Ein offener Brief an unsere Generation

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Generation Y, du tust mir leid. Du denkst, du hättest die Weisheit mit Löffeln gefressen und beherrschst gleichzeitig nicht mal mehr die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung. Was für 1 Bürde diese Sprache. Englisch kannst du besser sprechen als deine Muttersprache und in der Mensa schimpfst du laut über den Kapitalismus. Bei einem Soya-Latte diskutierst du mit einer Kommilitonin ausgiebig über den nächsten feministischen Lesekreis. Bücher und Feminismus findest du nämlich total cool. Letzteres hast du ja schließlich auch erfunden, ganz egal was die Geschichtsbücher sagen! Dein Shirt sagt nämlich #thefutureisfemale.

Weißt du, weshalb du mir auch noch richtig leid tust, liebe Generation Y? Du bist krank. Allergisch gegen Milch, Fleisch, Brot und Tierhaare. Und Äpfel. Und Baumwolle. Du kämpfst dich durch verpackungsfreie Supermärkte, vorbei an den Menstruationstassen und hoffst inständig, dass sie noch Avocados haben. Der Mensch braucht schließlich Vitamine! An der Kasse suchst du per Tinder schnell noch nach einem Date für den Abend. Seit du die App benutzt, ist deine Rechts-Links-Schwäche viel besser geworden.

Autorin: Ich bin Teilzeitpoetin mit Vollzeitmensch-Potential. Als gebürtige Berlinerin zog es mich einst in die schöne Alpenrepublik Österreich. Wien machte mich zur Anthropologin und ich machte Wien zur zweiten Heimat. Die Liebe zum geschriebenen Wort kam vermutlich mit mir auf die Welt, vor über 20 aber noch nicht ganz 30 Jahren. Als überzeugte Europäerin entstehen meine Kolumnen und Texte derzeit in der schottischem Hauptstadt Edinburgh.