ZEITjUNG

Facebook Manipulation

Insider packen aus: Facebook beeinflusst unsere politische Meinung

Es macht uns unglücklich, neidisch, aber auch hoffnungslos süchtig: Niemand kann sich den gezielten Psycho-Effekten von Facebook entziehen. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass das soziale Netzwerk uns tagtäglich mit abgestimmter Werbung oder einem gefilterten News Feed manipuliert. Doch nun wurden Vorwürfe laut, dass Facebook auch politischen Einfluss auf seine Nutzer nimmt: Der Tech-Blog Gizmodo klagt an, dass Mitarbeiter vor allem Berichte mit konservativer Medien aus den Nachrichtentrends des Netzwerks entfernt haben. Die Nachrichtentrends (oder auch Trending Topics) sind News, die gerade am häufigsten geklickt, geliked und geteilt werden und damit widerspiegeln sollen, welche Ereignisse die Facebook-User gerade besonders interessieren. Bislang existieren die „Trending Topics“ nur im Englischen.

 

Facebook weist Vorwürfe zurück

 

Mehrere anonyme Ex-Mitarbeiter erzählten in Gizmodo’s Bericht bereitwillig, dass Nachrichten zu republikanischen Politikern wie Mitt Romney oder Rand Paul herausgefiltert worden seien, während Themen wie die Anti-Rassismus-Bewegung manuell hinzugefügt wurden. Der Konzern wurde von den ehemaligen Mitarbeitern außerdem beschuldigt, Geschichten konservativer Medien wie der „Washington Examiner“ konsequent zu ignorieren – bis sie von noch bekannteren Zeitungsgrößen wie der „New York Times“ aufgegriffen werden.

Facebook reagierte bereits auf den Gizmodo-Artikel – und wies fast jeden Manipulationsvorwurf zurück: „Unsere Regeln erlauben nicht die Unterdrückung von politischen Perspektiven“, erklärte ein Facebook-Sprecher. Auch Tom Stocky, Manager der Trending Topics, schreibt, dass solche Manipulationen verboten, ja technisch nicht mal möglich sind. Zu der Anschuldigung, Mitarbeiter würden auch Nachrichtenmeldungen über Facebook bewusst nicht in die Trends setzen, äußerte sich der Konzern bislang jedoch nicht.

 

Der größte Manipulator unserer Zeit

 

Mit 1,6 Milliarden Nutzern weltweit ist Facebook unangefochtener Reichweiten-Meister. Dadurch entsteht natürlich auch die einmalige Möglichkeit, tagtäglich unzählige ahnungslose Menschen zu beeinflussen – und die wurde schon häufig gnadenlos ausgenutzt: Um die Loyalität und Treue ihre Nutzer zu testen, wurde beispielsweise ein Selbstsabotage-Experiment durchgeführt.

Softwareingenieure bauten absichtlich Fehler in die App des sozialen Netzwerks ein, die das Programm abstürzen ließen und für mehrere Stunden außer Gefecht setzten. Der Konzern wollte herausfinden, welche Hindernisse die Nutzer in Kauf nehmen würden, um im sozialen Netzwerk weiterhin aktiv sein zu können. Auch vor unseren Gefühlen machte der Riesenkonzern mit seinen Psycho-Spielchen keinen Halt: Um herauszufinden, inwieweit sich unsere Laune von dem sozialen Netzwerk beeinflussen lässt, führte Facebook ein extremes Experiment durch und nutzte dazu den „News Feed“. Dieser wird normalerweise nach den Beiträgen von jenen Nutzern gefiltert, die uns durchschnittlich am meisten interessieren. In dem Experiment unterdrückte Facebook nun bei dem einen Teil der Nutzer negativ bestimmte Beiträge ihrer Freunde, bei dem anderen positive Beiträge. Tatsächlich wirkte sich die dadurch erzeugte Stimmung im News Feed auch auf die betroffenen Nutzer aus: Sie übertrug sich.

Die Plattform selbst steht hinter solch degradierenden Aktionen – wäre es da nicht auch möglich, dass Trendthemen gefiltert werden, um politischen Einfluss zu nehmen? Überraschen würde das wohl niemanden. Und streng genommen wäre es auch nicht verboten; schließlich ist Facebook kein öffentliches Medium, das zu politischer Ausgewogenheit verpflichtet wäre. Trotzdem betont das Unternehmen immer wieder, dass die Auswahl der Trends automatisiert erfolgt und subjektive Einfärbungen somit gar nicht möglich sind. Doch vor dem Hintergrund der fehlenden Facebook-Neuigkeiten in den Topic Trends und den vielen bewussten Beeinflussungen wächst unser Misstrauen gegenüber dem wohl größten Manipulator unserer Zeit.

 

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Bildquelle: Dai KE unter CC 0 Lizenz

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