Ist das ein bekanntes, weit verbreitetes Problem, gerade bei jungen Menschen?

Jeder sechste in Deutschland ist betroffen. Insbesondere bei Frauen ist das Risiko mehr als doppelt so hoch, am Reizdarmsyndrom zu leiden. Warum das so ist, weiß man noch nicht. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer, weil es bei vielen gar nicht erst diagnostiziert wird. Denn der Leidensdruck ist oft nicht so groß und viele versuchen erst einmal alleine damit klar zu kommen.


Obwohl so viele dieses Problem haben, wird das in Deutschland „totgeschwiegen“, warum?

Es wird zum Glück immer mehr darüber gesprochen und wir versuchen auch mehr aufzuklären, aber im familiären Umfeld oder unter Freunden ist es immer noch ein großes Tabu. Viele vermeiden es über Verdauung oder Verdauungsprobleme zu sprechen, das ist ihnen peinlich. Aber wir sehen, beispielsweise durch das Buch „Darm mit Charme“, dass es einen gewissen Paradigmenwechsel gibt und nun immer mehr darüber gesprochen, geschrieben und geredet wird. Denn Darmgesundheit ist eben mehr als nur Gesundheit für den Magen-Darm-Trakt, das wirkt sich schließlich auch auf die allgemeine Gesundheit aus – auf die psychische Gesundheit und auf das Immunsystem. Das sieht man aktuell in der Wissenschaft deutlicher denn je.


Wie haben Ärzte das bisher behandelt?

Weil man nicht genau weiß, wo es herkommt, kann man auch schlecht die Ursachen behandeln. Worauf es bei der Therapie der chronischen Erkrankungen letztendlich ankommt, ist, individuelle Linderungsfaktoren herauszufinden und Triggerfaktoren, also Auslöser. Wenn du die kennst, kannst du besser mit der Krankheit umgehen. Der normale Arzt hat aber im Schnitt etwa sieben Minuten pro Patient Zeit und da etwas so Kompliziertes zu entschlüsseln, das ist schier unmöglich. Die Patienten sind dann auf sich alleine gestellt und erkennen meistens keine Zusammenhänge.

 

Wie geht nun die App gegen das Problem vor?

Wir fangen da an, wo der Arzt aufhört. Der Arzt kann sich nicht durch einen Papierberg an Tagebucheinträgen durchwälzen, unsere App macht das automatisch: Herausfinden, was einem gut und was einem schlecht tut. Du kannst festhalten, welche Lebensmittel du isst, welche Symptome du parallel dazu hast und welche anderen Einflussfaktoren es im Leben noch gibt. Zum Beispiel deine Periode, wie viel du trinkst, wie sehr du körperlich aktiv bist und welche Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente du nimmst. Das alles kann die Verdauung beeinflussen. Unsere App gibt Feedback und zeigt dir Zusammenhänge auf. Dazu gestalten wir eine Ernährungstherapie, bei der du gemeinsam mit Ernährungsexperten Strategien entwickelst, um der Krankheit entgegenzuwirken und wieder ein besseres Leben angestrebt wird.