Panama Papers: Warum die Skrupellosigkeit nie sterben wird!

Offshore Deals PanamaPapers

Eine Meinung von Maxi Jung

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass die Veröffentlichung der Panama Papers mit der Enthüllung um den mutmaßlichen britischen Dopingarzt Mark Bonar zusammenfällt. Warum? Es lässt anhand dieser Koinzidenz der Ereignisse zeigen, was solche Enthüllungen zu leisten imstande sind – und was nicht.

Einerseits sind das beides riesige Skandale. Und beides sind großartige journalistische Leistungen. Solche, die einem in Zeiten, in denen es dem Journalismus nicht besonders gut geht, bewusst machen, weshalb eine freie und kritische Presse unverzichtbar ist. Andererseits muss man in beiden Fällen aber auch einräumen, dass man das alles schon wusste. Und dass sich trotz der Veröffentlichungen mit höchster Wahrscheinlichkeit nichts verändern wird.

 

Die Sonntags-Enthüllungen

 

Von vorne: Am Sonntagmorgen wird öffentlich, dass es in England ein flächendeckendes Doping im Profisport gegeben hat – und wohl noch gibt. Fußballer, Radfahrer, Leichtathleten … Alle sollen sie den Arzt Mark Bonar besucht haben. Er verschrieb ihnen leistungssteigernde Mittel. Ein Team der ARD und der britischen Zeitung Sunday Times hat das herausgefunden, indem sie einen Lockvogel mit versteckter Kamera zu Bonar schickten. Der schilderte seine verbotenen Praktiken ‚on tape‘ frei von der Leber weg.

Sonntagabend dann die Enthüllung der Süddeutschen Zeitung. Dokumente, die dem Medienhaus zugespielt wurden, belegen nicht nur, dass es in Panama ein umfassendes Netzwerk von Briefkasten-Firmen gab und gibt. Sie liefern auch die Namen vieler Politiker, Sportler und Verbrecher, die eine Verbindung zwischen sich und Unmengen schmutzigen Geldes durch Briefkastenfirmen verschleiern wollten.

 

Ist das wirklich neu?

 

In beiden Fällen erfährt die Öffentlichkeit von dunklen Geschäften, von denen sie eigentlich nie Kenntnis haben sollte. Und es wird Konsequenzen geben, keine Frage. In Island protestieren die Menschen zum Beispiel bereits gegen ihren Korrupten Premierminister, den die Panama Papers enttarnten. In England sehen sich mehrere Vereine der ersten Fußball-Liga bereits in Erklärungsnot. Deshalb: Klar haben die Journalisten der Weltöffentlichkeit damit einen Gefallen getan. Kriminelle und Betrüger werden zur Rechenschaft gezogen werden.

Aber zugleich muss man festhalten, dass wir von all diesen Machenschaften schon seit Jahren wussten. 2013 gab es bereits Offshore-Leaks, das große Datenbestände von Briefkastenfirmen offenlegte. So wie dieses Mal der innere Zirkel der russischen Oligarchie betroffen zu sein scheint, war es vor drei Jahren unter anderem die chinesische Machtelite. Gleiches gilt im Falle des Dopings. Mark Bonar scheint mit dem Skandal um Eufemiano Fuentes 2006 vergleichbar zu sein. Wie der Brite soll auch der spanische Arzt Sportler vieler unterschiedlicher Disziplinen beim Dopen unterstützt haben.

 

… und wo führt das hin?

 

Nur haben die Sportler deshalb aufgehört zu dopen? Seit 2006 gab es zahlreiche neue Doping-Skandale. Die meisten davon betreffen Doping nach 2006. Gelernt hat daraus also niemand, abgeschreckt hat es auch keinen. Im Fall der Briefkastenfirmen ist es dasselbe. Die Daten der SZ zeigen Bewegungen, die aus dem Jahr 2015 stammen. Auch das liegt zeitlich nach Offshore-Leaks 2013. Auch da hat niemand etwas an seinem Verhalten geändert.

Das schmälert die journalistische Leistung keineswegs und sollte niemanden frustrieren. Es zeigt aber einfach: Wenn es um Geld, im Idealfall um viel Geld geht – und das ist im Falle des Profisports ebenso wie im Bereich der Wirtschaftskriminalität –, dann war, ist und wird es immer skrupellose Menschen geben. Die Welt wird durch die Enthüllungen deshalb weder eine andere, noch eine bessere. Der Mensch sowieso nicht. Aber schon allein dafür, dass wir das verstehen und immer wieder vor Augen geführt bekommen, ist Aufdeckung wichtig.

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Bildquelle: Taylor Nicole via unsplash.com

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