#BesondereHelden: Das denkt unsere Redaktion über das Corona-Video der Bundesregierung

Ein ältererHerr blickt in die Kamera

Die Bundesregierung hat drei Videos veröffentlicht, die zum Zusammenhalt während der Corona-Pandemie aufrufen. Die kurzen Clips wurden von der Agentur von Joko und Klaas produziert und werden derzeit im Netz heftig diskutiert. Wir haben uns das mal angeschaut und wollen unsere Gedanken dazu mit euch teilen.

Jana (20):

In Österreich versuchte man ewig mit dem „Babyelefanten“ Menschen dazu zu bringen, sich an die Corona-Regeln zu halten. Darüber haben sich einige lustig gemacht. Ein Elefant ist zugegeben auch eine interessante Wahl. Da unterscheidet sich der Ansatz dieses Videos schon enorm, weil man versucht unsere Situation mit Humor zu nehmen. In meinem Umfeld haben wir auch schon Witze darüber gemacht, dass 2020 das Jahr sein wird, von dem wir uns noch lange erzählen werden. Und die Memes auf Social Media sprechen von einem besonders dicken Kapitel in den Geschichtsbüchern.

Das Video ist keine trockene Regierungsnachricht mit erhobenem Zeigefinger – es ist aufgebaut wie ein Blockbuster und der Protagonist wird als Zeitzeuge des Jahres 2020 inszeniert. Da wir alle schon etwas ausgelaugt sind, ist es keine schlechte Idee, die Sache so anzupacken. Natürlich werden sich davon nicht alle angesprochen fühlen, weil das gar nicht die Intention ist. Es zielt auf junge Menschen ab, die gerne feiern würden. Uns nur auf das zu Reduzieren ist allerdings wirklich übertrieben, und „faul wie die Waschbären“ sind wir sicher auch nicht. Gerade an Schüler*innen bleibt in dieser Zeit viel mehr Arbeit hängen als sonst und auch die Uni fordert. Und die, die das Glück haben nicht wegen Corona gekündigt geworden zu sein, haben auch noch ihren Job zu erledigen.

Der Kriegsvergleich – dass Gedanken zu Waffen werden, und unsere Couch zur Front, hinkt meiner Meinung nach aber gewaltig. So in die Extreme hätte man nicht gehen müssen.

Anne (35):

Meine erste Reaktion war: witzig. Meine zweite: War es das wirklich?

Es soll die junge Generation um die 20 Jahre ansprechen, wie der Protagonist im Video sagt. Aber fühlt diese sich tatsächlich angesprochen? Und wird jemand zum #besonderen Helden, wenn er*sie sich das Feiern verkneift, seine Freunde nicht mehr trifft, nicht mehr rausgeht, nicht mehr sein Leben leben kann wie vor Corona? Da bin ich überfragt.

Die Botschaft des Videos ist, dass sich vor allem junge Menschen auf ihr Verantwortungsbewusstsein besinnen sollen, um so die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das will uns jedenfalls das Regierungsvideo einbläuen. Ob es dazu derart theatralische Musik und die Anmutung eines Zeitzeugen-Beitrags à la zweiter Weltkrieg gebraucht hätte, sei dahingestellt.

Gerade diese jungen Menschen, die mit einem „mir stehen alle Türen offen“-Gefühl ihren Lebensweg suchen, stehen nun oft vor verschlossenen Türen. Ohne Perspektive. Ohne eine Umarmung einer*s guten Freundin*es, die sonst in schweren Momenten Trost spendet. Ohne beim Feiern einfach mal den „Ernst des Lebens“ für ein paar Augenblicke vergessen können. Und diese Generation wird im Alter auf 2020 zurückblicken mit einem Schmunzeln? Das kann ich nicht glauben. Meine Generation (ich bin nun mal nicht mehr Anfang 20 und in einer anderen Lebensphase) hingegen hat zwar während der Pandemie auch mit Einschränkungen zu kämpfen, allerdings befinden sich die meisten meiner Freunde in festen Strukturen, die ihrem Leben Halt geben – Job, Familie, Wohnung (kein kleines WG-Zimmer fernab der Familie). Der Lockdown ist sicherlich für keinen von uns leicht. Aber ob es zielführend ist, jungen Menschen jetzt auch noch den Großteil der Verantwortung aufzuladen, frage ich mich schon. Zumal das ja impliziert, sie wären eher unvernünftig. Ist die Botschaft, junge Leute könnten durch heldenhaftes Rumgammeln den Verlauf der Pandemie verändern, wirklich richtig gewählt? Vielmehr liegt es an uns allen – an jedem einzelnen von uns, seinen Teil der Verantwortung zu tragen. Denn nur gemeinsam und ausgestattet mit Respekt voreinander und Rücksicht aufeinander können wir aus der Krise hervorgehen – im besten Fall gestärkt. Und damit meine ich wirklich uns alle – auch diejenigen, die wegen angeblicher Beraubung ihrer persönlichen Freiheit meinen, auf die Straße gehen zu müssen. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Elisa (19):

Die allgemeine Message des Videos ist erst einmal sehr wichtig, auch die Idee mit den „Helden“ finde ich einen gelungenen Aufhänger (den Weltkriegs-Vibe hätte es meiner Meinung nach allerdings auch nicht gebraucht). Natürlich kann man kritisieren, dass die Jugend nicht die einzige Gruppe ist, die für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich ist: Es gibt auch vorsichtige 22-Jährige und feierwütige, ignorante 42-Jährige, denen die Auflagen komplett egal sind – man sollte nicht alle über einen Kamm scheren. Der wichtigste Kritikpunkt ist für mich jedoch, dass Jugendliche im Video gezielt als faul und untätig präsentiert werden. Das verfehlt den Punkt komplett: Keine*r kann es sich heutzutage noch leisten, einfach wochenlang auf der Couch rumzuhängen und nichts zu tun – dieser Fakt scheint in den Köpfen der meisten Erwachsenen aber noch nicht angekommen zu sein. Bei solchen Darstellungen ist es kein Wunder, dass Studierende in der Öffentlichkeit immer noch als ewig chillende Partypeople gelten, obwohl viele von ihnen regelmäßig 50-Stunden-Wochen schieben und ihre Freizeit erst einmal ganz hinten anstellen müssen. Online-Semester und Ausgangssperren bringen außerdem auch eine enorme psychische Belastung für die jüngere Generation mit sich. Im Spot der Bundesregierung wird es hingegen so dargestellt, als müsste man nur auf ein bisschen Feierei verzichten – weiter nichts. Dass das in diesen Zeiten nicht die größte Herausforderung für uns ist, sollte mittlerweile eigentlich allen klar geworden sein.

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Bildquelle: Bundesregierung