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Lisa, 27, hat mit ihren Zellen ein Leben gerettet

Eine Stammzellen-Transplantation ist oft die einzige Lösung für Patienten mit Blutkrebs. Das ist nur durch freiwillige Spender wie Lisa Neubauer möglich.

Alle 15 Minuten erhält in Deutschland jemand die Diagnose Blutkrebs. Dazu zählen beispielsweise Leukämie und weitere bösartige Erkrankungen des Knochenmarks oder des blutbildenden Systems. Die einzige Überlebenschance besteht für Betroffene oft in einer Transplantation von Stammzellen, die ein anderer gespendet hat. Denn Stammzellen sind in der Lage, sich unter entsprechenden Voraussetzungen in unterschiedliche Gewebezellen zu entwickeln, darunter auch Blutzellen.

Lisa Neubauer ist eine der rund 8,5 Millionen registrierten Mitglieder der Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS. Sie war tatsächlich schon ein geeigneter Spender und konnte einem Patienten helfen, seinen Blutkrebs zu besiegen.

 

ZEITjUNG: Du bist eine von vielen Spendern. Wieso hast du dich registrieren lassen? 

Lisa Neubauer: Ich habe mich registriert, weil man vielleicht einem Menschen das Leben retten kann. Ich finde, es sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn es nicht wehtut, man nichts dabei verliert, ist die bessere Frage: Warum sollte ich es nicht machen?

Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich als Spender in Frage zu kommen, ist sehr gering. Wie war der Moment, als du erfahren hast, dass du ein passender Spender bist?

Ich war sehr überrascht, denn in meiner Familie sind alle schon lange registriert, aber nie hat sich jemand gemeldet. Daher war ich erst mal gehemmt, aber auch gespannt, wie eine Spende funktioniert. Beim Arzt musste ich dann eine Blutprobe abgeben, die überprüft wurde, ob sie wirklich bis in kleinste Detail passt – was der Fall war. Diese Gelegenheit zu haben, einem Menschen das Leben zu retten oder zumindest in seinem Kampf zu unterstützen den Krebs zu besiegen und weiter leben zu können, fühlt sich gut an.

Hast du auch mal Angst gehabt?

Ich bin jung und fit, deshalb hatte ich nie Bedenken. Dass ich mir in den Wochen vor der Spende täglich Spritzen in den Bauch geben musste, war noch die größte Überwindung.

Wie ging es dann weiter?

Ich saß im Spenderzentrum und hatte rechts und links die Spritzen, wo das Blut durchläuft und dahinter stand die Maschine, die das filtert. Ich habe dabei ein Hörbuch gehört, andere haben gelesen oder ferngesehen. Je größer die Dichte der Zellen im Blut ist, desto länger sitzt man da. Bei mir war das sogar kürzer als üblich, weil es anscheinend sehr gut funktioniert hat mit den Spritzen, ich bin rund zwei Stunden da gegessen. Ich musste noch eine halbe Stunde dableiben, was trinken und wurde noch abschließend untersucht. Komplikationen hatte ich nie, das ist auch bloß Blut auf der einen Seite raus und auf der anderen Seite wieder rein.

Wie war das Gefühl nach der Spende? 

Ich bin nicht der emotionalste Mensch, aber das Hochgefühl hinterher ist ein Wahnsinn! Eine extreme Euphorie, eine extreme Verbundenheit mit dem anderen, die den ganzen Tag lang anhält. Ein schöner, ganz außergewöhnlicher Zustand.

Verständlich, du hast ja auch ein Leben gerettet.

Ich sehe mich selbst nicht als Heldin. Helden sind Leute, die bewusst ihr Leben riskieren oder bewusst etwas risikoreiches machen, wie versuchen einen brennenden Zug zu stoppen. Bei mir ist das anders: Ich hatte die Gelegenheit und habe einem Menschen geholfen, ohne dass es mir Verlust brachte oder weh tat.

Hast du Kontakt zum Empfänger? 

Ja, aber ob das erlaubt ist, ist abhängig vom Wohnort des Empfängers. Jedes Land hat eigene Richtlinien. Mein Empfänger kommt aus Kanada und ich wusste am Anfang nur, dass er männlich und circa 21 Jahre alt ist. Ich durfte ihm einen anonymen Brief schreiben, den ich ein Jahr nach der Spende abgeschickt habe. Erst Anfang diesen Jahres kam eine sehr nette Antwort, über die ich mich echt gefreut habe. Die wichtigste Nachricht: Er hat seine Krankheit besiegt.

Werdet ich euch persönlich kennenlernen?

Ich hätte auf jeden Fall Lust mich zu treffen, aber wir haben noch nicht darüber gesprochen. Neugierig wäre ich schon und ich denke er auch. Was ich bei einem Treffen gar nicht einschätzen könnte, wäre, was da emotional auf mich zukommt. Bestimmt würden meine Gefühle mich überwältigen, auch wenn mein Kopf einen anderen Plan gehabt hätte.

 

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Bildquelle: Lisa Neubauer

 

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