Dein Gesicht als Waffe: Interpol schlägt Alarm bei KI-Erpressung
Stell dir vor, jemand nimmt ein paar Fotos von deinem Social-Media-Profil, baut daraus in Minuten ein täuschend echtes Video – und meldet sich damit bei dir, um dich zu erpressen. Genau das passiert laut einem neuen Interpol-Bericht gerade in großem Stil.
Die Cybercrime-Analyse, die sich auf 36 afrikanische Länder stützt, zeigt: KI steckt inzwischen in 55 Prozent aller gemeldeten Cyberverbrechen, von der Zielperson-Recherche über Phishing-Mails bis zur fertigen Erpressungsmasche. Die gemeldeten Schäden haben sich innerhalb eines Jahres von 192 auf 484 Millionen US-Dollar praktisch verdoppelt, rund 600.000 Fälle digitaler Deepfake-Erpressung (Sextortion) sind dokumentiert. „KI automatisiert jeden Schritt eines Cyberangriffs, von der Aufklärung über Phishing bis zur Erpressung“, sagt Interpol-Cybercrime-Direktor Neal Jetton.
Die Zahlen stammen aus Afrika, nicht aus Deutschland. Die Dynamik dahinter betrifft aber längst auch europäische Nutzer*innen: KI senkt die technische Hürde für Kriminelle massiv, und öffentlich geteilte Fotos liefern im Zweifel das Rohmaterial gleich mit.
Bevor du das nächste Bild postest: Schau in deinen Privatsphäre-Einstellungen nach, wer dein Profil sehen kann – und überleg dir, ob wirklich jede*r Fremde dein Gesicht in HD-Auflösung braucht.
Foto von Tima Miroshnichenko: https://www.pexels.com/de-de/foto/verbrecher-betrug-6266500/