Geisteswissenschaften studieren ist der Shit!

Geisteswissenschaften sind der Shit

Geisteswissenschaftler, sie sind ein Phänomen für sich. Die Professoren so kauzig-hip bis alternativ-individuell, dass man sie vom Phänotyp her oft nicht von einem Obdachlosen unterscheiden kann (für langweilige Freistunden auf dem Campus empfehlen wir das sich in etablierten Kreisen großer Beliebtheit erfreuende Spiel „Prof oder Penner?“). Und auch die Studenten weisen ähnliche Verhaltensmuster auf: Sie schlafen viel, tragen Bart und eine Fahne vom Vortag und betreten die Uni nur, wenn es draußen zum Rauchen zu kalt ist. Böse Zungen behaupten, sie üben nur für später. Die Festanstellungen bei Burger King sind schließlich rar.

„Liebe Uni, dieses Studium hätte ich in 30 Tagen geschafft“, lautet der Titel einer knallharten Abrechnung mit dem Hochschuluniversum, die vor einer gewissen Zeit auf ZEIT ONLINE erschien. Und während der Artikel aus geisteswissenschaftlicher Sicht voller Wahrheiten steckt, empören sich in den Kommentaren schon sämtliche Knechte der Physik und Elektrotechnik, dass sie da ja ganz andere Erfahrungen gemacht hätten. Geisteswissenschaftler machen keinen Hehl daraus, dass ihr Studium nicht gerade auf der Schnellspur trabt. Aber versuchen wir doch mal, die Punkte hervorzuheben, für die es sich noch lohnt, Asienwissenschaften oder Philosophie zu studieren – und ja, die gibt es.

1. Denken statt Kauen

Klar, die Klausuren in Informatik sind bestimmt umfangreicher als in italienischer Philologie, die Prüfungszeit wahrscheinlich härter. Aber bei den Naturwissenschaften läuft es eben genau deshalb oft auf das altbekannte Bulimie-Lernen raus, bei dem sich so lange stumpf Wörter einer Powerpoint-Vorlesung reingepresst werden, bis man irgendwann gar nicht mehr merkt, dass man gerade die Angaben zu Datum und Hörsaal einfach mit auswendig gelernt hat. Inhalte, die gilt es spätestens seit Martin Sonneborn und der PARTEI eh zu überwinden, und wenn wir Geisteswissenschaftler schon nichts Substanzielles aus dem Studium mitnehmen (außer dass Freud ein perverser kleiner Hund war und es als Kunst gilt, mit Fäkalien um sich zu werfen), so lernen wir doch immerhin, eigenständig unser Gehirn zu nutzen. Zu denken, manchmal um die Ecke. Ja, lacht ihr nur, das fällt vielen noch mit Mitte Zwanzig schwer.

Man hat uns gesagt, eine "witzige Kurzbeschreibung" zu unserer Person zu schreiben. Schrecklich, sowas übt immer enormen Druck auf mich aus. Also: Ich bin leider nicht mehr Ende 10, sondern mittlerweile Anfang 20, liebe Gin Tonic und Zitroneneis. Wenn ich nicht gerade Vorlesungen der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft schwänze, beobachte ich fremde Menschen in der U-Bahn und schmiere meine Gedanken in ein existentialistisches Suhrkamp-Notizbuch oder überrede Bands und Sänger dazu, Pfefferminzlikör mit mir zu kippen. Und den Witz überleg ich mir morgen.