Geisteswissenschaften sind der Shit

2. „Mit welcher Farbe sollen wir die Überschrift unterstreichen?“

Und mit dem Denken kommt auch schon das Handeln. Klar, das richtige Maß ist vielleicht noch nicht gefunden, aber eigentlich bin ich froh, dass die Uni uns so viel Freiheit lässt. Man bekommt nicht einen fertigen Stundenplan vor die Nase geknallt wie im Gymnasium, sondern kann sich seine Kurse je nach Interesse (und Uhrzeit) selbst auswählen. Klingt erstmal ziemlich banal, ist aber ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Das verschulte Prinzip anderer Studienfächer bietet wahrscheinlich weniger Platz für individuelle Selbstentwicklung, die ja meist erst kommt, wenn es plötzlich klickt in diesem Seminar über israelische Performance, in das man eigentlich nie reinwollte. Andere kriegen bei jeder noch so kleinen Abweichung vom Modellstudienverlauf Muffensausen. Und so sollte es dann auch eigentlich keinen mehr verwundern, wenn in einer Vorlesung für Lehramt Biologie, 5. Semester, plötzlich die Frage aufploppt, ob die Widmung des Fachbuchs eigentlich auch prüfungsrelevant ist oder welche Farbe denn zur Überschrift passt.

3. Probeschwimmen im Haifischbecken

Gut, Geisteswissenschaftler kriegen später eh keinen Job (zumindest keinen, der nichts mit Bratfett zu tun hat), jaja, haha, der Witz ist jetzt auch alt. Aber mal im Ernst: dadurch, dass wir, wie in der ZEIT zu Recht angemerkt wird, sehr viel Zeit neben dem Studium haben, können wir nebenher arbeiten oder uns durch Praktika kämpfen – was gar nicht mal so schlecht ist. Gut, einige andere Fächer haben Praxissemester, aber abgesehen davon würde ich mich ziemlich ärgern, wenn ich sechs bis zehn Semester lang Theorie pauke, nur um dann festzustellen, dass der Job in der Praxis eigentlich gar nichts für mich ist. Bildlich gesprochen: fünf Jahre lang das Schwimmen lernen und dann zu merken, dass einem das Wasser zu kalt ist – irgendwie scheiße.

4. Meister des Alltags!

Zu guter Letzt birgt das Studium der Geisteswissenschaften natürlich einige nette Nebenwirkungen: Vom Club direkt in die Vorlesung radeln zum Beispiel, das spart lästige Fahrtkosten und einen Kampf mit dem Wecker. Geht halt nur mit dem entsprechenden Stundenplan. Wir kennen die besten Tumblr immer als Erste und können nachts in betrunkenen Diskussionsrunden mit unserem Basiswissen über Existentialismus oder das Foucault’sche Pendel punkten. Außerdem haben wir durch unser Studium immer hochwertigste Zitate und avantgardistische Künstlercollagen am Start. Wir haben definitiv einen Sinn für Ästhetik. Ein Ausschnitt aus Kafkas Originalmanuskript hier, ein bisschen Marina Abramovic für Arme dort. Ja, Kinder, wenn es euch tröstet, vielleicht ist das unterm Strich der Wert unseres frucht- und brotlosen Studiums: wir Geisteswissenschaftler haben definitiv die cooleren Facebookprofile.