Mann sitzt auf dem Dach

LiebesLeben: Der „Für mich wird er sich ändern“-Irrglaube

Katja malt mit Sprache Bilder auf ihre Wortleinwand. In ihrer Kolumne nimmt sie euch mit in ihr Atelier: Als absoluter Gefühlsmensch schreibt sie über die Liebe und das Leben – ein bisschen philosophisch und ein bisschen psychologisch, mit einem Hauch von Melancholie.

Das Pronomen „er“ in der Überschrift kann natürlich auch beliebig durch „sie“ ersetzt werden. Eigentlich ist es völlig irrelevant, von wem man glaubt, dass diese Person sich für einen ändern wird. Fakt ist: Es wird höchstwahrscheinlich nicht passieren. Sorry für den Spoiler.

Es gibt Menschen, die einfach eine Vorliebe dafür zu haben scheinen, andere „retten“ zu wollen. Wenn sie beginnen, jemanden zu daten, finden sie diese Person interessant, sobald sie unerreichbar scheint. Auf jemanden zu stehen, der zumindest ein bisschen schwer zu erobern ist, ist natürlich alles andere als unverständlich. Schließlich ist es einfach „besonderer“, jemanden zu bekommen, der nicht leicht zu haben ist. Jemanden, den nicht auch jede*r andere einfach mit einem Fingerschnippen bekommen könnte. Es ist spannender, wenn man sich zumindest ein bisschen bemühen muss.

Aber wenn man jemanden nur dann überhaupt interessant finden kann, wenn dieser jemand unerreichbar scheint, ist das sehr wahrscheinlich ein Problem. Schließlich fühlt man sich dann nicht zu dieser Person hingezogen, weil man ihren Charakter so schätzt – sondern schlicht und einfach, weil sie außerhalb der eigenen Reichweite zu sein scheint.

Aus Erfahrungsberichten (und eventuell auch aus eigener Erfahrung) weiß ich, dass es sogar passieren kann, dass man eine Person zu Beginn einer Dating-Phase vielleicht gar nicht so überaus großartig findet – bis man dann eben erfährt, dass sie aus irgendeinem Grund unerreichbar ist. Die Klassiker: Bindungsangst, eigentlich bereits vergeben oder im Begriff, noch fünf andere Menschen parallel zu daten. Alles Dinge, die Menschen ein Bad-Boy– bzw. Bad-Girl-Image verleihen. Und an dieser Stelle beginnen die wilden Fantasien à la Für mich wird er*sie sich bestimmt ändern! Schließlich weiß er*sie ja noch gar nicht, wie es mit mir ist – und dann will er*sie sicher doch eine Beziehung mit mir!“.

Erstens: Wieso will man überhaupt, dass eine Person sich für einen ändert? Sollte man einen Menschen nicht so wollen, wie er ist? Warum sucht man sich nicht einfach jemand anderes, wenn der einzige Weg, mit einer Person glücklich zu werden, voraussetzt, dass sie sich zuerst ändern muss? Das ist die reinste Zeit- und Energieverschwendung.

Das zweite Problem ist, dass mit dem Glauben, man könne jemanden ändern, der Wunsch einhergeht, jemanden retten zu wollen – vor seiner Bindungsangst, vor dem*der unausstehlichen Noch-Freund*in, vor der Nicht-Monogamie, die er*sie mit seinen*ihren etlichen anderen Sexpartner*innen praktiziert. Im Endeffekt will man jemanden also vor sich selbst retten. Aber Fakt ist: Das kann man nicht. Und was soll das überhaupt bedeuten – jemanden „retten“?