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Januhairy: Weniger Haut, mehr Haar

Rasierte Achseln, rasierte Beine, rasiertes Alles. Körperbehaarung an Frauen gilt oft als unattraktiv, gar widerlich. #Januhairy will das nun ändern!

„Also würde ich nicht ständig in kurzer Hose Sport machen, würde ich meine Beine im Winter ja nicht rasieren“, sagte mir letztens eine Freundin, als sie über die vor allem für Frauen sehr obligatorische Körperpflege klagte. Obligatorisch – das scheint die regelmäßige Rasur in unserer Gesellschaft ja tatsächlich zu sein. Dabei sollte es doch eigentlich bei einem selbst liegen, wie es um die eigene Körperbehaarung steht. Ob Sommer oder Winter, kurze oder lange Hose.

Wer als Frau aber aufhört, sich zu rasieren, bekommt schräge Blicke zugeworfen und muss sich erklären. Diese Erfahrung hat auch Laura Jackson gemacht. Und deshalb auf Instagram zur Januhairy-Challenge aufgerufen. Der Hashtag #januhairy soll Frauen ermutigen, ihren Rasierer zumindest mal für einen Monat ruhen zu lassen. Für einen haarigen Januar. Und für mehr Akzeptanz.

 

„Wer sich nicht rasiert, ist faul oder will was beweisen“

 

„Bist du einfach nur faul oder willst du etwas beweisen?“ Das waren die Worte ihrer Mutter, als Laura Jackson aufhörte, sich zu rasieren. Die 21-Jährige Britin tat das im Rahmen einer Theaterperformance im vergangenen Jahr. Und merkte dabei: „Ich fing an, mein natürliches Haar zu mögen. Und das Fehlen der unangenehmen Rasur.“ Aber sie merkte auch, dass ihr Umfeld mit Unverständnis reagierte, dass sie sich ständig erklären musste – auch ihrer eigenen Mutter gegenüber. Deshalb entschied sie sich, Januhairy ins Leben zu rufen. Um andere Frauen zu ermutigen, um das Thema ins Gespräch zu bringen, und um Körperbehaarung an Frauen zu normalisieren.

 

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Hi I’m Laura, the gal behind Januhairy! I thought I would write a little about my experiences and how Januhairy came about… I grew out my body hair for a performance as part of my drama degree in May 2018. There had been some parts that were challenging for me, and others that really opened my eyes to the taboo of body hair on a woman. After a few weeks of getting used to it, I started to like my natural hair. I also started to like the lack of uncomfortable episodes of shaving. Though I felt liberated and more confident in myself, some people around me didn’t understand why I didn’t shave/didn’t agree with it. I realised that there is still so much more for us to do to be able to accept one another fully and truly. Then I thought of Januhairy and thought I would try it out. It’s a start at least . . . I have had a lot of support from my friends and family! Even though I had to explain why I was doing it to a lot of them which was surprising, and again, the reason why this is important to do! When I first started growing my body hair my mum asked me “Is it you just being lazy or are you trying to prove a point?” . . . why should we be called lazy if we don’t want to shave? And why do we have to be proving a point? After talking to her about it and helping her understand, she saw how weird it was that she asked those questions. If we do something/see the same things, over and over again it becomes normal. She is now going to join in with Januhairy and grow out her own body hair which is a big challenge for her as well as many women who are getting involved. Of course a good challenge! This isn’t an angry campaign for people who don’t see how normal body hair is, but more an empowering project for everyone to understand more about their views on themselves and others. This picture was taken a few months ago. Now I am joining in with Januhairy, starting the growing process again along with the other wonderful women who have signed up! Progress pictures/descriptions from our gals will be posted throughout the month. Lets get hairy 🌵 #januhairy #bodygossip #bodyhairmovement #happyandhairy #loveyourbody #thenaturalrevolution #natural #hairywomen #womanpowe

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„Das ist keine wütende Kampagne, sondern ein ermutigendes Projekt“

 

Wichtig ist Laura Jackson, dass Januhairy nicht aus Wut entstanden ist. „Das hier ist keine wütende Kampagne für Menschen, die nicht sehen, wie normal Körperbehaarung ist. Sondern ein ermutigendes Projekt für alle, um die Sicht auf sich selbst und andere besser zu verstehen.“ So fasst sie es unter einem Bild auf dem von ihr erstellten Instagram-Account Januhairy in Worte. Auf dem Bild lächelt sie in die Kamera, sie trägt ein Top und hat einen Arm gehoben. Darunter kommen ihre Achselhaare zum Vorschein. Auf dem Account will sie das Projekt dokumentieren – über 3.800 Follower gucken ihr dabei schon zu.

 

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Welcome to Januhairy! The acceptance of body hair on women is unfortunately still a predicament. We are displayed in the media as feeling ‘confident’ when our legs are smooth, eyebrows plucked, armpits waxed etc. Society seems to be behaving as if the natural hair we grow on our bodies is unattractive and distasteful. We are so used to removing our body hair that we are becoming unfamiliar with our authentic selves. Januhairy, is an experiment for women to come together, encourage one another, and be sponsored to grow out our body hair for the month of January. All too raise money for the charity, ‘Body Gossip’! #januhairy #bodyhairmovement #happyandhairy #loveyourbody #thenaturalrevolution #hairywomen #womanpower #selflove #feminine

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Januhairy steht für Haare, Dialog und Spenden

 

Mit Januhairy soll die weibliche Körperbehaarung zum Gesprächsthema werden. Unmittelbar nach ihrer Entscheidung hat die 21-Jährige ihre Mutter, Freunde und Familie aufgeklärt. Jetzt ist die Gesellschaft dran. „Die Akzeptanz unseres Körpers ist leider noch ein Dilemma. Medien zeigen uns als selbstbewusst, wenn unsere Beine glatt, unsere Augenbrauen gezupft, unsere Achseln gewachst sind. Die Gesellschaft scheint sich so zu verhalten, als wäre es unattraktiv und widerlich, unser natürliches Haar wachsen zu lassen“, beschreibt es Laura Jackson unter dem ersten Post von Januhairy. Der Account soll aber nicht nur Dialog schaffen, sondern auch Spenden für Body Gossip sammeln, eine Organisation, die sich für ein positives Körperimage einsetzt.

Laura Jackson ist offensichtlich nicht die einzige Frau, die die uns auferlegte Körperkultur satt hat: über 2.200 Beiträge finden sich aktuell auf Instagram, Fotos von haarigen Beinen und Achseln, am Pool, im Bett und sonst wo. Und von vielen lachenden Gesichter. Auch ihre Mutter macht mit. Ihre anfängliche Frage nach der Faulheit der Tochter kommt ihr mittlerweile selbst komisch vor.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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