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Warum das Label „regional“ absolut wertlos ist

Wir wollen Lebensmittel kaufen, die keine Weltreise hinter sich haben – und fallen deshalb immer noch auf teure Verbraucherfallen rein.

Vom Superfood zum Superself? Bewusst Essen wird uns immer wichtiger – und damit ist nicht nur das allseits beliebte, vegane und glutenfreie Superfood gemeint, sondern nun auch die Frage: „Woher kommen eigentlich unsere Lebensmittel?“ Viele von uns checken mittlerweile im Supermarkt tatsächlich, woher das erspähte Obst und Gemüse kommt. Finden wir das Label „regional“ legen wir mitsamt dem Produkt auch eine große Portion gutes Gewissen in den Einkaufswagen. Aber legen wir tatsächlich Wert auf regionale Ware, dann sollten wir uns auch mal konsequent fragen: Was heißt hier überhaupt regional? Ist das eigentlich ein Umkreis von 50 oder 100 Kilometern? Heißt es bundesweit oder landesweit?

Übersetzt kann das Label „regional“ nämlich sehr viel bedeuten: Nämlich eigentlich gar nichts. Manche meinen damit eine ganze Landschaft, wie zum Beispiel die Eifel, andere ein anderes Bundesland, Süddeutschland oder gar ganz Deutschland. Für frisches Obst und Gemüse muss das Herkunftsland angegeben werden, die Region ist dabei optional.

 

Regional my ass!

 

Alle Kennzeichnungen, außer der von frischen Waren, sind bis heute freiwillig. Es ist undurchsichtig, woher die Produkte kommen. Unbefriedigend für uns Verbraucher – da wollen wir lange Transportwege vermeiden und wissen nicht, was wir dafür einkaufen sollen. Woran wir allerdings oft nicht denken, ist, dass auch nicht-regionales umweltbewusster sein kann als Produkte, die in unserem Bundesland angebaut werden. So verbrauchen im Stall gehaltene Rinder in Deutschland beispielsweise mehr CO2 als frei gehaltene in Argentinien, so das SWR-Fernsehen. Generell gilt: Was hier nur mit großen Aufwand wachsen und gelagert werden kann, wie Obst zum Beispiel, ist die schlechtere Alternative zu frisch geerntetem aus den fernen Ländern. Doch auch hier gibt es wieder ein Problem: Ob die Produkte mit dem Schiff in großen Mengen, was hier der bessere Weg wäre, oder mit der Umweltschleuder Flugzeug hergebracht werden, ist auf Lebensmitteln zudem nicht angegeben.

Selbst wenn unser gewünschtes Brot oder Eier mit „regional“ gekennzeichnet sind, heißt das noch gar nichts. Nur weil in unserer Nähe produziert wurde, bedeutet das nicht, dass keine Hühner und Kühe zur Massentierhaltung eingepfercht wurden. Es bedeutet ebenso wenig, dass die hier angebauten Kartoffeln nicht in Polen geschält worden sind. Und es bedeutet nicht, dass der Bauernhof schön romantisch im Nachbardorf liegt und der Bauer mit einem Anhänger zum Netto radelt. Der Bauer muss den Supermarkt ja schließlich immer zeitgenau beliefern – dafür werden bis zu 300 Kilo­meter bis zum nächsten Netto zurückgelegt, so test.de. Spri und Abgase – juhei!

Der Wille, umweltbewusst einzukaufen mag da sein – dann aber wirklich weiter nachzuforschen, wohl eher nicht. Stattdessen sehen wir den „regional“ Sticker und packen einfach ein. Was kann schon falsch sein an Lebensmitteln, die aus unserer Nähe kommen? Hier gilt wie so oft im Supermarkt: Genauer hinschauen, wo und wie produziert wurde.

For your help: Hier ein paar Wintergemüse-Sorten, die du mit gutem Gewissen kaufen kannst.

Teeny tiny kohlrabi about to get roasted! #farmerfoodporn #kohlrabi

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