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Friedemann Karig: „Ich fände es so wichtig, dass sich alle mal locker machen.“

Sein Buch „Wie wir lieben“ handelt von Polyamorie, er selbst wird als der neue Michael Nast gehandelt. Was Friedemann Karig dazu sagt? Entspannt euch mal!

Nach jeder Liebesgeschichte folgt in „Wie wir lieben“ eine Art Theorieteil. Er liest sich wie eine Mischung aus einem Artikel und einer gut recherchierten Hausarbeit – siehe Literaturverzeichnis.

Ich gebe zu: Hausarbeiten fand ich an der Uni super. Und allerlei Artikel schreib ich ja auch schon länger. Wenn man mal ein paar gute Sachbücher, vor allem aus Amerika, gelesen hat, dann merkt man, dass manche Autoren es extrem gut schaffen, Fakten mit Geschichten zu verweben. Das war mein Ziel.

Dein Buch ist voll von popkulturellen Referenzen. Lyrics von Feist oder The Killers, Dialoge aus Sex and The City und nachdenkliche Sprüche von Wayne Gretzky.

Deswegen ist ein Buch schreiben so schön. Im Kopf hatte ich schon davor eine Sammlung. Ich wusste dann relativ schnell, dass so ein paar Musik-Sachen rein müssen. Das ist die Sahne auf dem Kuchen. Und es ist natürlich noch schöner, wenn es der geneigte Leser am Ende auch merkt.

Michael Nast hat mit seinem Bestseller „Generation Beziehungsunfähig“ im vergangenen Jahr deutschlandweit Lesungen gehalten. Über Deinen Besuch bei einem der vier ausverkauften Termine im Münchner Literaturhaus schreibst Du: „Im Ernst: Der Nast zieht so viele junge Menschen zu Lesungen wie sonst nur Stuckrad-Barre. Ihre Fanbasis ähnelt sich. Es sitzt hier der VW Golf unter den Publikums: Deutsch. Weiß. Wach. Gesund, munter, gute Zähne. So um die magische 30, Ende Studium oder frisch im Job. Look: Bisschen H&M, bisschen Zara, bisschen Schmuck. Natürlich geschminkt.“

Ich konnte nur schreiben, was ich fühle. So sah es eben da aus.

Am Freitag war ich bei einer Lesung von Dir. Das Publikum dort lässt sich nicht mit Nasts vergleichen. Kneift man aber die Augen zusammen oder schaut von oben auf den Zuschauerraum, kann man sagen, dass es auch eher eine homogene Masse war. Was sagst Du zu dieser Gemeinsamkeit?

Das hab ich noch gar nicht so betrachtet. Von oben sieht das natürlich relativ gleich aus. Aber Du hast schon Recht, da kommen ähnliche Leute. Jung, offen, vielleicht auf der Suche nach etwas. Ich mag mein Publikum jedenfalls bis jetzt.

Bekommst Du oft den Michael Nast-Vergleich?

Ja, leider. Weil er nicht zutrifft. Und auch so vage ist. Meistens sagt jemand zu mir: „Das ist doch so ein Buch wie von diesem Markus, wie heißt der noch…“ Und ich weiß dann schon immer, dass jetzt Michael Nast kommt. Das Witzige: die Leute kennen ihn auch nicht wirklich. Bei seiner Lesung in München hatten 7 von 500 sein Buch gelesen. Aber ich will gar nicht sagen, dass mein Buch besser ist. Es ist nur ein ganz anderer Ansatz. Weil ich mich wirklich auf die Spur einer Lösung für ein Problem gemacht habe. Nast beschreibt das Problem nur, mehr oder weniger unterhaltsam. Ob man das mag oder nicht, ist Geschmacksache. Und scheinbar hat er einen Nerv getroffen. Zumindest was die Lesungen angeht, werde ich niemals so große Hallen füllen wir er. Niemals. Was daran liegt, dass er ein Label und einen Generationsbegriff geschaffen hat. Die Diagnose “Beziehungsunfähigkeit” zieht unheimlich. Deshalb kann er mir aus noch zehn Bücher dieser Art schreiben. Das ist wie mit Mario Barth. Gegen Mario Barth kann man auch nicht so viel sagen. Der macht halt Hallen voll. Völlig legitim. Aber er wird dich nicht weiterbringen.

Was möchtest Du gerne noch über Dein Buch sagen, was Dich leider nie jemand fragt?

Ich würde in jedem Interview gerne ausdrücken, dass ich mit diesem Buch überhaupt nichts von irgendjemand will. Jeder darf, wie er oder sie will. Aber ich fände es so wichtig, dass sich alle mal locker machen. Wenn ich könnte, würde ich gerne noch so eine Fahne auf jedes Buch stecken: „Alles wird gut! Auch bei Dir!“. Die Botschaft: Du kannst das Buch lesen oder nicht, mach was du willst. Hauptsache, Du wirst glücklich. Das kann ich nicht oft genug betonen. Weil Menschen auf solche neuen Ideen mit Fragen wie „Müssen wir jetzt alle dies und das machen…“ anfangen. Nee, wir müssen gar nichts. Außer bisschen glücklich werden. Und selbst das nicht unbedingt.

Aber für den Moment denke ich, ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte. Ich bin 34. Es ist auch anmaßend zu sagen: Ich schreibe euch jetzt die Bibel der Liebe. Oder drei Teile davon. Ich muss jetzt erstmal noch 20, 30 Jahre was erleben. Vielleicht schaffe ich dann doch noch ein Buch über die Liebe.

Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie ist am 17. Februar 2017 bei Blumenbar im Aufbau Verlag erschienen. Das Cover zeigt einen Trisou, also einen Kuss zu Dritt.

 

 

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Bild: Matthias Starte

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