Friedrich bei Anne Will: Wird die Flüchtlingsnot verharmlost?

Anne Will Friedrich

Reaktionen zur aktuellen Flüchtlingssituation erscheinen oft Schwarz oder Weiß. Entweder extremistischer Natur, wie am Beispiel von Pegida zu sehen, oder aber leidenschaftlicher und offener, zu beobachten an Menschen, die den Geflüchteten mit ihrem Einsatz von ganzem Herzen helfen. Letzteres ist natürlich zu befürworten. Doch hat sich angesichts der Frage, ob wir zu naiv seien, das Denken vieler Menschen gewandelt, hin zu einer kritischeren Sicht auf den Umgang mit den Hilfesuchenden. Kritisch ist ja erstmal gut, teilweise äußert sich das jedoch leider in einer Art und Weise, die der Not vieler Flüchtlinge nicht gerecht wird.

Anne Wills Talkshow am gestrigen Abend drehte sich um „die richtige Flüchtlingspolitik“. Teil dessen war auch die Diskussion über einen Grenzzaun zu Österreich. Ex-Innenminister und CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich hat im Rahmen dessen mal eben Grenzzäune mit einem Beispiel aus dem „wahren Leben“ verglichen. Zitat aus der Show: „Ich weiß gar nicht, was die Dämonisierung von Zäunen soll! Ich kenne jede Menge Leute, die haben Zäune um ihre Häuser. Das Entscheidende ist, dass es auch Gartentüren gibt, bei denen man die Leute hineinlässt, die man hineinlassen will!“ Uff. Der Vergleich hinkt ganz schön gewaltig.

 

CSU und CDU im Clinch

 

Zwischen abstrusen AfD-Aussagen („Dem Boss sagen, so läuft das nicht!“) und unfassbar hirnlosen Pegida Äußerungen („Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“) tummeln sich auch ernst zu nehmende Beispiele einer, dezent ausgedrückt, kritischen Sicht auf den Umgang mit Flüchtlingen. Die CSU dient als Paradebeispiel für eine negative Sicht auf Merkels Flüchtlingspolitik, welche deutsche Grenzübergänge nicht schließen will und Flüchtlinge aus Ungarn unregistriert nach Deutschland reisen lässt. „Weltoffenheit bedeute nicht, ein anderes Land zu werden“, berichtet Söder (CSU) laut der Zeit gegenüber der Bild. CSU-Chef Horst Seehofer treibt es laut der Zeit noch weiter: „Wenn die Asylpolitik nicht korrigiert wird, dann geht das an die Existenz von CDU und CSU“. Zuletzt hatte er zuletzt sogar eine Verfassungsklage in Erwägung gezogen. Damit wäre der parteienübergreifende Clinch perfekt.

Die CDU verteidigt ihre Parteichefin, denn eine einfache Lösung für die Flüchtlingssituation gebe es schlichtweg nicht. „Deshalb macht es Angela Merkel richtig“, so Annegret Kramp-Karrenbauer gegenüber dem Focus. Klar, die Situation ist anspruchsvoll. Die Aufnahmefähigkeit unseres Landes kritisch zu hinterfragen, sollte man in jedem Falle befürworten, es sollte aber auch klar sein, dass Aussagen wie die des Ex-Innenministers bei Will, die Stimmung weiter anheizen. Ein Kippen derer, welche AfD, Pegida & Co. eine Stimme und Zuspruch geben könnte, sollte man zu jeder Zeit im Auge behalten. Denn das Leid der Zivilbevölkerung, denen das Leben übel mitgespielt hat, die die wahrhaftigen Verlierer eines Bürgerkrieges sind, sollte man jederzeit im Hinterkopf haben.

Natürlich kennt das Internet wie immer keine Gnade, User reagieren auf Twitter empört über Friedrichs Aussagen, so erntet er für seine Äußerungen in erster Linie Spott.

 

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