Frag Joanna! „Wie bringe ich meinen Partner dazu, die Führung zu übernehmen?“

Joanna Stein Sex Kolumne

Birds do it, bees do it, even educated fleas do it… Wir Menschen machen es auch, denn mal ehrlich, wir sind alle sexuelle Wesen. Wir können gar nicht anders. Blöderweise kommt uns aber manchmal die von Cole Porter beschriebene Leichtigkeit abhanden, wenn wir mit nackten Tatsachen konfrontiert sind. Plötzlich sind da Unsicherheiten, Untiefen, Situationen; Dinge sind nicht mehr taghell oder nachtschwarz. Oft bewegen wir uns in den grauen, schattigen Zwischenräumen. Und dann? Für Dr. Sommer sind wir zu alt, unsere Freunde wissen auch nicht alles und manches wollen wir sie lieber nicht fragen. Pornos beantworten einige Fragen, 8können aber auch neue aufwerfen. 

Geht’s dir auch so, ab und an? Wir haben uns Sexualpädagogin Joanna Stein ins Team geholt. Von nun an wird sie in ihrer Serie eure Fragen rund um die schönste Sache der Welt beantworten. 

Die Frage: Ich habe erst seit Kurzem wieder einen Freund und der Sex ist schon ganz gut, aber ich wünsche mir einfach, dass er dabei mehr die Führung übernimmt. Ich habe ihm schon einmal gesagt, dass ich es schön finde, wenn er ab und zu die Zügel in die Hand nimmt, aber das hat nicht wirklich geholfen. Wie kann ich ihn am besten dazu bringen, beim Sex ein bisschen mehr aus sich rauszugehen, ohne ihm dabei den Eindruck zu vermitteln, dass ich unzufrieden bin?

Die Antwort: Puh, das ist tricky! Hier sind definitiv mehrere Lesarten möglich. Ich greife mal die beiden wichtigsten heraus: (A) Du bist an sich nicht unzufrieden, möchtest aber ein bisschen mehr Abwechslung, und nicht jedes mal selbst die Initiative ergreifen. (B) Du bist unzufrieden.

Gehen wir von Variante (A) aus. Du magst den Sex mit deinem Freund, wünschst dir aber, dass er auch mal die Regie übernimmt. Eigentlich hast du schon einen ganz wichtigen Schritt unternommen, denn du hast dein Bedürfnis artikuliert. Das ist super, denn guter Sex funktioniert zwar ab und an intuitiv, kann aber besser werden, wenn man drüber spricht.

 

In manche Dinge muss man erst hineinwachsen

 

Dass das nicht wirklich gezogen hat, kann an zwei Dingen liegen. Ihr seid, wie du schreibst, noch nicht lange zusammen. So ein Anfang ist ja meistens ziemlich aufregend, auch im Bett. Man lernt ständig neue Dinge über den unbekannten Menschen, mit dem man plötzlich viel Zeit verbringt, kennen. Man findet heraus, was der andere gut findet, und wie man am besten mit ihm oder ihr umgeht. Aber. Der Beginn einer Beziehung ist eben auch geprägt von Unsicherheiten. Es mag Dinge geben, die man noch nie gemacht hat und dann ist da plötzlich eine Person in deinem Leben, die Verhaltensweisen von dir fordert, die du vielleicht noch nicht ausprobiert hast oder in die man erst reinwachsen muss. Ich könnte mir vorstellen, dass es deinem Freund so geht.

Klar, dass du ihm nicht das Gefühl geben willst, dass du unzufrieden bist. Und genau das sagst du ihm auch, wenn du noch mal das Gespräch suchst! Du kannst der ganzen Situation gut den Druck nehmen, wenn du nicht nur sagst, was dir fehlt, sondern auch thematisierst, was dir total gut gefällt, wenn ihr Sex habt. Ganz bestimmt gibt es bei dir auch Unsicherheiten, und indem du dich ihm auch im Bezug darauf öffnest, gibst du ihm eine gute Möglichkeit, ebenfalls Schwäche zeigen zu können. Du könntest ihn außerdem einfach fragen, wie’s ihm so geht mit eurem Matratzenleben. Und wer weiß, vielleicht sagt er ja von sich aus, dass es ihm schwer fällt, die dominante Rolle einzunehmen. Davon ausgehend könntet ihr dann gemeinsam überlegen, wie sich das ändern lässt.

 

Nicht nur reden, sondern auch machen!

 

A little less conversation, a little more action, please! Reden ist auf jeden Fall gut und wichtig, es kann aber auch helfen, sich in Situationen zu bringen, die bestimmte Handlungen hervorrufen. Manchmal reicht da schon ein Stellungswechsel: Im Doggy Style kannst du nicht mehr viel Bewegung beitragen, da muss er zwingend ran. Indem du ihn dabei ein bisschen antreibst, kannst du ihn eventuell schon ein bisschen aus der Reserve locken. Vielleicht wäre auch ein Ausflug in die Fesselecke ’ne Idee! Da du deine Hände dabei nicht wirklich nutzen kannst, ist er ein wenig dazu herausgefordert, sich selbst Aktionen zu überlegen. Und dir könnte dieses Spiel das befriedigende Gefühl geben, dominiert zu werden.

All das sind Möglichkeiten, die du hast, um auch weiterhin im Großen und Ganzen zufrieden zu sein. Und manche Dinge brauchen einfach Zeit. Verlier nicht so schnell die Geduld!

 

Schweigen hilft auch nichts

 

Jetzt ist da aber noch die Variante (B). Du willst ihm nicht das Gefühl vermitteln, unzufrieden zu sein. Aber du bist es. In dem Fall kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen, das auch genauso zu sagen. Du hast nichts davon, wenn du das verschweigst, weil du ihm damit auch nicht wirklich die Option gibst, angemessen auf dich einzugehen. Also sag’s ihm doch einfach so, wie du’s mir gesagt hast! Bedauerlicherweise haben die meisten Frauen nach wie vor Probleme, Dinge so deutlich anzusprechen, wie es notwendig wäre. Unsere Sozialisation hinkt da immer noch ein bisschen hinter her… Kein Grund allerdings, sich diesem Umstand zu fügen. Gelernte Verhaltensweisen können durch neue ersetzt werden. Also: Hau raus, was du denkst! We can do it!

Da du das Thema ja tatsächlich schon mal angesprochen hast, ist es völlig OK, wenn du beim zweiten Mal ein wenig deutlicher wirst. Und wenn dein Typ dann nicht wirklich reagiert, dann ist er vielleicht einfach nicht deiner. Blöderweise treffen wir ab und zu auf Leute, die wir total gerne haben, aber im Bett läuft es nicht und der gemeinsame Nenner wird nie größer. Dann musst du wieder raus in die Wildnis und dir ’nen Mann suchen, der Lust hat, dich an die nächste Wand zu drücken, die Hände über dem Kopf, die Zunge an deinem Hals und eine Hand in deinem Schritt.

Mach, was dir gut tut, und trau dich, das auch zu sagen!