Liebeserklärung an: die Beatles

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Liebe Beatles,

für mich war 1970 immer die Grenze. Ich hörte und höre gern „alte“ Musik, aber zu allem vor 1970 (ausgenommen Elvis Presley und vereinzelten Songs von Velvet Underground) fand ich irgendwie keinen Zugang. Dann trat das Debüt-Album von Chicago von 1969 in mein Leben. Da begann diese Grenzmauer, erste Risse zu bekommen. Dann kamt ihr. Mit dem Vorschlaghammer standet ihr neben dieser Mauer und habt sie nun tatsächlich eingerissen: Ich bin musikalisch endgültig in den 1960ern angekommen. Und dafür danke ich euch, liebe Beatles.

Wenn man sich eure Entwicklung anschaut, sind daran mehrere Sachen interessant. Zum einen, dass ihr anfangs ja eigentlich nur eine Band von vielen wart. Ihr wart eine Truppe unter zahlreichen Wannabes, die herumquäkten und ihre Gitarren zupften, um den Mädchen mit Mersey Beat den Kopf zu verdrehen. Aber, und das muss man euch lassen: Das habt ihr verdammt gut gemacht. Euer primäres Songwriting-Duo, Paul McCartney und John Lennon, lag insofern genau richtig, dass es merkte, dass die Worte zwar nicht komplett unwichtig sind, Melodik und Eingängigkeit aber mindestens ebenso viel zählen. Sprich: Sofern es ins Ohr geht, ist es nicht schlimm, wenn man eigentlich stupide Sätze wie „I wanna hold your hand“ oder „All you need is love“ dutzendfach wiederholt.

Nur zehn Jahre, aber die hatten es in sich

Darüber hinaus war ihr gemeinsam ja „nur“ zehn Jahre als Band zusammen. In diesen zehn Jahren habt ihr euch von herumblödelnden Schuljungen zu, musikalisch und kulturell, echten Trendsettern entwickelt. Als eure letzte Platte „Let It Be“ 1970 erschien, besaßt ihr bereits Kultstatus. Und das dank zahlreicher Dinge: Die Cover-Gestaltung von „Sgt. Pepper“ und „Abbey Road“, die man heute auf zahlreichen T-Shirts findet. Eure Naivität und Neugier, die letztlich in Kreativität mündete, schließlich bandet ihr Instrumente wie die Sitar oder das Waldhorn in eure Songs ein, die in der Popmusik eigentlich nichts verloren hatten. Bei „Yellow Submarine“ habt ihr während der Aufnahmen auf Heizungen geklopft, um Sound und Atmosphäre zu erzeugen. Euch war nichts zu dumm, ihr wart euch für nichts zu schade, sofern es dem diente, was euer Ziel war: Die Menschen mit neuartiger Musik zu begeistern.

Psychedelic, Ska, Hard Rock – alles mit dabei

Ihr geltet als einer der Schöpfer des Psychedelic Rock, und zwar ab eurem Album „Rubber Soul“. Ab diesem habt ihr euch nur noch auf das Aufnehmen von Songs im Studio konzentriert, euch vom lästigen Joch des Auf-Tour-seins befreit. Dadurch habt ihr noch mehr experimentiert, seid noch mehr in euch gegangen (auch dank diverser bewusstseinserweiternder Substanzen). Ihr habt musikalische Potpourris fabriziert, auf denen mal eben Querbeet durch die Musikstile marschiert wird. „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ nimmt das vorweg, was in den 1970ern als Ska und Reggae endgültig im Mainstream ankommen wird, „Helter Skelter“ ist so etwas wie die Geburtsstunde des Hard Rock. Hört man sich frühere Songs von euch an, hat man das Gefühl, wieder in einer ganz anderen Ära zu sein, denn Titel wie „Twist and Shout“ erinnern mehr an den jungen Elvis Presley als an langhaarige musikalische Tausendsassa, die meditieren und Pot rauchen. Da könnte man glatt behaupten, das „Konstrukt“ Beatles besteht aus mehreren Bands. Und das ist vielleicht das Großartigste, was eine Band meines Erachtens erreichen kann: Sie überrascht mit jedem Album immer wieder neu. Und wirkt ganz anders.

Das Beste

Wenn man zum ersten Mal von der „Paul is Dead“-Theorie hört und sich mal richtig dahinterklemmt. Warum als Einziger barfuß? Ist das wirklich ein Sarg, ist das wirklich eine segnende Hand? Und was hat es mit dem Rückwärts-Abspielen der Songs und versteckten Botschaften auf sich? Is Paul really dead? Wer weiß das schon? Ist doch eigentlich auch egal, denn: „Ob-la-di, ob-la-da, life goes on, bra.“

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Bildquelle: Pixabay

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