Cro: „Wir haben mal aus Versehen eine Wiese abgefackelt.“

Cro ist ein nie dagewesenes Phänomen. Ein Musik-Phänomen, das Plattenfirmen, Blogs und Charts auf Links zog. Seine Symbiose aus Sprechgesang und Pop schleuderte ein ganzes Musik-Genre wieder weit in die Massentauglichkeit. Weiter denn je. In die Auto-Radios der Familienväter, die auf dem Weg zur Arbeit den Volume-Knopf vielleicht noch etwas weiter nach rechts schrauben, wenn zufällig einer seiner Smash-Hits über die Ultrakurzwellen schallt. In die Kinder- und Jugendzimmer, wo seine hübsche Panda-Schnute in Lichtgeschwindigkeit den Konterfeis der Boy- und Metallbands an den Wänden Konkurrenz machte. Und in die On-Ears von nicht wenigen Hip-Hop-Liebhabern. Weil er es – unabhängig von seinem poppigen Ohrwurm-Rap – einfach kann. Weil er ein Allrounder ist. Weil er den Nerv der Kids nicht nur trifft, sondern kreiert. Weil er eine gute Stimme hat. Weil er in bester Hipstermanier einfach ein hübscher Bengel ist, ein Mädchenschwarm. Weil er sich perfekt inszenieren, mit seiner Maske gar mystifizieren kann. Weil er das Geschäft einfach verstanden hat. Er ist das größte Phänomen, das der deutsche Hip-Hop je hatte.

Wir treffen Carlo Waibel auf dem Sziget Festival zum Interview. Ziemlich spontan. Denn plötzlich musste es ganz schnell gehen. Knapp eine Stunde vor dem Interview bekommen wir die Zusage. Er kommt mit Maske. Konsequent, der Junge. In Budapest ist es heiß an diesen Tagen. Und mit Entourage. Von dem Kleiderschrank von Bodyguard, der während des gesamten Interviews hinter uns steht, versuchen wir uns nicht einschüchtern zu lassen. Cro ist entspannt. Freundlich. Und natürlich sagenhaft cool. 25 ist er mittlerweile. Die Zeit läuft. Sieben Minuten mit Cro… 

Wie oft wirst du bei Interviews so gefragt, ob du deine Maske abnehmen kannst?

Schon so jedes zweite Mal.

Okay, wir ersparen es dir.

Gut, danke.

Aber sag mal, wie oft wechselst du die denn eigentlich? Hast du jemanden, der die speziell für dich anfertigt?

Nö, ich mache das alles selbst – da wird geklebt, geschnippelt und geweißelt bis alles passt. Aber ich muss schon alle zwei Wochen eine neue machen. Die, die ich heute aufhabe, ist auch schon gut demoliert.

Cro nimmt seine Maske ab. Einfach so. Hübsch ist er. Cro demonstriert uns sein selbst gebasteltes Panda-Gesicht. Einige Kratzer und Schrammen hat das Ding schon. Erstaunlich ist: Ohne Maske wirkt Carlo noch entspannter, gelöster. Er plaudert. Als Antonia, unsere Fotografin vor Ort, für das erste Foto abdrücken will, interveniert der Kleiderschrank resolut. Er hebt streng den Finger. Fotos ohne Maske gehen nicht. Reflexartig wird Cro von nun an jedes Mal die Maske aufsetzen, sobald eine Linse nur in die Nähe kommt.

Morgen geht deine einwöchige „Mello-Tour“ durch Deutschland los. Wieso ist die unplugged?

Ich fand den Gedanken daran einfach unglaublich cool. Ähm… ‚tschulgigung, Moment mal.

Cro nimmt seine Maske wieder ab und kratzt sich ausgiebig an der Nase.

Mich juckt´s an der Nase, in der Maske ist ein Haar drin oder so.

Das Pandagesicht liegt regungslos auf dem Tisch und starrt uns aus den leeren Augen an.

Aber zur Tour, unsere letzte unplugged Tour hat einfach unfassbar viel Spaß gemacht. Ich hätte nur gerne ein bisschen mehr Zeit gehabt. Nach drei, vier Wochen war das Ding durch. An einem Album arbeitest du ein halbes Jahr und gewöhnst dich an die Songs und dann ziehst du die Tour plötzlich in drei, vier Wochen durch und schon ist es passé.

Aber es macht schon Spaß, oder?

Klar, ich feiere das total. Und jeder, der es hört, sagt mir, unplugged gefällt ihm am besten. Und die Tour ist jedes Mal wie eine Klassenfahrt.

Apropos Spaß, wenn du jetzt einen Beamer hättest, an welchen Ort würdest du dich beamen?

Ich würde gerne an einen Strand mit türkis-blauem Wasser, wo Schweine drin baden.

Ernsthaft, Schweine?

Definitiv. In der Karibik gibt’s das. Da schwimmen dann kleine rosa Ferkelchen rum.

Welches Instrument würdest du mitnehmen?

Eine Tuba. Ne, Quatsch. Ich glaube, ich würde ein Klavier mitnehmen.

Gibt’s einen Menschen, den du mitnehmen würdest?

Ja, doch. Mein Mädchen würde ich schon mitnehmen.

Ist dein Mädchen fiktiv oder gibt’s die wirklich?

Neeee. Die gibt’s schon. Aber ist auch egal. Ist auch egal, ob fiktiv oder nicht, ich würde sie mitnehmen.

Was ist die schlimmste Jugendsünde, an die du dich erinnern kannst?

Wir haben mal aus Versehen eine Wiese abgefackelt.

Der Klassiker, eine geraucht und nicht ausgedrückt?

Ja, irgendwie so. Als wir es gemerkt haben, war es auch schon zu spät, die Wiese hat schon gebrannt.

Und dann seid ihr weggerannt?

Ne, aber als die Polizei dann kam, haben wir gesagt, wir waren das nicht und sind eben erst vorbeigekommen.

Als Zeugen quasi. Sehr geschickt. Wir haben gehört, du hast einen Hund, der ganz viele Kunststücke kann. So einen großen, lockigen.

Ja, der kann alles. Als mein Bruder damals drei Monate lang nichts zu tun hatte, hat er ihm alles beigebracht.

Wie heißt der?

Emil. Rasse Wildsau.

Du magst Schweinchen, oder?

Ich liebe Schweinchen!

Zu guter Letzt: Würdest du in deinem nächsten Leben nochmal eine Maske als Pseudonym tragen?

Auf jeden Fall. Ich kann auf der Bühne stehen und danach in den Supermarkt gehen. Oder zur Tanke. Das ist geil.

 

 

 

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