Diese Musikgenies brachen mit Geschlechterrollen

Wer provozieren möchte, bricht die Norm. Wer die Norm bricht, schafft neue Akzeptanz. Das machten vier Musiker*innen bereits in den 1970ern und 1980ern – also lange bevor der Unterschied zwischen dem biologischen Geschlecht und den gesellschaftlich-fixierten Geschlechterrollen weitläufig bekannt und akzeptiert war.

Vier Männer, die sich vor dem großen Publikum schminkten. Männer, die keine Angst vor Homosexualität hatten und mit einer toleranten sowie sozial und kulturell offenen Art und Weise ihr Künstlerdasein füllten.   

Hall & Oates: Die heterosexuellen homosexuellen

Daryl Hall & John Oates zählen zu den erfolgreichsten US-amerikanischen Musik-Duos aller Zeiten. Weil sie zwei Männer sind, wurde ihnen immer wieder „unterstellt“ homosexuell zu sein. Die beiden machten daraus einen Spaß und befeuerten sogar die Gerüchte. Für das Coverfoto des Albums von 1975 ließen sie sich übertrieben schminken. Hall sah nach eigenen Angaben so aus, wie „the girl I always wanted to go out with“.

 

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Posted by Hall & Oates on Tuesday, June 12, 2018

Auch die Gestaltung ihrer Alben „Voices” (1980) und „H2O” (1982) beflügelten die eine oder andere homosexuelle Fantasie. In einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine 1983, bekräftigte Hall die Neugierde über seine mögliche Homosexualität. Oates sei einfach nichts für ihn, verriet er mit einem Augenzwinkern: „He’s not my type. Too short and dark.“ 

Dieses „homosexuelle Image“ tragen sie bis heute, obwohl in ihren Songs heterosexuelle Romanzen abgehandelt werden. Sie besingen in „Sara Smile“ das Mädchen mit dem „baby hair, with woman’s eyes“, oder in „Maneater“ von…nun, eben einer Frau, die Männer zu verschlingen scheint.

David Bowie: Eine Androgyne Legende

Das Wort „androgyn“ setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für „Frau“ und „Mann“ zusammen. Wer sich androgyn gibt, spielt sozusagen mit „sexueller Uneindeutigkeit“. David Bowies Inszenierung in den 1970ern ist ein gutes Beispiel. Er hatte eine zierliche Figur, war „skinny“. Er ließ sich auffällig schminken, gab sich flamboyant und zog sich mal hauteng sitzende Overalls, mal üppige Kostüme an. Er gab sich nicht so, wie sich damals ein „männlicher“ Rockstar gab. Und es eckte an. David Bowie ist eine Weltlegende.

https://twitter.com/Punkasfuck1965/status/1306326575621824513

Der Fuchs im Rock: Peter Gabriel

Peter Gabriel, der Sänger der Rockband Genesis, setzt dem Spiel des Wechsels des Geschlechts die Krone auf. Nein, vielmehr die Maske. Für das Album „Foxtrot“ (1972) trug er während der Live-Shows auf der Bühne den Kopf eines Fuchses und dazu ein feuerrotes Kleid. Er nahm seinem Aussehen dadurch nicht nur seine „Männlichkeit“, sondern anthropomorphisierte sich in gewisser Weise. Sodass eigentlich gar nicht mehr klar ist, was er denn überhaupt ist.  

Die Lektion, die man aus diesem kleinen pophistorischen Exkurs mitnehmen kann, ist eine des Empowerments. Es ist egal, ob du als Mann* muskulös, schmächtig, bizarr oder bunt bist. Hauptsache, du spürst, dass es sich richtig anfühlt. Dann kann es auch nie „falsch“ sein, selbst wenn dir das andere einzureden versuchen. Wenn du dann auch noch jemanden triffst, der dich so akzeptiert, der dich so liebt, wie du bist, spätestens dann sollte dir klar sein, dass du dich von keinem Menschen in ein rigides, soziokulturelles Korsett schnüren lassen solltest. Denn, wie heißt es im Genesis-Song „More Fool Me“: „But when it comes round to you and me, I ask myself: Do I really believe in your love? Yes, I’m sure it will work out alright”.

  

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Beitragsbild Unsplash; CCO-Lizenz