Eine Idee Liebe: Warum willst du mich nicht? Ablehnung im Dating-Dschungel

Mann im Abendlicht

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Ich kann es nicht anders sagen, bevor ich meinen heutigen Freund kennenlernte, war ich eine große Befürworterin von einschlägigen Dating-Apps. Einige Plattformen kamen mir – im wahrsten Sinne des Wortes – unter die Finger. Von Bumble, über Once, bis hin zu Lovoo probierte ich einiges aus.

Am Ende kam ich jedoch immer wieder zu Tinder zurück. Zu sehr schränkten mich die anderen Optionen ein, zu unästhetisch war das Design, zu seltsam die angemeldeten Herren. Tatsächlich machte ich während der gesamten Zeit nur zwei wirklich schlechte Erfahrungen. Unnötig zu betonen, dass ich in der „realen Welt“, also an Bars und in Diskotheken um einiges häufiger auf aufdringliche Zeitgenossen stieß. Wirklich brenzlig wurde es jedoch zum Glück nie.

Das Schöne an solchen Apps ist ja auch, dass die Hemmschwelle relativ niedrig ist. Man traut sich mehr, schreibt auch mal mit Leuten, die nicht so wahnsinnig gut ins eigene Beuteschema passen. Dadurch ergaben sich für mich ein paar richtig lustige Kaffee-Dates und interessante Abende mit einem kalten Radler auf den Rheinterrassen. Gleichzeitig bedeutet diese niedrige Hemmschwelle jedoch auch, dass sich viele Menschen so benehmen als würde sich auf der anderen Seite der Tastatur keine lebendige Person befinden.

Mit wem schreibe ich hier eigentlich?

So trugen sich einige virtuelle Situationen zu, die mich zu Beginn meines Singlelebens noch schockten, irgendwann aber zur traurigen und (zum Glück) leicht löschbaren Normalität wurden. Denn während die meisten Männer sehr gut mit einem „Nein“ meinerseits umgehen konnten, waren einige Herren der Schöpfung in ihrem Ego beleidigt und fingen spätestens jetzt an richtig eklig zu werden. Die Details erspare ich euch hier, aber sagen wir mal so, da draußen scheinen viele Männer zu glauben, dass sie ein Anrecht auf Sex mit jeder Frau hätten, die sie attraktiv finden.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.