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Fotos: Was, wenn wir mit jemand anderem zusammen wären?

Dita Pepe schlüpft in die Rollen anderer Frauen und überlegt, wie anders ihr Leben verlaufen wäre, hätte sie einen anderen Partner gewählt.

Eigentlich passiert es jedem mal. Man sieht vor sich an der Kasse im Supermarkt einen wunderschönen Mann, oder eine wunderschöne Frau, seine/ihre wöchentliche Ration Lebensmittel auf das Band packen. Du rückst ein Stückchen näher und riechst ein Parfum, das dir eine wohlige Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. „Entschuldige, bitte“, schiebt sich plötzlich jemand an dir vorbei, ungewaschene-lange-Haarmähne, eine grüner-Parka-und-Brille-tragende Person, die trotzdem oder gerade deswegen verdammt lässig aussieht, und lehnt sich an die Schulter, an der du dich schon festkleben sahst. Mist, denkst du nur und wendest leicht schnaubend deinen Blick ab, als der Parkamensch deinem Objekt der Begierde etwas ins Ohr flüstert. Als die zwei händchenhaltend aus dem Supermarkt schlendern, bleibst du mit dem unattraktiven, pickligen Verkäufer und der Frage zurück: Was wäre, wenn ich das wäre?

 

Vielleicht doch mal lieber links statt rechts abbiegen?

 

Es ist verlockend: Die Vorstellung von Sein und Schein, das Wechseln in fremde Leben. Vertauschte Rollen halten ungeahnte Möglichkeiten bereit. Da geht es um die (unrealistische) Erfüllung von Träumen und Liebe, Beruf und Familie. Hätte man vielleicht doch mal auf den altklugen und verhassten Mathelehrer hören und für’s Leben und nicht für die Schule lernen sollen? Wäre man dann erfolgreiche Maschinenbaustudentin geworden – wo die Quote der gut aussehenden Männer deutlich höher ist als in der Germanistikschiene?

 

Eine Frau, tausend verschiedene Familien

 

Gedankenspiele kann man in jede Tagträumerei einbauen. Dita Pepe, tschechische Fotografin, stellt sich seit 1999 immer wieder wie ein Chamäleon zu fremden Familien dazu. Sie erstellt Porträts, die einen Schnappschusseindruck hinterlassen und so umso authentischer wirken. Interessant ist für Pepe allerdings nicht nur ihre Frage, wie es wohl wäre, in andere Leben zu schlüpfen. Auch die Veränderungen am eigenen Ich gilt es zu dokumentieren. Würde man sich reibungslos an die fremde Umgebung anpassen – oder sich ungewollt so ändern, dass man sich selbst nicht mehr erkennt?

Hätte, könnte, wollte, sollte – letztlich sind das Ausdrücke, mit denen man sich nicht beschäftigen muss. Wo man am Ende mal landet, hat man sowieso nicht in der Hand. Aber sich bis dahin wie Dita Pepe ab und zu in andere Leben zu träumen, kann trotzdem nicht schaden.

 

 

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