Durchgesuchtet: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Von ihrer ersten Zigarette, die sie zum Husten bringt, bis zum ersten Schuss Heroin dauert es nicht lange. Die Drogenabhängige Christiane F. flimmert wieder auf der Leinwand in Form einer Serie auf Amazon Prime. 1981 kam der legendäre Film zur Geschichte des jungen Mädchens aus Berlin, die durch Freunde und ihre Liebe zu einem Jungen Namens Detlef auf die schiefe Bahn gerät. Drogen, Prostitution und daneben die jugendliche Leichtigkeit – wie seltsam ambivalent die Geschichte der Christiane F. tatsächlich war, zeigt die moderne Serie.  

Von Freiheit im Rausch

Die prickelnde Liebe zu Detlef, die laut der echten Christiane gar nicht so romantisch war, wie im Film von 1981 dargestellt, wird verändert. Detlef gibt es nicht, dafür Benno. Die beiden verlieben sich wie es nur bei der ersten Liebe sein kann. Benno lernt Christiane bei ihren wöchentlichen Gängen in die Berliner Kultdisco „Sound“ kennen. Genauso wie den Rest ihrer Clique: Axel mit den schönen Locken, die tapfere Stella, den hoffnungslos verliebten Michi und die wohlhabende Babsi. Gemeinsam stürzen sie sich in spannende Drogenexzesse. Von der ersten Zigarette auf dem Schulhof, über Trips in der leuchtenden Disco bis hin zum ersten Schuss Heroin. Was als jugendliches Grenzen testen und das Leben feiern beginnt, führt zu Abgründen der in der Berliner Drogenszene. Alles spielt sich auf den Straßen Westberlins ab. Die Sucht führt die einen auf den Straßenstrich und andere ins Verderben. 

Die Clique trifft sich, um gemeinsam zu spritzen.

In der Serie werden, anders als im Originalfilm von 1981, alle Charaktere genauer beleuchtet und verschiedene Schicksale gezeigt. In 8 Folgen fühlt man mit und kann sich hineinversetzen, gleichzeitig soll die Serie nicht realitätsgetreu die Geschichte der echten Christiane F. erzählen, wie sie 1978 von den zwei Stern-Reportern im gleichnamigen autobiografischen Buch festgehalten wurde. Es gibt viele Abwandlungen, viele Erweiterungen und eine unglaubliche Breite an ästhetischen Bildern. Deutlich weniger ästhetisch war die Drogenszene Berlins in den echten 70er Jahren. Aber das räumen die Macher*innen der Serie schon von Beginn an ein. Autorin Annette Hess sagt „Ich möchte, dass man nach dem Sehen der Serie sagt, ich möchte sofort drogenabhängig werden und gleichzeitig auch auf keinen Fall.“ Schreckliche, blutige Szenen, in denen Christiane und ihre Freund*innen sich einen Schuss Heroin setzen, werden genauso hemmungslos gezeigt wie die schwerelosen Momente in der Jugend, in der man gemeinsam feiert und sich mit hohen Schuhen viel zu jung in den Club schleicht.  

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.