Bilder: Fotografieren, was verboten ist

Portrait of three young girls on a day of anniversary of death of prophet Mohammed

Fotos von rosa Sonnenuntergängen und traumhaften Sandstränden gibt es schon zu genüge. Aber Bilder, deren Aussagekraft über ein verzücktes „ohaaa wie fancy“ hinausgehen und die wir nicht im selben Moment schon wieder in die Tiefen unseres Erinnerungsvermögens vergraben, sehen wir nicht jeden Tag.

Der tschechische Fotograph David Tesinsky hält nichts von austauschbaren Motiven. Er ist ein junger, selbstständiger Fotograph, der sich auf die Suche nach ungewöhnlichen Geschichten und Menschen begibt und so eindrucksvoll soziale Bewegungen und Subkulturen fotografiert. So ist auch die starke Bilderreihe „Children of Islam“ entstanden, die die revolutionäre Untergrundbewegung der jungen Leute im Iran portraitiert. Was ihn dazu bewegt, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen, anstatt einfach nur eine heile Welt aus süßen Katzenbabys oder epischen Landschaftsbildern zu zeigen, hat ZEITjUNG für euch herausgefunden.

ZEITjUNG: David, was hat dich zu deiner Bilderreihe „Children of Islam“ inspiriert? 

David: Es war der Mut der Iraner Jugend, ihr Drang für Menschenrechte zu kämpfen, und ihr Wille, der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen, der mich inspiriert hat, und das alles obwohl der Iran kein Land ist, in dem man frei seine Meinung äußern kann.

Wie bist du in Kontakt mit dieser „Untergrundbewegung“ bekommen?

Ich habe viel im Internet gesurft und viel rumgefragt, immer mehr Leute erreicht und immer weitere Fragen gestellt.

Was verstehst du unter einem guten Bild?

Ein gutes Bild muss für mich diese gewisse Magie haben, das Gefühl des richtigen Augenblicks vermitteln und eine Botschaft haben. Das ist wie mit Musik: Man fühlt sie – oder eben nicht.

Was war für dich das coolste Erlebnis, das du bei deiner Arbeit erlebt hast?

Die exzessiven Homeparties im Iran mit viel illegalem Alkohol, bei denen ich die unglaublich offenen Einheimischen getroffen habe. Wir haben über die Dinge geredet, auf die es im Leben wirklich ankommt. Ich liebe es, nach neuen Themen zu suchen, neue Kulturen und Leute kennenzulernen.

Du hast dich dazu entschieden, dich mit kontroversen Themen zu beschäftigen. Was hat dich dazu gebracht diese Motive zu fotografieren?

Ich habe das Gefühl, die Welt muss noch so einiges mehr sehen und lernen. Auch ich bin nur einer von vielen, der keine tausende von Leuten erreichen kann, aber immerhin ein paar. Fotografie kann Mitteilung sein, aber zu einem gewissen Punkt auch ein Heilmittel. Zum Beispiel habe ich das Töten von Tieren in vielen verschiedenen Ländern fotografiert und dann einigen meiner nicht-vegetarischen Freunde gezeigt. Davon waren sie angeekelt.