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Es gibt Abende, an denen packt uns einfach die Sehnsucht. Auslöser sind oft ganz kleine Dinge. Wenn dieses eine Lied entfernt aus dem Küchenradio summt, bei dem man das erste Mal geknutscht hat oder im Fernsehprogramm der Film auftaucht, bei dem man heimlich unter der Decke Händchen gehalten hat. Wir denken an unsere Ex-Geliebten und erinnern uns wage an kleine Erinnerungsfetzen. Die reichen uns aber nicht, also fangen wir an, stundenlang den Chatverlauf durchzulesen, bis wir endlich die ersten Nachrichten wieder finden.

Alte Erinnerungen vorzukramen, ist heute ziemlich mühsam. Die ersten Nachrichten und Bilder sind wild verstreut auf Whatsapp, Facebook, Instagram, auf Computer und Handy. Unsere Eltern und Großeltern haben es sich einfacher gemacht. Sie haben ihre Erinnerungen in Schuhkartons gesammelt, die in der untersten Schublade oder der hintersten Ecke zugestaubt auf den nächsten emotionalen Rückfall warten. Für unsere Generation kommen echte Schuhkartons kaum noch in Frage. Wir sammeln lieber digital.

 

Die App für digitale Schuhkartons

 

Lasst es Fluch oder Segen sein, jedenfalls leben wir in Zeiten, in denen es für fast alles Apps gibt. Jetzt gibt es eine, die uns dabei hilft, unsere Erinnerungen in digitalen Schuhkartons zu sammeln. Nach dem Motto „Bring your memories back together“ hilft Shryme die Erinnerungen seiner gesamten Beziehungen an nur einem Ort zu archivieren – auf dem Smartphone. In individuellen Archiven für Freunde, Familie, den Partner oder auch den Ex werden alle Nachrichten aus den beliebtesten sozialen Medien, also Facebook, Instagram, Hangouts, Emails, Fotos und Whatsapp gezogen und gesammelt. Die App verwandelt diesen Haufen an Informationen in einen einzigen Feed, den man genüsslich von Anfang bis Ende jeder Beziehung durch scrollen kann.

Die App Shryme ist sentimental und masochistisch zugleich. Man wird an süße Anfänge erinnert, kann aber auch die zermürbende Trennungsphase nacherleben. In dieser verschwinden die Erinnerungen oft gänzlich aus den Netzwerken. Der virtuelle Cutoff ist heute zum normalen Teil jeder Trennung geworden. Zuerst verschwindet der Beziehungsstatus, dann gemeinsame Bilder, Posts und irgendwann die virtuelle Freundschaft. Eine Studie der NM Incite aus dem Jahr 2011 zeigt, dass ganze 11 Prozent der beendeten Freundschaften auf Facebook auf Trennungen oder Scheidungen zurückzuführen sind. In den meisten Fällen eine weise Entscheidung, schließlich sieht niemand gern, wie die Ex-Lover mit dem neuen Schwarm Urlaub machen. Shryms „Freeze“-Funktion schützt uns vor den gefährlichen Rückfällen und versteckt alle Nachrichten und Bilder ein Jahr vor uns.

 

Besinnt euch auf die plastischen Erinnerungen

 

Wir sammeln unendlich viel digitalen Krims Krams aus unseren Beziehungen. Manchmal landet davon sogar etwas auf Facebook und Co. Wie sehr wir unsere Liebesgeschichten mit der Öffentlichkeit teilen, beeinflusst sogar die Chance auf die Länge der Beziehung. Forschungen zeigen, dass Paare, die ihre Beziehung sehr intensiv auf Facebook darstellen länger zusammen bleiben. Der öffentliche Beziehungsstatus, Partnertattoos und Fotoverlinkungen erhöhen angeblich die Chance, dass man länger als sechs Monate zusammen bleibt.

Ganz egal aus welchem Grund es endete und wie prominent die Liebelei in den Netzwerken war, in alten Erinnerungen zu schwelgen, gibt uns einen kleinen romantischen Kick. Wie romantisch wäre es, echte Erinnerungsstücke anzuschauen? Sehnsuchtsanfälle lassen sich viel schneller mit greifbaren Dingen befriedigen. Es sind zerknickte Fotos mit kleinen Notizen auf der Rückseite, zerknüllte Liebesbriefe, das Ticket vom ersten Kinobesuch oder das Bahnticket vom letzten Besuch. Sie aus einem verstaubten Schuhkarton zu kramen, ist doch viel schöner, als stumpf durch einen Feed zu scrollen.

 

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Bildquelle: Pexels CC0