HP-Virus: Das musst du wissen

Das Bild zeigt den Arzt Prof. Dr. Ulrich Karck. Er ist mittleren Alters, hat braun-gräuliche Haare und trägt einen weißen Kittel.

Die HPV-Impfung: Manch eine*r erinnert sich vielleicht noch an die zwei bis drei lästigen Spritzen, die wir irgendwann im Alter von 10 bis 15 zum Schutz vor HP-Viren verabreicht bekommen haben. Andere wurden damals nicht geimpft und denken jetzt vielleicht darüber nach, das nachzuholen. Bis heute ranken sich viele Mythen um dieses Thema – sowohl um die durch die Viren ausgelöste Erkrankung als auch um die Impfung selbst. Ulrich Karck, ärztlicher Direktor der Frauenklinik am Klinikum Stuttgart, hat uns die wichtigsten Fragen beantwortet.

Was ist das HP-Virus?

„HP-Virus steht für Human Papilloma Virus, dahinter verbirgt sich eine Gruppe von Viren, die beim Menschen zu warzenartigen Wucherungen der Haut oder Schleimhaut führen. Die Viren bestehen aus einer Eiweißkapsel, auch Kapsid genannt, in der sich der Bauplan, das Virusgen, in Form von DNA befindet.“

Ist das HP-Virus ansteckend?

„Ja, das HP-Virus ist ein Papillomvirus und gehört zu den stark ansteckenden Viren. Es wurde nachgewiesen, dass ca. 70 Prozent der Bevölkerung sich im Laufe ihres Lebens bereits einmal mit HPV angesteckt haben. Die jährliche Rate an Infektionen liegt in Deutschland bei etwa 6 Millionen Fällen.“

Der Gebärmutterhalskrebs, auch Zervixkarzinom genannt, wird ja durch das HP-Virus ausgelöst. Bekommt man automatisch Gebärmutterhalskrebs, wenn man sich mit HPV infiziert?

„Nein, auf keinen Fall. Man kann davon ausgehen, dass 90 bis 95 Prozent der Infektionen, auch derjenigen mit Hochrisikoviren, ausheilen, ohne, dass es für die betroffene Patientin zu negativen Folgen kommt.“

Wie kann man sich anstecken? Nur durch penetrativen Sex oder auch beim Petting oder Oralverkehr?

„Für eine Ansteckung ist ein enger Hautkontakt erforderlich, oft braucht es auch eine leichte Irritation der Haut, zum Beispiel durch Reibung, damit das Virus in etwas tiefere Hautschichten eindringen kann. HPV-Infektionen sind die häufigsten Infektion im Genital- und Analbereich, man kann sich aber auch beim Oralverkehr anstecken. Man schätzt, dass circa ein Drittel aller bösartigen Tumore im Mund-Rachenbereich durch eine HPV-Infektion verursacht werden.“

Welche Rolle spielen wechselnde Sexualpartner*innen?

„Je häufiger die Sexualpartner*innen wechseln, umso größer wird das Risiko, auf jemanden zu treffen, der das Virus in sich trägt und sich dementsprechend anzustecken.“

Können nur Frauen HPV in sich tragen?

„Nein, HP-Viren finden sich gleichermaßen bei Männer und Frauen.“

Schützt die Impfung vor allen Typen von HP-Viren?

Der neue, in Deutschland verfügbare Impfstoff schützt vor 9 unterschiedlichen Typen von HP-Viren, insgesamt gibt es jedoch ca. 170 Typen. Darunter befindet sich eine Reihe von sogenannten Hochrisiko-Typen, die tatsächlich für das Zervixkarzinom verantwortlich sind. Der bei uns verfügbare Neunfach-Impfstoff schützt vor 7 der Hochrisiko-Typen. Man geht davon aus, dass tatsächlich 95 Prozent der Karzinome von diesen „bösen Sieben“ verursacht werden – also bietet die Impfung einen sehr guten Schutz vor einer Krebserkrankung. Dann gibt es noch die Low-Risk-Typen, die zwar für den Gebärmutterhalskrebs keine Rolle spielen, aber beispielsweise zu Feigwarzen führen können, was ja ebenfalls sehr lästig ist.“

Was unterscheidet die verschiedenen HP-Viren voneinander?

„Hauptsächlich unterscheiden sie sich anhand ihrer Hülle, das heißt, sie haben alle verschiedene Oberflächen. Deswegen braucht man auch unterschiedliche Antikörper, um sie bekämpfen zu können.“

Warum braucht man mehrere Impfungen, bis ein Schutz entsteht?

„Das liegt daran, dass man im Blut einen relativ hohen Antikörperspiegel benötigt. Die Antikörper müssen ja letztendlich von der (Gebärmutter)Schleimhaut abgesondert werden, um dort wirken zu können. Deswegen braucht man mehrere Impfungen, am besten bei sehr jungen Individuen mit einem sehr aktiven Immunsystem. Vor dem vollendeten 14. Lebensjahr reichen zwei Impfungen aus, danach empfiehlt man drei Impfungen, um einen ausreichenden Schutz zu gewähren.“

Warum wird oft eine Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen?

„Zum Schutz vor einer Infektion und zur Bekämpfung einer bereits vorhandenen Infektion werden vom Körper unterschiedliche Abwehrmechanismen benötigt. Die Impfung schützt nur vor einer ersten Infektion und hilft kaum bis gar nicht dabei, das Virus wieder loszuwerden, sobald es sich erst einmal festgesetzt hat. Da das HP-Virus typischerweise beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, ist es sinnvoll, die Impfung dann durchzuführen, wenn noch keine Infektionsgefahr bestanden hat. So kann man den Schutz von Beginn der sexuellen Aktivität an vollständig garantieren.“

Kann man sich auch nachträglich, zum Beispiel mit 18, noch impfen lassen?

„Ja natürlich, das ist möglich und auch sinnvoll. Es gibt mehrere Untersuchungen, die beweisen, dass die Impfung auch zu diesem Zeitpunkt noch funktioniert. Sie ist aber umso wirksamer, je eher sie durchgeführt wird. Wenn man sie vor dem 14. Lebensjahr durchführt, hat man die besten Voraussetzungen für einen vollständigen Schutz.“

Wenn man sich tatsächlich einmal infiziert, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es dann?

„Wie bereits erwähnt, heilt ein Großteil der Infektionen von allein aus. Für die restlichen Fälle gibt es bisher allerdings noch keine wirksame Behandlung – gerade deshalb ist die Impfung so wichtig. Aufgrund einer HPV-Infektion muss jährlich bei etwa 50.000 bis 60.000 Frauen eine Umschneidung des Muttermundes durchgeführt werden, da sonst das Risiko zu groß wäre, dass sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt. Mit einer Impfung ließen sich 95% dieser Operationen vermeiden.“

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

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Bildquelle: Klinikum Stuttgart