Panama Papers für Dummies: Was zur Hölle sind Offshore Deals?

Panama Papers Offshore Leak

Sie gelten als das Herzstück in der Sammlung investigativer Recherche: Die kürzlich veröffentlichten Panama Papers. Tatsächlich bringt der riesige Datensatz Enthüllungen ans Licht, die über jegliches Vorstellungsmaß hinausgehen. Doch leider sprechen Journalisten oft einen ganz eigenen Fachjargon, der nicht jedem geläufig ist. Damit ihr zu Profis rund um Offshore-Leaks und die geheimnis-umwobenen Panama Papers werdet, listen wir euch die wichtigsten Fachbegriffe auf und stellen Zusammenhänge her.

 

Was genau war nochmal ein Leak?

 

Das Wichtigste zuerst: Mit einem Leak ( zu deutsch „Leck, Loch, undichte Stelle“) ist die inoffizielle Veröffentlichung von Informationen gemeint. Meist liegen investigativen Journalisten unternehmensinterne Datenbestände vor, die nach eingehender Sichtung publiziert werden: Das ist auch bei den sogenannten Offshore-Leaks der Fall. Seit April 2013 werden regelmäßig Interna von Weltmarktführern veröffentlicht, die an sogenannten „Offshore-Finanzplätzen“ krumme Geldgeschäfte drehen. Offshore-Finanzplätze sind Standorte die sich durch niedrige Steuern, ein hohes Maß an Geheimhaltung, minimale Finanzmarktaufsicht und -regulierung auszeichnen. Sprich: Es sind Finanzplätze, die außerhalb der üblichen Rechtsnorm liegen und sind damit vor allem für Steuerflüchtende und illegale Geldanlagen interessant. Mit den Offshore-Leaks werden nun nach und nach Kapitalbewegungen reicher Unternehmer aufgedeckt – nach Angabe der Süddeutschen Zeitung verstecken auch 100.000 Deutsche ihr Vermögen an diesen beliebten Steueroasen.

Auch Panama ist einer der beliebtesten Offshore-Finanzplätze – vor allem wegen einer ortsgebundenen Firma. Hierbei handelt es sich um die Kanzlei Mossack Fonseca, die seit fast 40 Jahren anonyme Briefkastenfirmen verkauft. Meist sind diese mit Scheindirektoren ausgestattet, um zu verschleiern, wer sich wirklich dahinter verbirgt. Eine anonyme Quelle gab interne Daten der Kanzlei an die Süddeutsche Zeitung weiter – und sorgte damit für ein Datenmaterial, das ganz neue „Leak-Ausmaße“ erreicht und vor allem unfassbare Enthüllungen zu Tage bringt: Die Kanzlei soll Premierministern, Diktatoren, Mafia-Clans und Drogenkartelle mit den Briefkastenfirmen getarnt und somit dabei geholfen haben, ihre Gelder zu verstecken. Auch Vladimir Putin, die FIFA und Lionel Messi geraten in Zusammenhang mit der Firma ins Visier.

Die Verfasser der sogenannten Panama Papers berufen sich auf die größten Datensätze, die es je gab: Den Journalisten liegen E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften vor. Das Leak ist gigantisch und erreicht unvorstellbare Dimensionen von rund 2,6 Terabyte. An der Auswertung der Dokumente beteiligten sich etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern. In Deutschland waren an der Recherche auch der NDR und der WDR beteiligt.

 

Zahlreiche Personen der Öffentlichkeit sind involviert

 

Vor allem internationale Finanzinstitute, Politiker und Staatsoberhäupter sollen zahlreiche Offshore Deals eingegangen sein und von den Diensten der Firma profitiert haben. Auch Freunde von Russlands Präsidenten Wladimir Putin haben wohl Briefkastenfirmen eingerichtet und daran 1,75 Milliarden Euro verdient. Eine heiße Spur, die zu Putins Machenschaften führen könnte. Auch der argentinische Fußballstar Lionel Messi soll eine Briefkastenfirma bei Mossfon unterhalten haben.

Die Kanzlei erklärte auf die Vorwürfe, man arbeite seit 40 Jahren ohne jede Beanstandung. Zweifelhaft. Aber falls das stimmt, wird es sich definitiv bald ändern. Denn Mossack Fonseca hat Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet, mit Geldern aus illegaler Herkunft gearbeitet und nun das verloren, was die Firma eigentlich ausmachte: Strikte Geheimhaltung. Die Enthüllungen, die nun ans Licht kommen, könnten weltverändernd sein.

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Bildquelle: Matthew Wiebe via unsplash.com

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