Schlecht in Mathe? Dyskalkulie könnte der Grund sein
Wie wird bei der Diagnose und Behandlung vorgegangen?
Die Diagnostik besteht aus mehreren Komponenten, die zunächst den Austausch mit den Lehrer*innen und Erziehungsberechtigten, sowie eine psychometrische Testdiagnostik umfassen. Dabei soll der*die Betroffene einen Rechentest und meist auch einen Intelligenztest bearbeiten. Somit können sowohl die Rechenfähigkeiten aufgezeichnet als auch eine mögliche Minderbegabung ausgeschlossen werden. Im Rahmen des Diagnoseverfahrens werden zudem Untersuchungen in Bezug auf die Verhaltensbeobachtung und weitere psychische und neurologische Störungen durchgeführt.
Liegt tatsächlich eine Dyskalkulie vor, so wird eine Behandlung empfohlen. Jene beinhaltet die Aufklärung über die Störung für die Erziehungsberechtigten sowie Lehrer*innen des Kindes. Eine passende Beratung erfolgt ebenfalls regelmäßig. Außerdem soll das Kind durch psychotherapeutische Maßnahmen und die gezielte Förderung der Rechenfertigkeiten unterstützt werden.
Wie wirkt sich Dyskalkulie auf Betroffene aus?
Je früher die Rechenstörung erkannt wird, desto schneller und besser wirkt sich die passende Therapie auf die Entwicklung des Kindes aus. Denn die Dyskalkulie kann enorme psychische Belastungen für Betroffene mit sich bringen. Die Misserfolge begegnen ihnen erstmals im Schulunterricht und ziehen sich ebenso durch das alltägliche Leben.
Diese Belastung in verschiedenen Lebensbereichen kann mit der Zeit große Selbstzweifel sowie weitere sogenannte Komorbiditäten (Begleiterscheinungen, die überdurchschnittlich oft mit einer Grundsymptomatik auftreten) auslösen. Zu den Komorbiditäten der Dyskalkulie gehören zum Beispiel Mathe-Angst bis hin zu Angststörungen. Auch psychosomatische Probleme wie Kopf- oder Bauchschmerzen treten vermehrt auf. Die mögliche psychische und soziale Last kann sogar depressive Störungen hervorrufen.
Es ist folglich von hoher Wichtigkeit, das Leid der von Dyskalkulie betroffenen Menschen ernst zu nehmen und ihnen gleichsam Gehör zu schenken. Nur so kann man ihnen die Versagensgefühle auf Dauer nehmen und der Stigmatisierung der Störung entgegenwirken. Für Menschen, die sich oder andere Personen nun wiedererkannt haben, ist es durchaus empfehlenswert, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Bildquelle: Antony Hyson S via Unsplash; CC0-Lizenz