Was ist eigentlich OnlyFans?

Frau macht Selfie in Unterwäsche

Nacktbilder und Feminismus – passt das zusammen?

Von ihren Gewinnen können die Creator*innen 80 Prozent behalten – 20 Prozent gehen an Fenix International Limited, das Unternehmen hinter OnlyFans. Der monatliche Verdienst reicht bei vielen Influencer*innen aus, um mehrere Monate lang ein entspanntes Leben zu führen. Warum also verkaufen sie immer weiter intime Bilder und Videos? Yma erzählt, dass die Arbeit für sie eine Art Selbstermächtigung ist: Sie hatte noch nie ein Problem damit, ihre Sexualität und ihren Körper öffentlich zu präsentieren. Auf OnlyFans kann sie nun ganz allein darüber entscheiden, welche Inhalte sie mit wem teilt – und nebenbei damit auch noch gutes Geld verdienen. Die irische Influencerin Keelin bringt es im Beitrag des Y-Kollektivs noch einmal auf den Punkt: Frauen* werden ihrer Meinung nach so oder so objektifiziert – warum also nicht davon profitieren und die Sache dadurch ein bisschen mehr in die eigene Hand nehmen? Für die meisten Creatorinnen hat das Ganze also viel mit Feminismus und Empowerment zu tun. Wer auf OnlyFans nichts posten möchte, muss das schließlich auch nicht.

Das Geschäft mit den persönlichen Verbindungen

Andererseits lässt sich natürlich auch die Frage stellen, was die User*innen eigentlich von der ganzen Sache haben. Wieso geben sie teilweise mehrere hundert Euro pro Monat für Nacktbilder aus, wenn es im Internet doch nur so von kostenlosen Pornoseiten und Erotikportalen wimmelt? Das lässt sich relativ einfach beantworten: Only Fans gibt den Zuschauer*innen das Gefühl, mit den Creator*innen vernetzt und verbunden zu sein. Anders als bei einem Porno, wo man fremden, oft anonymen Menschen beim Sex zuschaut, meint man auf Onlyfans, den*die User*in persönlich zu kennen und in seine*ihre Welt eintauchen zu können. Besonders während der Corona-Krise, in der viele Menschen unter Einsamkeit und Kontaktmangel leiden, boomt das Geschäft auf der Plattform: Viele Influencer*innen verzeichneten in den letzten Monaten deutliche Zuwächse – sowohl an Followerzahlen als auch an Einnahmen.

Porno-Content im Internet – muss das sein?

Natürlich hat der ganze Hype rund um OnlyFans aber nicht nur positive Seiten. Unter 18 sollte sowieso niemand auf die Idee kommen, Nacktbilder von sich im Internet zu veröffentlichen. Doch auch danach ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass man keinen Einfluss darauf hat, wer die eigenen Inhalte herunterlädt: Man darf zwar entscheiden, was man postet, jedoch nicht, wer darauf Zugriff hat. Nicht selten landen Fotos von OnlyFans plötzlich auf anderen Websites und werden dadurch für eine Vielzahl an Menschen frei zugänglich. Einige Expert*innen warnen auch davor, dass Portale dieser Art einen denkbar leichten Einstieg in die umstrittene Erotikbranche bieten: Junge Frauen* kommen sehr viel schneller auf die Idee, einen OnlyFans-Account anzulegen, als sich bei einer Produktionsfirma für Pornos vorzustellen. Oft ist dieser Plan dann nicht ganz bis zum Ende durchgedacht worden. Wer sich seiner Entscheidung allerdings sicher ist und sich wirklich wohl damit fühlt, Bilder von sich online zu veröffentlichen, der*die sollte sich auch von gesellschaftlichen Standards nicht davon abhalten lassen, seiner*ihrer Leidenschaft nachzugehen.

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Bildquelle: Pexels; CCO-Lizenz

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.