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Der Mensch und die Wildnis – wir können die Zukunft der Pandemien beeinflussen

Schuld an Zoonosen ist nicht die Fledermaus oder das Pangolin, sondern unsere Lebensweise. Das Gute: Noch können wir sie ändern.

Ein Beitrag von Anna Rothärmel

Es war einmal eine Fledermaus, deren Zukunft nicht allzu rosig aussah: Sie landete auf einem chinesischen „Wet Market“ – ein Lebensmittelmarkt, aber auch ein Mekka für Wildtierliebhaber. Zum Essen, nicht zum Gucken. Dort traf sie ein Pangolin, auf das sie in der freien Natur sonst wohl nie stoßen würde – und gab ihm einen Virus. Manche fanden das kleine Schuppentier buchstäblich zum Anbeißen, und so fand das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Weg zum Menschen.

Nicht zum ersten Mal trifft die Menschheit eine Infektionskrankheit, die von Tieren übertragen wird. Zoonosen nennt man diese im Fachjargon – und Krankheiten wie Ebola, HIV, Gelbfieber, die Spanische Grippe, SARS 1 oder eben SARS-CoV-2 fallen in diese Kategorie. Tatsächlich stammen 2/3 aller großen Krankheiten von Tieren und weitere 2/3 davon von wilden Tieren, wie Dirk Steffens, Naturfilmer und Wissenschaftsjournalist, bei Markus Lanz erklärt.

Doch wie können wir solche Pandemien in Zukunft verhindern?

Dazu müssen wir uns ansehen, wie sich so eine Infektionskrankheit überhaupt entwickelt und – Spoiler Alert – den „nassen Markt“ in Wuhan allein dafür verantwortlich zu machen, wäre ein wenig zu einfach.

Wenn viele Tiere auf kleinem Raum zusammenkommen, verbreitet sich ein Virus rasant. Wenn sich dieser dann noch auf den Menschen übertragen lässt, können Pandemien entstehen. Wo kommen viele Tiere zusammen? In der Massentierhaltung, auf nassen Märkten wie in Wuhan – aber auch in der Natur. Nämlich dann, wenn Wildtiere durch Regenwaldabholzung oder die Ausbreitung des Menschen ihr natürliches Habitat verlieren. Immer mehr Wildtiere teilen sich folglich schrumpfende Lebensräume.

Wir spielen dabei eine zentrale Rolle: Wir halten die Tiere in Massenzuchtanlagen. Wir roden den Regenwald. Wir bauen und nehmen den Tieren ihren natürlichen Lebensraum weg. Wir kaufen auf nassen Märkten ein – und das alles im großen Stil.

Dirk Steffens beschreibt es mit den Worten: „Wir müssen endlich verstehen, dass die Erde ein geschlossenes Geosystem ist, und wenn man an einer Stelle an einer Schraube dreht, dann passiert an einer anderen Stelle etwas.“

Heißt: Unsere Handlungen haben Folgen. Sie reichen so weit, dass sie uns selbst krank machen können. Experten warnen: Der Handel mit Wildtieren birgt noch Dutzende weitere Viren, die das Zeug zu einer Corona-Pandemie hätten.

Im großen Stil:

1 Wildtiermärkte und den Handel mit wilden Tieren verbieten – in China bereits geschehen

2 Massentierhaltung abschaffen

3 Der Regenwald-Abholzung ein Ende setzen

In kleinen Schritten – das kann jeder Einzelne tun:

1 Nicht wegsehen – das Problem verschwindet nicht, nur weil wir die Augen davor verschließen

2 Aufklären – viele sind sich dieser Zusammenhänge und der Auswirkungen ihres Handelns nicht bewusst

3 Den eigenen Lifestyle überdenken – wenn uns diese Pandemie etwas gelehrt hat, dann dass wir durchaus in der Lage sind, uns für das Wohl der Allgemeinheit einzuschränken

4 Aktiv werden – egal ob mit Petitionen, durch Posts auf Social Media oder richtig Laut mit Megafon, Trommeln und Banner bei (Online-)Demonstrationen.

Ein Happy End ist möglich – für Mensch UND Tier.

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Bildquelle: Unsplash.com, CCO-Lizenz

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