Im Fernbus mit der Bundespolizei

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Racial Profiling vom Feinsten

 

Warum so zornig, denkt ihr? Nun ja. Zornig deshalb, weil er den Araber auf dem Sitz nebenan mit den Worten begrüßt: „Personalausweis! Na? Schon mal mit dem Gesetz in Konflikt gewesen?“ Der junge Araber zieht sich die Kopfhörer aus den Ohren und guckt den Polizisten an. Wortlos und kopfschüttelnd zieht er seinen Personalausweis aus der Tasche, reicht ihm dem Mann. „Bin gleich wieder da“, sagt der Bulle und trägt auch diesen Ausweis zu seinem Kollegen, der mittlerweile schon den vierten Namen über Funk durchgegeben hat. Die Polizistin läuft plötzlich schnell nach hinten durch, es wird unruhig im Bus. Ich drehe mich um und sehe nur, wie drei Polizisten einen Typen aus dem Bus eskortieren. Anfang Dreißig, keine besonderen Merkmale. Halt, doch. Ausländer. Zusammen mit dem Mann verlassen sie den Bus. Wir hören Handschellen klicken. „Sie. sind. verhaftet! Hören Sie? Fest-ge-nomm-en!“, höre ich die Polizistin langsam und deutlich betont sagen.

Von Racial Profiling lesen wir in der Zeitung, ja. Jüngst war es Thema wegen der dominanten Polizeikontrolle Silvester 2016 am Kölner Hauptbahnhof. Vielleicht bekommen wir es auch im Freundeskreis mit, weil es immer den einen Dude gibt, der ständig von der Polizei kontrolliert wird. Aber es so direkt mitzuerleben, diese Ehre wurde mir noch nicht zu Teil. Und ja, mein weißes, europäisches und unschuldiges Mädchen-Aussehen ist ein Privileg – aber es fühlt sich ganz und gar nicht gut an, wenn ich merke, dass mein Sitznachbar durch sein dunkles, arabisches und scheinbar schuldiges Männer-Gesicht behandelt wird, als sei er nichts wert. Ebenso wie der junge Mann mit den Dreadlocks und die Frau mit dem Irokesen. Ich weiß nicht, was der verhaftete Mann sich zu Schulden hat kommen lassen – aber es ist mir auch egal. Alleine der Unterschied der Ansprache zwischen mir und meinem nicht-deutschen Sitznachbarn hat mir schon den Magen verdreht.

Ein Polizist läuft nochmal an mir vorbei, wieder zurück zum Ausgang. Auf dem Weg reicht er dem Mann neben mir seinen Ausweis wieder. Dann bleibt er nochmal bei dem gepiercten Mädchen mit dem Irokesen stehen. „Sie haben ihren Ausweis gezeigt?“ fragt er.

 

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Bildquelle: Martin Krolikowski unter CC BY 2.0