Bilderbuch: „Ein Auftritt ist wie ein Sauna-Besuch!“

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Von Helene von Schwichow und Lena Fiedler

Zum Frühstück haben wir die österreichische Band Bilderbuch getroffen. Weil es doch ein bisschen zu früh war für Pfeffi, gab’s die Fantasorten Ananas und Mango – passend zu dem Song „Softdrinks“, der auf dem neuen Album zu finden ist. Mit Sänger Maurice haben wir beim Dosenfrühstück über Hipstertum, Yoga und Kayne West gesprochen.

 

ZEITjUNG: Hey Maurice, hast du einen Lieblings-Softdrink?

Maurice: Ich habe als Kind Sprite am meisten gemocht. Generell trinke ich am liebsten aus Dosen, aber nur aus den dicken. Die dünnen Cola-Dosen sind eine Enttäuschung. Ich bin immer hin und hergerissen zwischen Sprite, Fanta und auch Almdudler. Das ist dann aber eher der Exot.

Ich gratuliere dir, du bist laut der GQ der „Best dressed Man“ Österreichs. Warum ist dein Stil so geil?

Das musst du die GQ fragen. Meine Band und ich geben uns einfach Mühe, dass wir fesch sind und das wird anscheinend honoriert. Das ist natürlich super für die Mama und die Oma, die jetzt alle stolz sind. Wenn die Oma dann nächstes Mal Geburtstag hat, gibt’s kein Gemäkel mehr an mir.

War er also brav der Bub, dieses Jahr.

Genau. Jetzt gibt’s ein Patent dafür, dass ich gut ausschaue.

GQ begründet die Entscheidung mit den Worten „Bilderbuch geben der Musikwelt guten Sound und der Modewelt Spaß, Farbe und cooles Hipstertum.“ Unterscheidet sich der österreichische Hipster denn vom deutschen?

Man merkt, dass GQ jetzt nicht so sehr im Musikbusiness verankert ist. Aber das heißt wohl: Sie finden cool, was wir machen. Hipstertum ist eine schräge Wortkreation, das klingt wie ein Königreich. Der Wiener Hipster ist grundsätzlich etwas dunkler, daher ist es vielleicht witzig, dass ich so ein bunter Hund bin.

Bunter Hund trifft es ganz gut. Generell scheint die Bilderbuch-Welt nur aus Softdrinks, Zuckerwatte, Neonfarben und ersten Dates mit schönen Mädchen zu bestehen. Warum genau diese Ästhetik?

Bei der Arbeit an dem Album war irgendwann klar, dass das Grundgefühl wieder lebendiger und bunter werden muss. Mehr clashen und mehr von der Leber weg. Wir wollten uns selber mal wieder mit Musik befriedigen. Durch dieses Überspitzen von Positivismen bekommt man dann vielleicht ein Zwinkern rein und kann anfangen etwas zu hinterfragen.

Was genau meinst du mit „Befriedigen mit Musik“?

Das zweite Album hat uns in verschiedenen Hinsichten extrem gefordert. Und daraus entstand dann der Wunsch, etwas zu machen, was uns auch ganz oberflächlich mehr gefällt. Und dadurch sind wir ins etwas Naivere gekippt, was uns extrem gut getan hat. Da ist wieder mehr Soul.

Passt das in unsere Zeit? Geht es uns deiner Meinung nach gerade jetzt darum, sich zu amüsieren?

Ich glaube schon. Wenn ich mir ansehe, was gesellschaftlich gerade so passiert, dann glaube ich, dass es wenig bringt, einen Zeigefinger zu heben, sondern mehr einen Spiegel vorzuhalten. Diese Art und Weise kritisch zu sein und dann genau wieder nicht kritisch zu sein, trifft den Zeitgeist glaube ich ganz gut. Wenn man gerade keine Lust darauf hat, erzogen zu werden, kann man das Album auch einfach anhören und eine Freude daran haben. Als wären es Witze. Ein bisschen überzogen natürlich. Aber wenn du es im nächsten Moment ernst nimmst, kannst du ein Zeitdokument finden, das zeigt, wie wir alle ticken.

 

 

Im Video zu „Om“ machst du Entspannungsübungen vor. Bist du ein Yogi?

Meine Mutter hat immer Yoga gemacht. Ich hab es als Kind versucht, aber ich bin immer kläglich daran gescheitert, weil ich so unglaublich undehnbar bin. Das hat sich immer gleich zu einer Verrenkung zugespitzt. Das Video war aber ein guter Grund, mal wieder ein bisschen zu üben. Ich war überrascht, dass ich es am Ende hinbekommen habe.

Was empfiehlst du denn zur Entspannung?

Ich würd echt einfach nur lungern. Zu Hause liegen und ganz klassisch aufs Land, die Oma besuchen und nur „Shopping Queen“ schauen. Und mich dabei darüber aufregen, dass man das schaut. Also einfach das machen, was man früher gemacht hat.

Dabei läuft es für BILDERBUCH doch gerade so gut.

Eben, es macht ja eh Spaß. Man entspannt sich dann in den Hochphasen. Irgendwann entspannt man sich auf der Bühne. Die Bühne polt einen überhaupt wieder dahin, wo du eigentlich zu Hause bist. Sobald du auf der Bühne stehst, merkst du, was die Quintessenz dieser ganzen Geschichte ist. So hat alles angefangen. Aber das ist auch der Höhepunkt. Dort ist die Ekstase in dem Ganzen. Gleichzeitig polst du dich da auch wieder runter. Für mich ist das die größte Freude. So ein Auftritt ist wie ein Sauna-Besuch.

Die Vice schreibt, ihr seid die einzigen – neben Kanye West – die Autotune würdevoll benutzen.

Autotune ist nur ein Effekt. Viele Leute verbinden mit Autotune nur einen einzigen Sound. Die meisten denken, Autoune ist gleich Janet Jackson.

Oder Cher.

Oder Cher. So ein glatter Computersound eben, der frei von Soul ist. Und ich hab das Gefühl, dass Kanye der einzige ist, der diesen Effekt etwas interessanter und öfter nutzt. Und wir haben das dann auf unsere Art versucht, den Effekt mit meinem Gesang zu verbinden. Nicht nur dieses Klischee, sondern eben zu sagen: Eine verzerrte Gitarre ist nicht nur eine verzerrte Gitarre. Mich interessiert, wie man diesen Effekt nutzen und auch wie weit man da gehen kann. Und man sieht: Da steckt mehr drin!

Und wie ist es, mit Kanye in einem Satz genannt zu werden?

Großartig. Er hat uns aus unseren Zwängen der Gitarren-Indie-Musik befreit, mit der wir groß geworden sind. „My beautiful dark twisted fantasy“ ist echt ein Eye-Opener für uns gewesen. Und dann haben wir mehr Mut gehabt, andere Sachen gemacht. Einfach so, wie uns der Schnabel wächst. Mehr HipHop Beats, mehr Collagen. Und auf einmal haben wir gemerkt: Wir dürfen einfach alles machen! Kein Mensch hält uns fest. Nur wir uns selbst.

 

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Bildquelle: Dahlia Spiegel