Joggst du noch oder ploggst du schon?

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Es sind die schlechten Nachrichten über die steigende Müllproduktion in Deutschland, die uns erschlagenden Tonnen Müll aus den Statistiken, die eigenen „Müll-Erfahrungen“ aus Auslandsaufenthalten, die unvorstellbaren Flächenvergleiche mit den Müllinseln in den Meeren, die Bilder von armen Meeresbewohnern, die im wahrsten Sinne des Wortes an einer Überdosis Plastik gestorben sind und die völlig überfüllten Mülleimer in den Citys, wo schon fast mehr Müll daneben liegt, als überhaupt hinein passt.

Wir reden darüber und tun viel zu wenig

Irgendwie schockieren uns die Müllberge, wir stellen auch ein stückweit unseren Lifestyle um, vermeiden Plastiktüten, um dem Verpackungswahnsinn entgegenzuwirken, oder auch einfach, weil sie uns mittlerweile zum Glück nicht mehr umsonst nachgeschmissen werden. Aber mal ehrlich, wer von uns hebt wirklich den Plastikbecher neben der Parkbank auf und wirft ihn in den nächsten Mülleimer? Niemand. Stattdessen verbringen wir oft Minuten damit, uns über das mangelnde Umweltbewusstsein unserer Mitmenschen aufzuregen. Wir fragen uns, warum zur Hölle nicht alle wenigstens ihren Hintern zum nächsten Mülleimer bewegen können, anstatt die wunderschöne Natur mit Kronkorken, Zigarettenstummeln und Chipstüten zu verunstalten.

Plogging – mehr als ein Kunstwort

Und genau da setzte der Gedanke des schwedischen Umweltaktivisten Erik Ahlström an. Die Leute ärgern sich, tun aber oft nichts gegen den Müll. Das fiel ihm bei seinem Umzug nach Stockholm auf. Seine Idee: sportliche Aktivität mit Umweltaktivismus verbinden. Das sogenannte „Plogging“ wurde geboren. Der Begriff setzt sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ = etwas aufheben und „jogging“ zusammen. Was als kleine, simple, aber raffinierte Idee entstand, sprengt mittlerweile die sozialen Medien. Alles, was wir für’s Plogging benötigen, sind ein paar vielleicht sogar schon eingestaubte Laufschuhe, ein einigermaßen intaktes Sportoutfit, einen Müllbeutel und optimalerweise einen Handschuh. Dann kann auch schon losgeploggt werden. Die Regeln sind einfach: Wir joggen und wenn wir Müll sehen, heben wir ihn auf. Und am Ende entsorgen wir ihn fachgerecht. Das ständige Bücken beim Ploggen hat zudem den Effekt, dass, anders als beim herkömmlichen Joggen, zusätzlich die Rumpfmuskulatur beansprucht wird. Die Abwechslung aus Bewegung und Anhalten hat was von einem Intervalltraining. Anders als beim Clean-Up, was wir mit Sicherheit schon alle einmal gehört haben oder bestenfalls Teil eines solchen waren, kommt beim Plogging also die Sportkomponente dazu.

Ein nachhaltiger Trend geht um die Welt

Mit organisierten Lauftreffs auf Eriks Mitmach-Plattform „Plogga“ fing alles an. Mittlerweile hat sich der Trend auch außerhalb Schwedens verbreitet. In Facebookgruppen organisieren sich zum Beispiel in vielen deutschen Städten, wie Köln oder München, all‘ diejenigen, die nicht mehr nur reden, sondern mithelfen wollen, die Umgebung sauber zu halten.

Sie bekämpfen damit nur die Folgen und nicht die Ursache? Nope – denn im Zeitalter der Selbstdarstellung und des Mitteilungsbedürfnisses auf Facebook und Instagram können all‘ die Plogger zwei ganz wichtige Botschaften senden:

1. Schmeißt den Müll in die Mülltonne und nicht in die Umwelt.

2. Denkt nochmal drüber nach, ob ihr wirklich jeden Tag einen Kaffee-to-go Becher nutzen müsst.

Und da Plogging auch noch wirklich einfach ist und keiner großartigen Vorbereitung bedarf, ist es ziemlich ansteckend. Kein Wunder also, dass allein der Hashtag #plogging auf Instagram schon über 17.000 Mal verwendet wurde.

Also kramt eure Joggingschuhe aus dem Schrank. Diesmal wird’s euch nicht nur die Fitness danken, sondern auch die Umwelt!

https://www.instagram.com/p/BkvKlGvHc9s/?tagged=plogging

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