Warum „Charlie Sheen ist HIV positiv“ nicht die Hauptmeldung sein sollte

Charlie Sheen HIV Aids Interview

Ja, es stimmt. Charlie Sheen, bekannt durch seine Rollen in Filmen wie Hot Shots! – Die Mutter aller Filme und Serien wie Two and a Half Men, hat soeben in der NBC’s Today Show die Gerüchte bestätigt, dass er HIV postitv ist. Es ist auch richtig, dass er es bereits seit vier Jahren weiß und verschwiegen hat. Dass er nun damit an die Öffentlichkeit geht, ist die eigentliche Meldung, um die es hierbei gehen sollte. Denn die Tatsache, dass er infiziert ist, überschattet gerade in einigen Meldungen die eigentliche mutige Intention, die hinter diesem Statement steckt: Die Entstigmatisierung von HIV+. 

„I’m not going to be the poster man for this, but I will not shun away from responsibilities“, sagt Charlie Sheen im Interview mit dem TV-Moderator. Es gehe ihm darum, sich gegen die fürchterlichen Gerüchte zu stellen, die im Umlauf sind, und die nicht nur seine Gesundheit, sondern auch die von vielen anderen beeinträchtigen. HIV ist nach wie vor mit Ängsten und Unsicherheit verknüpft, die die Erkrankten in einem schlechten Licht dastehen lassen, sie sogar manchmal selbst dafür zur Verantwortung ziehen, sich angesteckt zu haben. Dabei weiß man inzwischen so viel mehr über das Virus als noch vor ein paar Jahren. „Infizierte Personen können, bei guter medizinischer Versorgung, ein normales Leben führen. Aber nur allzu häufig verschweigen sie ihre Krankheit und verfallen in Isolation oder Depression. Sie haben Angst, ihre Partner, Freunde oder Arbeit zu verlieren oder erst gar nicht zu finden“, schrieben wir schon in diesem ZEITjUNG-Artikel. 

Verschweigen, Scham und Angst auf der einen Seite. Vorwürfe, Skandale und Schuldzuweisungen auf der anderen Seite. Es darf nicht sein, dass aus dieser tödlichen Mischung Menschen daran gehindert werden, HIV zu therapieren und offen darüber zu sprechen. Dafür sollte man Charlie Sheen als positives Beispiel heranziehen. Er nutzt das Sprachrohr, das er durch seine Berühmtheit hat, und macht uns alle auf das eigentliche Problem aufmerksam: der immer noch rückwärtsgewandte Umgang mit HIV.

Dazu empfehlen wir euch als Hintergrundinformation unseren Artikel: „Schluss mit dem HIV-Stigma!“

 

 

Autorin: Wenn ich mich nicht gerade durch den Großstadtdschungel schlage (oder durch den von Borneo), flüchte ich gerne in die fabelhafte Glitzerwelt des Theaters, in dunkle Kinosäle mit Flimmerleinwänden oder in das bunte Menschenmeer in Konzerthallen. Sonst komme ich aber ziemlich gut klar mit der Realität. Da gibt’s nämlich Kuchen. Ich mag Wunderkerzen und Wassermelone, freihändig Fahrrad fahren und Reisefieber. Wenn mal alles schief läuft im Leben, mach ich Kopfstand. Aber wie man wirklich miesen Schluckauf los wird, hab ich bisher noch nicht rausgefunden. Bin für jeden Tipp dankbar!