Warum Dating kein Machtkampf sein sollte

Liebe, Intelligenz, Dating, Emanzipation, Studium

Zwei Bekenntnisse. Numero Uno: Ich zeige mich gerne feminin. Numero Due: Ich schreibe an meiner Doktorarbeit. Warum das überhaupt erwähnenswert ist? Wir leben in einer Welt, in der diese Kombination zu einem Schmierfilm auf dem Datingparkett wird. Alte Rollenverteilungen sind eben doch präsenter als wir es gerne hätten.

 

Intelligenz ist attraktiv. Theoretisch zumindest.

 

Denn trotz aller Emanzipationsgedanken und Gleichberechtigungsversuche, trotz Statements darüber wie sexy smart ist, zeichnen die wissenschaftlich geprüfte Realität und meine eigenen Erfahrungen ein anderes Bild. So haben die Psycholog*innen Lora Park, Ariana Young und Paul Eastwick in mehreren Versuchsszenarien herausgefunden, dass Intelligenz zwar theoretisch anziehend wirkt. Möchte frau allerdings als Partnerin in Betracht gezogen werden, sollte sie sich lieber dümmer (als der Mann) stellen. Denn sobald die männlichen Versuchspersonen das Gefühl hatten, dass die weiblichen Testvögel intelligenter waren, wurden diese als weniger attraktiv – sowohl emotional wie physiologisch – bewertet. Das Ergebnis fühlt sich ein bisschen wie ein Schlag in die Magengrube der weiblichen Selbstdefinition an.

 

Wenn das eigene Ego wichtiger ist als das Kennenlernen

 

Und wie liebend gerne würde ich an dieser Studie zweifeln – traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast -, aber leider ist der eigene Erfahrungsschatz in dieser Beziehung dann doch zu reich an skurrilen, lustigen und traurigen Begegnungen. Ich habe Männer kennengelernt, die seltsame Spleens entwickeln, sobald sie auch nur das Wort Promotion hören. Vorausgesetzt sie verstehen, was das bedeutet: Schweißausbrüche, Nägelkauen, erlöschendes Glitzern in den Augen.

Ich habe Männer erlebt, die über die Lobeshymnen auf den eigenen Lebenslauf das restliche Kennenlernen vergessen haben, die Dating zum Machtkampf verkommen ließen. Hätten sie sich nicht einschüchtern lassen, vielleicht würden sie dann erfahren, dass es mir nicht um den Titel, sondern das Thema geht. Oder dass ich mehr bin als zwei Buchstaben. Oder Intelligenz mehr als ein Abschluss. Ich habe Männer erlebt, die den Wert einer Doktorarbeit herunterreden mussten aus Angst, dass ihre Größe nicht groß genug war. Und um ehrlich zu sein, war sie das dann wohl auch nicht. Ich habe Kommentare gehört, die diesen akademischen Schritt als überflüssig bewertet haben, weil frau dadurch „vollkommen überqualifiziert“ auf dem Arbeitsmarkt seien würde. Und für die Küche erst recht.

Ich habe eigene Verniedlichungen und Verheimlichungsstrategien betrieben um männliches Ego nicht zu gefährden – ohne Erfolg. Ich habe zustimmendes Nicken anderer Doktorandinnen gesehen, verzweifelte Verwunderung geteilt. Und natürlich habe ich Ausnahmen kennengelernt. Männer, die dank ihres gesunden Selbstbewusstseins und ehrlicher Größe George-Clooney-Attraktivitätswert haben. Der hat im Übrigen auch eine Top-Anwältin mit einem außergewöhnlichen Karriereweg geheiratet.

 

Sexy und emanzipiert?

 

Ohne Frage sind solche Balanceakte Bestandteil unserer Generation: Was bedeutet Männlichkeit, was Weiblichkeit in welcher Lebenslage? Wie kann eine Fußballkommentatorin als weiblich und kompetent zugleich angesehen werden (meine Rechtschreibprüfung markiert das Wort – harmlos im Vergleich zu den chauvinistischen Kommentaren)? Wie kann ich als Frau Großes erreichen und trotzdem mein persönliches Frausein frei definieren? Was muss ich machen, um mich sexy fühlen zu dürfen und gleichzeitig emanzipiert zu handeln?

Ich habe wohl für mich meinen persönlichen Weg gefunden, irgendwo zwischen roten Lippenstift und dezenter Schlagfertigkeit habe mich von der gesellschaftlichen Forderung nach Härte verabschiedet und vertrete meine Werte auch noch in Blümchenkleid. Doch der Punkt ist, dass, egal wie ehrlich frau mit den eigenen Erfolgen umgeht und versucht, diesen Balanceakt zu meistern, wir alle am gesellschaftlichen Umdenken teilhaben müssen. Und weil es keinen Sinn macht, sich selbst klein zu reden, und vor den „zurückgebliebenen Idioten“ zu kapitulieren, sagt mir, liebe Männer: Was bräuchtet ihr, um keine Angst mehr vor erfolgreichen Frauen zu haben? Was fehlt euch zu charakterlicher Größe? Sagt es mir, damit wir beim Dating wieder mehr Spaß haben.

Autorin: Vulnerarbility is scary, but pure. In it you can find bravery. - Raquel Franco