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Was deinen Geburtsmonat, deine Persönlichkeit und eine Depression verbindet

Eine besondere Persönlichkeit ist uns wichtig. Aber die meisten Faktoren, die dazu führen, können wir gar nicht beeinflussen: unseren Geburtsmonat zum Beispiel.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum du so bist, wie du bist? Wahrscheinlich bist du dann auf so Dinge gekommen, wie welche Freunde du hast, wo du wie aufgewachsen bist oder was für Erfahrungen du gemacht hast. Damit liegt man auch im Großen und Ganzen ziemlich richtig. Denn natürlich hängt die Persönlichkeit auch von genetischen Merkmalen und damit verbundenen physischen und psychischen Ausprägungen zusammen. Wie intelligent ist man, wie sportlich und wie bestimmte Charaktereigenschaften ausgeprägt sind. Dazu kommt das gesellschaftliche Umfeld, in dem wir aufwachsen. Haben wir bestimmte Möglichkeiten vielleicht gar nicht? In welcher Gesellschaft wachsen wir auf? Wer sind unsere Bezugspersonen? Dazu kommt dann, dass jeder die gleiche Umwelt unterschiedlich wahrnimmt – dadurch anders auf sie reagiert und so auch andere Reaktionen von den Mitmenschen bekommt. Das ist zwar noch lange nicht alles, was dazu führt, wie wir sind, aber eines ist klar: Wir Menschen sind ganz schön kompliziert.

 

Wir sind kompliziert

 

Schließlich ist unser Gehirn verantwortlich dafür, wie wir mit allem umgehen und wie wir daraus eben unsere Persönlichkeit entwickeln. Und das ist alles andere als einfach aufgebaut: Es besteht aus einem Netzwerk von Milliarden von Gehirnzellen, die ständig miteinander kommunizieren und sich vernetzen. Obwohl jeden einzelnen Tag 10.000 bis 100.000 Gehirnzellen absterben, haben wir am Ende unseres Lebens, also nach vielleicht rund 80 Jahren und damit ganz schön vielen Tagen, nur zehn Prozent der Gehirnzellen verloren. Da bleiben am Ende immer noch ganz schön viele Zellen übrig, die beeinflussen, wie wir handeln, was wir denken, wer wir sind und eben welche Persönlichkeit wir haben. Man kann also wirklich behaupten, dass für das Endprodukt „Individuum“ und menschliche Persönlichkeit unfassbar viele Faktoren zusammenkommen. Deswegen scheint es auf den ersten Blick ein bisschen lächerlich, was eine Wissenschaftlerin jetzt herausgefunden hat: Der Monat, in dem wir geboren sind, soll unsere Persönlichkeit gar nicht mal unerheblich beeinflussen.

 

Klingt komisch, ist aber so

 

Nein, Xenia Gonda ist keine verkappte Astrologin, die uns erzählen will, dass bei unserer Geburt die Venus im falschen Winkel zur Erde stand und wir deswegen ein böser Mensch sind. Ihre Studie bezieht sich auf biochemische Forschungen, laut derer die Zeit, zu der wir geboren wurden, einen Einfluss auf bestimmte Neurotransmitter hat, wie zum Beispiel die Glückshormone Dopamin und Serotonin. Diesen Einfluss kann man selbst dann noch feststellen, nachdem wir längst erwachsen sind. Um herauszufinden, ob der Geburtsmonat auch einen Einfluss auf die Persönlichkeit hat, haben 400 Versuchspersonen einen Fragebogen ausgefüllt, bei dem ihre Persönlichkeit und ihre allgemeine Grundstimmung festgestellt wurde. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler um Gonda bestimme Muster feststellen, die sie auf dem European College of Neuropsychopharmacology Congress vorstellte.

 

Sommerkinder sind euphorisch, Winterkinder eher traurig

 

Menschen, die im Sommer geboren sind, neigen eher dazu, ein sogenanntes zyklothymisches Temperament zu haben. Das bedeutet, dass sie sehr schnell zwischen Traurigkeit und Fröhlichkeit hin und her springen. Die Fragestellung für Xenia Gondas Forschung war auch, ob der Geburtsmonat Einfluss darauf hat, ob wir bestimmte psychische Stimmungserkrankungen entwickeln. Krankhaftes zyklothymisches Verhalten wäre dann zum Beispiel, wenn man eine bipolare Störung entwickelt. Menschen, die im Sommer geboren sind, aber auch diejenigen, die im Frühling Geburtstag haben, besitzen außerdem noch eine höhere Wahrscheinlichkeit als andere, dass sie außerordentlich positiv gestimmt sind.

Winterkinder haben dafür die Eigenschaft, dass sie weniger leicht reizbar und auffahrend sind als Personen, die in einer anderen Jahreszeit geboren wurden. Dafür haben Winterkinder eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken als im Herbst geborene. Die zeigen sich für Depressionen nämlich weniger anfällig. Natürlich heißt das nicht, dass jeder dieser Kinder an einer psychischen Erkrankung leidet. Allerdings scheint es eben so zu sein, dass man je nach Jahreszeit zu einer bestimmten Stimmung tendiert und das in Extremfällen zu Krankheiten wie Depressionen oder bipolarer Störung führen kann.

 

Oder etwa nicht?

 

Gonda schreibt in ihrer Veröffentlichung, dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts genaueres über die dahintersteckenden Mechanismen sagen kann. Sie werden jetzt basierend auf dieser Untersuchung nach genetischen Merkmalen suchen, die die Ursache für den Einfluss der Jahreszeiten bei der Geburt auf das Temperament und die Persönlichkeit sein könnte. Schon andere Studien hatten sich mehr oder weniger direkt mit dem gleichen Thema beschäftigt: eine britische Studie hat allerdings herausgefunden, dass bipolare Störungen eher bei Menschen auftreten, die im Januar, also im Winter, geboren sind – während im Mai geborene eher an Depressionen leiden. Das widerspricht also ganz klar den Ergebnissen von Gonda. Trotzdem kann man aus beiden Studien herauslesen, dass unser Geburtsmonat unsere Persönlichkeit beeinflusst –  nur über die Richtung sind sich die Forscher eben noch nicht so ganz einig. Aber vielleicht trifft auf euch ja zu, was Xenia Gonda herausgefunden hat –  und dann habt ihr eine Ausrede dafür, wenn ihr mal wieder viel zu aufgedreht seid und alle nervt oder nicht so wirklich Bock auf was habt!

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