido sagt’s ja auch, das Provozierendste was ich momentan machen kann, ist, die AfD zu wählen. Also, warum nicht?!“ So oder so hat diese Aktion möglicherweise die immer gleiche, schreckliche Folgen: Weitere Unterstützer der AfD und damit der Partei, die der „Islamisierung des Abendlandes“ den Kampf ansagt, den Klimawandel nicht anerkennt und eine Rollenverteilung aus dem vorigen Jahrhundert fordert.

Natürlich muss es nicht so weit kommen. Aber allein, dass wegen einer einzigen, unnötigen Aussage die Gefahr besteht, ist schon ärgerlich genug. Und deshalb sollte spätestens jetzt jedem mit einem IQ über 80 klar sein: Rap – schön und gut. Gangsterrap – spricht nichts dagegen. Deutscher Gangsterrap – wenn’s unbedingt sein muss. Aber bitte nicht Bushido.

 

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Bildquelle: Youtube