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„It is what it is“ – Die Gesichter des Drogenmissbrauchs in den USA

Ehrlich und direkt zeigt uns Jordan Gale mit seiner Fotoserie „It is what it is“ die Drogenszene in Iowa, USA

Jordan Gale ist ein junger Fotograf aus Iowa, der uns mit seiner Schwarzweißfotografie mitnimmt in die wilde und traurige Welt des Drogensumpfs. Ganz unverblümt, roh und unbearbeitet zeigt er uns Menschen, die wir sonst nicht wahrnehmen würden. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt:

 

ZEITjUNG: Wie hat deine Umgebung deine Arbeit beeinflusst?

Jordan Gale: Früher fand ich, dass die Kamera ein guter Weg war, um Bilder zu kreieren, die weit entfernt waren von meiner eigenen Umgebung. Ich habe es geliebt mit Photoshop stundenlang an einem Bild zu sitzen und es in etwas Surreales zu verwandeln. Jetzt würde ich mich eher als Geschichtenerzähler sehen, der in der echten Welt steht. Ich denke es ist unmöglich auch nur zu versuchen meine Umwelt von den Bildern in meinem Projekt zu trennen. Mich zieht es förmlich zu persönlichen Schwierigkeiten und Problemen. Ich bin sehr leidenschaftlich im Bezug auf Themen, mit denen ich mich identifizieren kann, so wie sozioökonomische Themen und die Probleme, die mit Drogenmissbrauch einher gehen, weil ich deren Effekte persönlich erlebt habe.

 

Möchtest du mit der Bilderreihe eine Message, wie zum Beispiel Drogenprävention, ausdrücken, oder willst du die Leute lieber schocken und Bewusstsein für Drogenmissbrauch kreieren?

Mit dieser Geschichte möchte ich die Wege aufzeigen, mit denen unsere Gesellschaft degradiert, wegen des Mangels an Ressourcen und Möglichkeiten. Diese schlimmen und gefährlichen Situationen stammen von Vernachlässigung und Ablehnung. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Schichten von Drogenmissbrauch lenken. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, manchmal treibt es die Langweile an, manchmal dienen sie als ungesunde Bewältigungsstrategie.
Ich möchte, dass die Leute wissen, dass das kein eindimensionales Problem mit einer eindimensionalen Antwort ist. Drogenepidemien sind sehr groß in den Medien, aber die Gesichter der Krise, echte Menschen mit echten Leben, werden oft vergessen. Die Antwort zu einem solchen Problem wird aus der betroffenen Gesellschaft selber kommen.

 

Ist das für die Leute in Ordnung, dass du sie fotografierst, während sie Drogen nehmen? Du stellst die Bilder ja auch online, gibt es da keine rechtlichen Risiken?

Egal was ich fotografiere, ich adressiere die Situation und die Subjekte mit dem gleichen Respekt. Jeder kann Fotos machen und die meisten lernen schnell ein ästhetisches Foto zu machen. Ich laufe nicht einfach in jemandes Leben, mache ein Foto, lade belastende Bilder auf Social Media hoch und gehe dann. Gute Geschichten entstehen durch Gespräche. Meine Modelle wissen was ich tue, kennen meine Intentionen. Klar sind sie am Anfang etwas reserviert. Jemand unbekanntes mit einer Kamera dringt in ihre Privatsphäre ein, natürlich wird das als Gefahr gesehen. Wir führen viele Gespräche und ich frage immer noch einmal nach, ob es okay ist, wenn ich die Bilder hochlade. Was die rechtliche Seite angeht, gibt es auf beiden Seiten Risiken. Das ist notwendig für akkurates Geschichten erzählen. Aber wenn wir damit anfangen über die Legalitäten eines Fotografen zu reden, führen wir nicht die richtige Unterhaltung und die wirklichen Probleme werden nicht adressiert.

 

Was möchtest du mit deinem Titel ausdrücken? Sind die Situationen, die du zeigst, unveränderbar?

Der Satz hat irgendwie etwas Subtiles. Der Drogenmissbrauch, sozioökonomische Stagnation und die welkenden Moralitäten der westlichen Gesellschaft sind Dinge mit denen wir uns nicht zufrieden geben sollten. Ich will meine persönlichen Geschichten als betrübt rüberbringen. Mit einem Titel wie „It is what it is“ wollte ich ein subtiles Nebeneinander zwischen der Geschichte und dem Satz schaffen. Ich hoffe, dass der Satz die Transparenz und Ehrlichkeit meiner eignen, persönlichen Story reflektiert.

 

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