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Nachhaltigkeit – ganz oder gar nicht?

Nachhaltigkeit ist Teil unseres Alltags und mittlerweile zum regelrechten Trend geworden. Aber kann wirklich jeder nachhaltig sein?

Nachhaltigkeit ist big. Was früher höchstens mal in Erdkunde diskutiert wurde, ist heute fester Bestandteil unseres Lebens. Und wenn man sieht und hört, was da alles so in unseren Meeren schwimmt und wie unsere lieben Mitmenschen die Parks nach ausgiebigen Grillgelagen hinterlassen, dann wird wohl hoffentlich auch dem Letzten klar, dass sie vor allem eins ist: nämlich verdammt wichtig.

Nachhaltigkeit – Der neue Trend

Die immer stärker werdende Kritik an Plastik hat auch dazu beigetragen, dass sich das Thema langsam aber sicher zum Trend entwickelt, und zwar auf allen Ebenen. Nachhaltigkeit ist mittlerweile mehr als nur richtige Mülltrennung. Egal ob Mode, Kosmetik, Lebensmittel oder Alltagsgegenstände: Was einem vor ein paar Jahren noch öko vorkam, boomt jetzt regelrecht. Das ist auch unseren Freunden – den sozialen Medien – zu verdanken. Neben Selfie-Wahn und Werbungsspam können die nämlich tatsächlich auch Bewusstsein schaffen und lange überfällige Denkanstöße liefern. An dieser Stelle auch mal ein großes Dankeschön an die Menschen, die Erfahrungswerte und Tipps & Tricks aus ihrem Alltag teilen und kostenlos Inspiration liefern. Schadet ja nicht, den eigenen Horizont ab und zu auch mal ein bisschen zu erweitern.

Aber das mit dem öffentlichen Bewusstsein ist eben auch so eine Sache. Wo Menschen vor aller Welt Stellung nehmen und zeigen, wie sie leben und was sie kaufen, da sind leider auch die Moralapostel nicht weit. Und da wird man dann eben doch mal schnell zum semi-nachhaltigen Gutmenschen degradiert, nur weil man sich am Freitagnachmittag ein böses Haribotütchen gönnt. Denn: Entweder bist du zu 100 % nachhaltig oder du brauchst überhaupt nicht mitzureden.

All in oder all out?

Hände hoch: Wessen Plastikmüll wird mal wieder am schnellsten voll? Wer findet Secondhand-Shirts nicht so prall und vergisst auch immer seinen Kaffee-Thermosbecher mitzunehmen? Wer besitzt noch keine Bambuszahnbürste? Und wer fühlt sich gerade leicht beschämt und auf frischer Tat ertappt? Jutebeutel immer schön am Start – Check! Unverpackt eingekauft – Fail! Nimmt man so die Sache überhaupt ernst? Ist Nachhaltigkeit nur sinnvoll, wenn man sie mindestens zu 80 Prozent durchzieht? Ist alles drunter heuchlerisch, dilettantisch, pure Zeitverschwendung? Gibt es tatsächlich nur schwarz oder weiß, ja oder nein?

Ein bisschen Selbstreflektion

Abgesehen davon, dass das wohl jeder für sich persönlich beantworten muss – ohne gleich den Rest der Menschheit bekehren zu wollen –, geht es in erster Linie darum, sich überhaupt mal mit dem Thema auseinandersetzen und die eigenen und gesellschaftlich eingefahrenen Verhaltensmuster zu hinterfragen. Und an einem Punkt können wir alle – unabhängig von Einkommen oder Lebensstil – ansetzen: Wie und was konsumiere ich eigentlich? Dann wird auch schnell klar, dass Nachhaltigkeit vor allem mit dem Willen zu tun hat, bewusst auf Handlungen zu achten, zu überlegen, welche Konsequenzen was hat und ggf. auf alternative Möglichkeiten umzusteigen.

Nachhaltigkeit bedeutet also nicht, dass ich ab jetzt nur noch T-Shirts für 30 Euro im Fair Fashion Laden kaufe. Sie fängt schon dann an, wenn ich mir Gedanken darüber mache, ob ich mir die x-te Hose kaufe, unbedingt das Drei-Euro-T-Shirt vom irischen Klamottenmogul brauche oder beim Sommerschlussverkauf so richtig zuschlagen muss. Sie sagt viel über die eigene Einstellung zu Konsum und Wegschmeißen aus und bedeutet grundsätzlich, bewusste(re) Entscheidungen zu treffen und den Impulsen nicht gleich nachzugeben. Sich an dem Prinzip Qualität statt Quantität zu orientieren. Und das ist definitiv auch bei wenig Geld drin.

Babysteps in die richtige Richtung

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber Gedanken zu Alternativen kann sich wirklich jeder machen. An dieser Stelle also ein kleiner Aufruf: Weg von der Wegwerf- und Alles-neu-Gesellschaft, hin zu mehr Recycling und Erfindungsgabe! Lasst uns doch mal wieder mehr nutzen, was wir eh zu Hause haben. Das fängt schon bei der Kleidung an: alte Teile einfach mal neu gestalten oder im Dachboden-Fundus stöbern, da bewahrheitet sich so manches Mal Omis alter Spruch „Alles kommt irgendwann wieder“ (heißt heute: Vintage).

Anstatt im Drogeriemarkt unseres Vertrauens immer wieder der Werbung zum Opfer zu fallen, können wir alternativ auf Zutaten zurückgreifen, die wir sowieso in der Küche haben und die zu 100 Prozent natürlich sind. Aus dem Kaffeesatz, der sonst gleich im Müll landet, wird dann im Handumdrehen Düngemittel und Peeling. Für Letzteres eignen sich übrigens auch super Salz, Öl und Zitrone.

Auch wenn die normalen Supermärkte leider immer noch nicht verstanden haben, dass Paprika & Co. keine Plastikverpackung brauchen – zumindest können wir selbst darauf achten, nicht für jedes Obst und Gemüse zum Tütchen zu greifen, und auch mal lose Bananen in den Wagen zu legen. Und wer nur so viel einkauft wie er tatsächlich verbraucht, der vermeidet unnötiges Vergammeln und Wegschmeißen.

Jeder kann nachhaltig sein

Daneben gibt es Dinge, die wir auf den ersten Blick vielleicht gar nicht als nachhaltig einstufen würden, die aber auch Auswirkungen auf die Umwelt haben: Wasser im Wasserkocher vorkochen, Licht nicht sinnlos anlassen, Steckdosenleisten mit Schalter verwenden, Mittagessen selbst kochen und zur Arbeit nehmen und sich mal wieder öfter aufs Fahrrad schwingen. You name it.

Nachhaltigkeit betrifft letztendlich jeden und jeder kann auch tatsächlich seinen kleinen, individuellen Teil dazu leisten. Radikal alles nicht-nachhaltige aus dem Leben streichen? Schwierig und, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, für viele(s) einfach nicht machbar. Aber wenn wir die Umwelt nicht mit unserer Ignoranz und Respektlosigkeit vollmüllen, dann, liebe Mitmenschen, sind wir doch schon mal auf einem ganz guten Weg.

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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