Ökostrom gegen den Klimawandel: Warum sich ein kritischer Blick lohnt

Labern kann jeder. Doch es zählt der Pragmatismus beim Kampf gegen den Klimawandel. Diesem kann man auch bei der Energieversorgung begegnen.

Kritiker der Klimakonferenz und Umweltschützer der ersten Stunde sind sich darüber einig, dass die Regierungen zu wenig gegen den Klimawandel unternehmen. Um dennoch nicht tatenlos herumzusitzen und dabei zuzusehen, wie der Planet den Bach runtergeht, können Verbraucher einiges tun. Ökostrom heißt das Stichwort.

Ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz besteht darin endgültig Abstand von Atomkraft sowie fossilen Brennstoffen zu nehmen und auf sinnvolle Ökostrom-Angebote umzusteigen. Doch ist die Bezeichnung Öko bei Strom eine Garantie für nachhaltig orientierte Stromlieferanten? Leider nein, weshalb jeder Einzelne aufgefordert ist einen kritischen Blick auf das Portfolio zu werfen.

Allgemeines zum Ökostrom

Wird Strom mit umweltschonenden Quellen gewonnen, wird er als Ökostrom bezeichnet. Zu diesen Quellen gehören hauptsächlich:

– Biomasse

– Wasserkraft

– Windkraft

– Photovoltaikanlagen

Neben erneuerbaren Energien trägt auch Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen den Namen Ökostrom, was angesichts der Tatsache, dass es hierbei oft zur Verbrennung von fossilen Brennstoffen kommt, schlicht und ergreifend fragwürdig ist. Bei echtem Ökostrom kommt eine CO2-Ersparnis zustande. Die Tabelle stellt die Entstehung von CO2-Emissionen von Ökostrom und konventionell gewonnenem Strom pro Kilowattstunde gegenüber:

Ökostrom

Konventioneller Strom

CO2-Emissionen

345 Gramm

mehr als 600 Gramm

 

Vergleichen und Stromanbieter wechseln

Um konkret Einfluss auf die Zukunft des Energiemarktes zu nehmen, ist ein Stromanbieterwechsel häufig unvermeidbar. Ob derzeit Strom aus Atomkraft oder fossilen Brennstoffen bezogen wird, kann der aktuellen Stromrechnung entnommen werden. Stromlieferanten sind verpflichtet die Kundschaft dort umfassend über radioaktive Abfälle, CO2- Emissionen und Stromherkunft zu informieren.

Wer den Stromanbieter wechseln möchte, kann mit Hilfe des unabhängigen Vergleichsportals unter stromvergleich-ratgeber.de regional verfügbare Stromanbieter ermitteln. Um sich ausschließlich Ökostrom-Tarife anzeigen zu lassen, muss beim Parameter „nur Ökostrom“ ein Haken bei „Ja“ gesetzt werden. Alle Angebote mit konventionellem Strom werden dann bereits ausgeschlossen. Ein derartiger Vergleich dient als erste Orientierung, um sich einen Eindruck von der lokalen Auswahl zu machen.

Anschließend besteht das Ziel darin die präsentierten Tarife sowie Stromlieferanten genauer zu analysieren. Nur so lässt sich klären, welche Unternehmen tatsächlich wert auf Nachhaltigkeit legen und nicht nur oberflächlich so tun, als wären sie grün orientiert. Leider missbrauchen viele Stromlieferanten den Begriff Öko und ergänzen ihr ansonsten auf Atomkraft konzentriertes Tarifspektrum um einen Ökostrom-Tarif, um der Nachfrage gerecht zu werden. Im Hintergrund verkaufen sie dann aber vom Kunden unbemerkt fleißig fossile Brennstoffe. Wer auf derartige Machenschaft setzt, darf keine echte Veränderung erwarten. Weil „Ökostrom“ kein gesetzlich geschützter Begriff ist, haben in den vergangenen Jahren viele Stromlieferanten von der sogenannte Umetikettierung profitiert.

Ökostrom-Zertifikate

Seriöse Ökostrom-Zertifikate sind Verbrauchern eine wertvolle Hilfe, um Stromanbieter zu finden, die sich vollständig von Atomkraft und fossilen Brennstoffen abwenden und ausschließlich auf nachhaltige Alternativen konzentrieren. Besonders aussagekräftig sind folgende beiden Zertifikate:

1. Ok power-Label: Hierbei handelt es sich um das in Deutschland führende Ökostrom-Zertifikat. Der Strom wird ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen.

2. Grüner Strom Label: Stromanbieter mit diesem Gütesiegel müssen mindestens einen Cent je verkaufter Kilowattstunde in erneuerbare Energien investieren.
Verbrauch senken

Ist der Stromanbieterwechsel vollzogen und der Umstieg auf reinen Ökostrom gelungen, gilt es den individuellen Verbrauch zu analysieren. Schließlich sollte auch von Ökostrom möglichst wenig benötigt werden, um Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu entlasten. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hat unter bmub.bund.de eine Vielzahl an Tipps zusammengefasst.

Fazit

Ökostrom ist leider nicht gleich Ökostrom. Einige Stromlieferanten und Stromproduzenten gewinnen ihren Strom nach wie vor aus Atomkraft oder fossilen Brennstoffen, versuchen Verbraucher jedoch mit Ökostrom-Tarifen zu locken. Ein kritischer Blick sowohl auf Tarife als auch auf die Unternehmen dahinter, kann Mogelpackungen aufdecken. „Verbraucher sollten genau prüfen, woher der Strom tatsächlich stammt. Ungenaue und nicht weiter ausgeführte Begriffe wie „regenerative Stromquellen“ sagen kaum etwas aus und können Kunden leicht in die Irre führen“, so der abschließende Hinweis in einem Artikel zum Thema „Etikettenschwindel beim Ökostrom“ unter pankower-allgemeine-zeitung.de.

Bild: Carsten Frenzl unter cc-by-sa 2.0

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