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5 Fragen, 5 Antworten: Angrapschen & Anmachen – Wo finden Frauen auf dem Oktoberfest Hilfe?

Ein Gespräch mit der Organisatorin der Aktion „Sichere Wiesn“.

Der Spaß auf der Wiesn wird immer wieder von Meldungen über sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen überschattet. Es scheint wie ein unausgesprochenes Geheimnis zu sein, dass diese Dinge passieren, aber niemand möchte es so genau an- oder aussprechen. Durch die #metoo Debatte und die Gesetzesänderung bezüglich Angrapschen verändert sich die gesellschaftliche Wahrnehmung, die bierseligen Übergriffe werden mehr und mehr thematisiert.

 

Sicherheit für Frauen auf der Wiesn

Trotzdem kursieren nach wie vor im Netz Listen mit Tipps, wie sich Frauen am Besten vor sexuellem Missbrauch auf der Wiesn schützen. Dazu gehören Dinge wie keine kurzen Kleider anziehen oder nicht viel Alkohol trinken. Ratschläge, die die Opfer mitverantwortlich machen und stigmatisieren. ZEITjUNG hat mit der Organisatorin und Fachberaterin der Aktion „Sichere Wiesn„, Kristina Gottlöber, über Sicherheit für Frauen auf der Wiesn gesprochen. Seit 2003 bietet die Aktion eine Anlaufstelle für in Not geratene Frauen auf dem Oktoberfest.

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Frau Gottlöber, was tut die Aktion „Sichere Wiesn“ für eine sichere Wiesn?

Die Aktion ‚Sichere Wiesn gibt es seit 2003. Damals wurde eine hohe Zahl an Vergewaltigungen bemerkt, woraufhin wir uns entschlossen haben, etwas zu unternehmen. Wir, das sind 3 Trägerorganisationen, AMYNA e.V., IMMA und der Frauennotruf München. Alle drei Organisationen setzen sich für die Rechte und die Unterstützung von Frauen ein. Auf der Wiesn haben wir eine Beratungsstelle im Service Center eingerichtet, sind also jeden Tag vor Ort und helfen den Frauen, wo wir nur können.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Bei welchen Problemen helft ihr?

Da differenzieren wir nicht. Wir sind da, um Frauen in Problemlagen zu unterstützen. Manche kommen zu uns, weil sie ihren Hausschlüssel verloren haben, andere wurden Opfer von sexualisierter Gewalt. Wir helfen jedem. Auch vermeintlich banale Situationen, wie der Verlust des Partners im Getümmel können zu großen Problemen führen, wenn Frauen dann beispielsweise orientierungslos mit Fremden mitgehen, die behaupten, sie wüssten wo ihr Hotel ist.

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Wie hat sich die Aktion entwickelt?

Das ist schwer zu sagen. Im ersten Jahr hatten wir 27 Fälle, im letzten 234. Das hat aber vermutlich vor allem mit unserem Bekanntheitsgrad zu tun und damit, dass immer mehr Frauen wissen, wo sie sich Hilfe holen können. Auch verschiedene mediale Faktoren spielen hier eine Rolle. Durch die Gesetzesänderung, dass jetzt auch Grabscher bestraft werden, oder die #metoo-Debatte reagiert auch die Polizei sensibler auf Übergriffe. Die Menschen sind eher sensibilisiert.

Bildquelle: Manuel Joseph über Pexels

Oktoberfest

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Wie erklären sie sich, dass sie diese Übergriffe auf der Wiesn häufen?

Das Oktoberfest wird von vielen leider als eine Art „moralfreie Zone“ gesehen. Dagegen leisten wir intensive Gegenarbeit. Es herrscht einfach eine sehr stark sexualisierte Grundstimmung. Vergleichsweise passiert jedoch wenig, eine derart große Menschenansammlung mit solchen Mengen an Alkohol könnte ganz anders eskalieren. Dennoch arbeiten wir daran, dass das Argument „wem die sexualisierte Stimmung nicht gefalle, der solle eben nicht auf die Wiesn gehen“ entkräftet wird. Wir möchten, dass sich alle Frauen auf der Wiesn sicher fühlen können.

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Stört sie, dass immer noch Tipps kursieren, wie sich Frauen vor Vergewaltigung schützen können?

Ja, das stört mich sehr. Auch wir haben Flyer mit Tipps für Frauen, die aber allesamt nicht einschränkend wirken sollen. Wir wissen leider, wie die Situation ist und möchten die Frauen nur davor schützen, allzu unbedarft an die Situationen heranzugehen. Unsere Hinweise zielen aber darauf ab, wie man sich als Frau wohlfühlen kann, ohne sich in seiner Freiheit einzugrenzen. Sonst wird den Frauen wieder die Opferrolle zugeschoben, was falsch ist. Schuld ist immer nur der Täter. Deswegen haben wir auch auf den vergangenen Oktoberfesten immer wieder Öffentlichkeitsarbeit geleistet, um die Menschen darüber aufzuklären, dass kein kurzes Dirndl oder Trunkenheitsgrad jemals gleichbedeutend mit einer Zustimmung ist.

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Beitragsbild: 0xFF unter CC by 2.0 Lizenz über Flickr

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