Langes Wochenende im Kaiserwinkl: Deine Dosis Abenteuer

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Von Ekaterina Ulanovskaya

An einem der letzten wirklich schönen Wochenenden war es endlich wieder so weit. Nachdem unser Kurztrip in den Kaiserwinkl im Winter mit einer fiesen Grippe, 15 Packungen verbrauchten Taschentüchern und zwei Tagen eher komatösem Zustand in einem immerhin sehr schönen Hotelzimmer endete, hatten wir uns endlich wieder ein paar Tage freischaufeln können. So machten wir uns bei strahlender Spätsommersonne und hochsommerlichen 32 Grad wieder auf in den Kaiserwinkl .

Diesmal sollte alles anders werden und die Zeichen standen auf Kaiserwetter: Der Wetterbericht versprach drei Tage Sonnenschein und wir waren hochmotiviert, endlich die ganze Palette des Freizeitangebots in der Region auszukosten. Auf dem Programm standen Mountbiking, Rafting, Canyoning und natürlich Genuss ohne Ende.

 

Dieses wohlige Gefühl im Bauch: Urlaub!

 

Aber das alles musste erst einmal warten. Denn das Erste, das wir entdeckten, als wir in die malerische Berglandschaft des Kaiserwinkls einbogen, war eine Sommerrodelbahn. Ein kurzer Blickkontakt genügte. Nur Momente später sitzen wir im Sessellift auf dem Weg zur Mittelstation am Zahmen Kaiser und genießen den Ausblick über das Tal. Nun spüre ich es, dieses wohlige Gefühl im Bauch: Urlaub!

Nach dem Wettrennen auf den beiden Sommerrodelbahnen habe ich vor allem die Erkenntnis, dass der Überlebenswille, der einen zum Bremsen zwingt, bei mir wohl doch stärker ausgeprägt ist als bei meinem Freund.

Abkühlung im Walchsee während der Bike-Tour

Mit seinem typischen Sieger-Grinsen bog der Gute wenig später in die Tiefgarage des Hotel Alpina in Kössen. Für die nächsten drei Tage sollte das 4-Sterne-Superior-Hotel unsere komfortable Homebase werden: eine große Anlage mit tollen Zimmern und Blick auf den Unterberg, von wo aus im Sommer jeden Tag dutzende Paragleiter aufsteigen. Jedes Frühjahr findet hier mit dem Super Paragliding Testival das größte Event des Gleitschirmsports weltweit statt.

Im Hotel Alpina ließen wir es allerdings ruhiger angehen. Zwei Wellnessbereiche mit Innen- und Außenpool, ein tolles Restaurant mit regionaler Küche bietet und nicht zuletzt ein junges, super freundliches Hotelteam.

 

Abkühlung vom Mountainbiken

 

Mit einem leicht wehmütigen Blick auf die gemütlichen Matratzen-Liegen im Schatten vor dem Außenpool schnappten wir uns nach kurzer Ankunftspause zwei Mountainbikes aus dem hoteleigenen Verleih. Wegen des akuten Bedürfnisses nach einer Abkühlung wählten wir eine eher gemütliche Route, die uns vorbei an Bauernhöfen und Wiesen direkt zum Walchsee führte. Ein Bergsee, der so cheesy schön ist, dass man meinen könnte, Walt Disney höchstpersönlich habe ihn dort als Kulisse platzieren lassen. Abseits des Trubels im Ortszentrum Kössen fanden wir sogar ein ruhiges Plätzchen auf der gegenüberliegenden See-Seite. Also nichts wie raus aus den Klamotten und rein ins kühle Nass. Sich auf dem Rücken treiben lassen, während die Sommersonne sich auf dem See zwischen den umliegenden Bergen spiegelt: Wir waren im Kurzurlaub richtig angekommen.

Am nächsten Tag machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg zum Adventure Club in Kössen. Von hier aus startete unsere Rafting-Tour. Drei Stunden auf einem Schlauchboot in einem elf Grad kalten Bergfluss, Paddeln im Akkord, Freischwimmen und Klippenspringen inklusive und das Ganze vor der Kulisse des deutsch-österreichischen Flusstals „Antenloch“ – ein super nices Abenteuer. Die Tour führt vorbei an in die Höhe ragenden Felswänden und dichten Wäldern, wo man mit etwas Glück auch mal ein Reh zu Gesicht bekommt. Immer wieder manövriert man das Boot gemeinsam durch schnelle Kehrwasser, in denen man sich mit der richtigen Paddeltechnik auch mal ein paar Runden halten kann. „Eine richtige Waschmaschine ist das“, juchzte unser Guide. Getoppt wird das Abenteuer nur noch mit dem Kehrschwimmen über 300 Meter: es kostet – auch trotz Neoprenanzug – zwar einiges an Überwindung, sich den tausend Nadelstichen des eiskalten Wassers auszuseten und sich mit dem Rücken voran im Bergfluss treiben zu lassen. Doch der Adrenalinstoß ist es allemal wert.

Rafting im Kaiserwinkl

Und worüber freut man sich am meisten, wenn man endlich den nass-kalten Neoprenanzug ausziehen darf und noch etwas durchgefroren zurückkommt? Richtig: Sauna, Dampfbäder, heiße sprudelnde Becken und gemütliche Wasserbetten im feuchtwarmen Wellnessbereich. Dazu ein frisch gepresster Orangensaft – für den restlichen Tag war der Aktivurlaub beendet.

Am nächsten Tag sollte die Marke auf der Naturabenteuer-Erlebnisskala noch höher gesetzt werden. Nach dem Frühstück ging es wieder zum Adventure Club, diesmal stand Canyoning auf dem Programm. Nachdem die etwa 15-köpfige Gruppe mit Neoprenanzug, Neoprenschuhen, Helmen und Kletterausrüstung ausgestattet war, ging es zunächst zum „Aufwärmen“ in einen Teil der Schlucht mit den besten Sprungmöglichkeiten. Der erste Sprung: Ich stehe an der Kante eines Wasserfalls sechs Meter über dem sprudelnden Wasser. Auch hier ist der Fluss elf Grad kalt. Wieder eine echte Mutprobe für mich, deren Duschtemperatur sich in der Regel nur geringfügig unter dem Siedepunkt befindet. Mein Kopf sagt: „Spring‘, lass dich darauf ein!“ Mein Bauch sagt: „Warum zur Hölle soll ich mir das antun?“ Fuck it! Ich gehe einen Schritt zurück, nehme einen tiefen Atemzug, schließe die Augen und springe mit Anlauf ab. Beim Auftauchen stockt mir für einen Moment der Atem. Doch nach und nach weicht die Kälte dem wunderbaren Stolz, mich überwunden zu haben.

Die eigentliche Tour führt zwei Stunden lang durch enge Schluchten. Man seilt sich von Wasserfällen ab, durchschwimpt Gumpen und rutscht kleine Sturzbäche hinunter. Am Ende der Tour, wenn die Sonnenstrahlen wieder zaghaft in die Schlucht fallen, ist die Berührungsangst mit den kalten Wassern in den Schluchten weg und die Adrenalinreserven wahrscheinlich gänzlich verbraucht. Zurück bleibt eine wohlige Erschöpfung, wie man sie nur nach erlebnisreichen Sporterlebnissen in der Natur verspürt. Der perfekte Abschluss eines perfekten Wochenendes.

Canyoning: Kraxeln, Springen, Abseilen. Fotos: SportundNatur.com