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Master: Should I stay or should I go?

Die ersten Bewerbungsfristen für die Masterstudienplätze haben schon begonnen. Jetzt heißt es entscheiden: Master ja oder nein? Bleiben oder gehen?

Drei Jahre Uni sind vorbei. Die Tinte auf dem Bachelorzeugnis ist noch druckfrisch, da gibt’s schon den ersten gedanklichen Querschläger: Was nun? Immer weiter, immer Vollgas auf einen Master zuhalten? Erst mal ein paar Praktika machen, sich sortieren? Oder gleich Adieu zum geliebten Studentenleben sagen und sich jetzt mal dem Ernst des Lebens widmen: einem so richtig echten Beruf!

Letzte Woche lies die Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) den sonst so relaxten Student aus seinem Bacheloretteschlaf erschrecken. 47 Prozent der Unternehmen sind unzufrieden mit dem, was ihnen Bachelorabsolventen liefern. 2007 waren es noch 67 Prozent, 2011 nur noch 63 Prozent, Tendenz sinkend. Eric Schweitzer, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, erklärt in einem Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“, dass die Überakademisierung ein Grund für die Unzufriedenheit sei. „Viele studieren, die eigentlich in einer Berufsausbildung besser aufgehoben wären“, so Schweitzer. Für ihn sei eine Möglichkeit, die Anzahl der Studienplätze stärker zu limitieren.

 

Also jetzt doch auf jeden Fall einen Master machen oder wie?

 

Anna Kurz von der zentralen Studienberatung der Ludwig-Maximilians-Universität München berät vor allem Studenten, die einen Bachelorstudiengang beginnen wollen, aber manchmal sind auch potentielle Masterstudenten dabei, die Rat suchen. „Als ich von der Umfrage der DIHK erfahren habe, fand ich das erst mal gemein, denn schließlich wurde das Bachelor-Master-System dafür eingeführt.“ Ein zweigliedriges System, dass einem eigentlich erlauben sollte, nach dem Bachelor einen Schlussstrich unter die Unikarriere ziehen zu können. Trotzdem kennt auch Kurz die Tücken das Bachelorstudiums wie mangelnde Praxis oder das zu junge Alter beim Abschluss, das Berufseinsteiger unbeholfen wirken lassen kann.

 

Was darf’s denn jetzt sein, liebe Wirtschaftsverbände?

 

Verkürzte Schulzeit und abgeschaffter Wehrdienst: Deutschland wollte sich wettbewerbsfähiger machen, da Studenten in anderen europäischen Ländern deutlich jünger waren. Auch für Schweitzer könnte das gesunkene Alter der Absolventen Grund für die zunehmende Unzufriedenheit der Unternehmen sein: „Erfahrung und Horizont schaden sicher nicht. Das sieht man auch daran, dass die Unternehmen mit den Master-Absolventen sehr zufrieden sind. 78 Prozent sehen ihre Erwartungen in sie erfüllt. 2011 waren es nur 65 Prozent.“

Gemein, gar unfair ist der Vorwurf der Unternehmen. Da hat Anna Kurz schon ganz recht. Schließlich haben die Wirtschaftsverbände damals gefordert, dass das Studium kürzer werden muss. Jetzt sind die Absolventen ihnen zu jung. Sie vermissen soziale Kompetenzen, tiefgreifendes Wissen, Praxiserfahrungen und am besten noch einen Auslandsaufenthalt. Das aber bitte kurz und knackig, in sechs bis acht Semestern. Ständig ist hört man vom Fachkräftemangel in Deutschland. Jetzt sollen lieber weniger studieren. Was denn jetzt?!

Kurz rät sich bewusst zu machen, wo man hin möchte: „Der Master fokussiert sich auf einen spezifischen Kerninhalt, während der Bachelor eher breit gefächert ausgerichtet ist.“ Man müsse sich klar machen, welche Möglichkeiten die jeweiligen Abschlüsse finanziell und beruflich bieten. Bei Psychologie sei ein Masterstudium fast unerlässlich, während Studiengänge wie BWL auch ohne auskommen, so die Studienberaterin. Ein weiter Pluspunkt: Die gewohnte Massenabfertigung aus dem Bachelor fällt bei oft nur um die 30 Masterstudienplätze pro Fach weg.

 

Bleiben oder nicht bleiben – das ist hier die Frage!

 

Schon die Punkrockband The Clash hat es auf den Punkt gebracht: „Should I stay or should I go.“ Hat man dann mal den Entschluss gefasst, einen Master zu machen, fällt einem schon die nächste Entscheidung vor die Füße: Bleiben oder nicht bleiben – das ist hier die Frage.

Die paar Bachelorjahre rauschen an einem vorbei wie kaum eine andere Zeit davor. Mittlerweile bedeutet Heimfahren zurück zum Studienort und nicht mehr eines der seltenen Wochenenden bei den Eltern absteigen. Man hat im Studium gleichgesinnte, ja Freunde fürs Leben gefunden, wandert abseits der Touripfade und die WG inklusive Mitbewohner geht auch klar. Warum jetzt also gehen?

Ja weil man immer dann gehen sollte, wenn’s am Schönsten ist. Diese Meinung ist jedenfalls der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz Holger Burckhart. In einem Interview mit Zeit Campus plädiert er für den Hochschulwechsel. Horizonterweiterung, die Herausforderung, sich erneut in einer fremden Stadt zurecht zu finden, gerne auch ins Ausland – Dinge, die laut Burckhart für einen Wechsel sprechen. Man soll sich’s bloß nicht zu bequem machen.

 

Wechselquote: über ein Drittel der Studenten

 

Über zwei Drittel der Bachelorabsolventen entscheiden sich für ein konsekutives Studium. Das HIS-Institut für Hochschulforschung hat 6600 Erstsemester-Masterstudenten des Wintersemesters 2011/12 befragt. Viele Studenten haben Angst aufgrund der geringeren Anzahl von Masterplätzen leer auszugehen. Doch laut der Umfrage ist diese unbegründet. Mehr als drei viertel der Befragten gab an, dass sie sogar Wunschmaster und Wunschort bekommen haben. Rund 39 Prozent haben vorher an einer andern Hochschule studiert. Entscheidend ist welchen speziellen Masterstudiengang man machen möchte und wie stark der Standort ins Gewicht fallen darf.

Am Ende sollte man am besten auf sein Bauchgefühl hören, denn Marc Schreiber, Psychologieprofessor an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, fand heraus, dass bei der Berufswahl Menschen nicht unglücklicher waren, wenn sie aus dem Bauch heraus entschieden, als wenn sie lange nachgedacht haben.

 

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Bildquelle: Leo Hildalgo unter CC-BY-SA 2.0

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