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Studie: Prokrastination macht dich unglücklich

Ständig Dinge aufzuschieben ist zwar bequem – macht uns aber auf Dauer unglücklich. Das beweist nun eine Studie der „Procrastination Research Group“.

Pro-kras-ti-na-tion! Was ist das eigentlich? Im Endeffekt bedeutet es, seine Aufgaben so lange mit Hilfe von relativ stupiden Dingen aufzuschieben, bis man unter so großen Druck gerät, dass man nicht mehr drum herumkommt, es zu erledigen.

Prokrastination ist, sich eine während der Hausarbeit eine Tasse Tee zu machen. Sich äußerst bedacht den richtigen Buntstift auszusuchen, ihn anschließend sorgfältig und sehr präzise zu spitzen und ihn dann farblich passend im Stile eines Regenbogens wieder zu den anderen Stiften einzuordnen. Konsequenterweise die künstlerische Ader weiter wirken zu lassen und das Bücherregal nach Farbe zu sortieren. Dann ist der Tee leer getrunken und wir können uns eine neue Tasse aufbrühen. Und dann erstmal puuuuusten. Weil, super heiß! Aber hey, morgen stehen wir einfach etwas früher auf und dann ziehen wir es richtig durch. Hmmja. Maybe…. not.

Wer gerade diesen Artikel liest, gehört zu mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit zu den famosen natural born procrastinators – und sollte eigentlich interessiert an einer anderen Sache arbeiten. Halb so wild, denken wir uns aber jedesmal. Unter Druck liefern wir schließlich die besten Ergebnisse ab, für eine 2,3 wird es in der Uni doch immer reichen, wa?

Wer prokrastiniert, wird auf Dauer unglücklich sein

Eine Studie hat nun herausgefunden, dass wir damit mächtig auf dem Holzweg sind. Immerhin die Wissenschaft prokrastiniert nicht – sondern hat 10.000 Studenten nach ihrem Umgang mit Prokrastination befragt. So gaben 94 Prozent gegenüber der Procrastionation Research Group an, das konstante Aufschieben von Aufgaben habe starke negative Auswirkungen auf ihre Glückseligkeit. Laut Procrastination and Science fühlten sich 70 Prozent der prokrastinierenden Teilnehmer weniger glücklich als die Menschen, die dem Aufschieben schon längst Herr geworden sind. Warten Studenten zu lange mit dem Erledigen ihrer Dinge, verschlechtern sich offenbar sichtlich die Noten und Erfolge – was Sinn macht, da wir beim rumhudeln Kleinigkeiten übersehen und auch nicht allzu genau arbeiten können.

Notorische Prokrastination kann dauerhaft Beziehungen zu anderen Menschen kaputt machen. Hat man einmal den Ruf als diejenige Person, auf die man sich nicht verlassen kann oder die konstant Dinge aufschiebt, hat man sowohl im Freundeskreis, als auch in der Arbeit eher schlechte Karten. Problematisch wird es vor allem dann, wenn man einmal damit beginnt, sich mit waghalsigen Ausreden für seine Verzögerung zu entschuldigen. Und selbst wenn du überzeugend erklärt hast, dass du dem Bundespräsidenten bei einer Alien-Invasion helfen musstest, weil du nun mal Vize-Weltmeister im Schach bist – es wird sich nicht allzu geil anfühlen. Ja, Unehrlichkeit schränkt dein Glücksgefühl ein (…außer du bist absolut moral- und herzlos… das ist dann aber eine ganz andere Baustelle).

Eine never-ending Story des Bereuens

Das große Problem an der Sache ist die anschließende Reue. Es ist eine never-ending-Story: Der Prokrastinator durchwandert Hoffnung, dann Beklemmung, dann Schuld und Selbstkritik und anschließend: großes Bedauern, dass man es nicht von Beginn an anders angegangen ist. Konsequenz? Hoffnung, es beim nächsten mal besser zu machen. Dann wieder die Beklemmung.

Das Gemeine ist eben, dass das Phänomen der Prokrastionation nicht nur bei der Arbeit anzutreffen ist. Legen wir in unserer Partnerschaft, Familie oder auch bezüglich unserer Gesundheit solche Verhaltensmuster an den Tag, bekommen wir innerhalb kurzer Zeit ein echtes Problem. Wir müssen uns konkret damit auseinandersetzen, warum wir keinen Bock haben, unsere Vorsätze einzuhalten. Gründe gibt es viele: fehlendes Interesse, Antriebslosigkeit, schlechtes Selbstwertgefühl, Angst, übertriebener Perfektionismus oder auch Depressionen. Und es gibt nur eine Möglichkeit, den Kreislauf des Aufschiebens zu unterbrechen – und die funktioniert so: Hör – damit – auf! Setze dir einen konkreten Zeitplan. Versuche, einzelne Schritte deines Vorhabens zu einem bestimmten Zeitpunkt auf jeden Fall erledigt zu haben und gönne dir dazwischen eine kleine Pause, um den Kopf kurz zu beruhigen.

Ja, das klingt so leicht gesagt. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir – nur aus eigener Antriebskraft können wir uns zu Dingen motivieren. Und jetzt zur Belohnung ein kleiner Tee.

 

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Bildquelle: Keran Look Loy via unsplash unter CC.0 Lizenz

 

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