#CocksNotGlocks – Mit Dildo statt Waffe zur Vorlesung

Dildos

Mehr Waffen für weniger Gewalt? Macht doch Sinn oder nicht? Bullshit! Das findet auch Jessica Jin, Studentin der University Of Texas, in Austin, die sich mit ihren Sextoys gegen ein neues texanisches Waffengesetz stark macht. Hintergrund der Debatte ist das sogenannte „Campus Carry Law“, das ab dem 1. August 2016 den Studentinnen und Studenten das Mittragen einer Waffe im Uni-Hörsaal, dem Labor, einfach überall auf dem Campus, erlaubt. Dann würde Texas der bereits achte Staat in den USA sein, in dem Waffentragen ganz offiziell erlaubt ist.

Die Idee hinter Jessicas Protest ist einfach wie genial. Das öffentliche Zeigen von Dildos ist auf dem Campus nicht erlaubt. Eine Waffe mit sich zu tragen, findet die texanische Regierung wohl aber okay. Deshalb fordert sie die Studenten der Uni dazu auf, ihre Dildos provokativ zur Schau zu stellen. Ob knallpink, geriffelt oder mit fancy Glitzer oben drauf, Gummipenisse für alle! Ganz schön heikel, das Vorhaben der Studentin, denn auf das öffentliche Tragen „obszöner“ Gegenstände droht eine Strafe von bis zu 500 Dollar. Trotzdem hat die Event-Gruppe unter dem Hashtag #CocksNotGlocks (Glock ist ein in Amerika bekannter österreichischer Hersteller für Waffen) zum Protest derzeit bereits über 8.000 Zusagen erhalten.

 

„Es soll lächerlich wirken“

 

Hintergrund der Aktion ist auch eine Schießerei in Houston, Texas, bei der letzte Woche ein Mensch ums Leben gekommen ist. Wie Jessica dem Houston Chronicle berichtet, soll das Zeigen von öffentlicher Sexualität – in Amerika ein nicht allzu beliebtes Thema -, die Leute wachrütteln: „Ich möchte durch die vielen Dildos sichtbar machen, wie es wäre, wenn wir alle Waffen tragen. Es soll lächerlich wirken. […] Wenn Waffen und Blutbäder die Leute nicht wachrütteln, kann das vielleicht das öffentliche Zeigen von Sexualität schaffen.“

Die Amerikaner sind ja berühmt berüchtigt für ihre eher lockeren Waffengesetze. Die Zahlen sprechen hier für sich. Laut vox.com sind nicht nur fast die Hälfte der Waffenbesitzer weltweit Amerikaner (bei einem Bevölkerungsanteil von gerade einmal 4.4%), sondern es gibt auch knapp 15 mal so viele Morde durch Waffen, verglichen zu Deutschland. Doch trotz des Protestes vieler US-Bürger oder auch Promis werden immer wieder Gesetze erlassen, die für Unruhen sorgen.

 

„A bad guy with a gun can only be stopped by a good guy with a gun“

 

Aber warum sollte man eigentlich eine Waffe mit zur Uni nehmen? Das Mittragen soll nach Angaben der Befürworter des Gesetzes die zahlreichen Opfer der Waffenangriffe in den USA vermindern. Die Theorie lautet „A bad guy with a gun can only be stopped by a good guy with a gun“. Die knapp 8.000 Teilnehmer des Protests sind offensichtlich auch der Meinung, dass diese Theorie völliger Schwachsinn ist und machen durch Tweets auf Twitter auch darauf aufmerksam, dass die Ideengeberin Jessica Morddrohungen erhalten hat – „because gun owners are really chill“.

Die Initiatorin kritisiert mit ihrer Idee nicht nur die Waffenpolitik, sondern auch die altertümliche und prüde Sexualmoral der Amerikaner. Denn besonders für Texas scheinen Sexthemen Tabu zu sein, täglich werden dort angeblich weitere Abtreibungskliniken geschlossen. Fun Fact und der „Höhepunkt“ der Dildo-Debatte: Bis 2009 war es doch tatsächlich illegal mehr als sechs Dildos im Besitz zu haben. Meinen die nicht ernst? Doch, meinen sie. Vertreten wurde diese Vorschrift aufgrund von “morality based reasons“. Manche Gesetze könnte man sich echt nicht besser ausdenken, oder?

 

https://twitter.com/andreagrimes/status/653289539369222144

Praktikantin: Jenny, 22 Jahre jung und studiere derzeit Communication & Multimedia Design (also eigentlich mache ich irgendwas mit Medien) in Aachen. Da ich nun für mein Praxissemester in München bin, werde ich mich wohl an „Semmel“ und „bayrisches Bía“ -, was viel zu hell ist, gewöhnen müssen. Gell? Meiner Oma muss ich jeden Tag auf’s Neue erklären, dass ich eigentlich noch keine Ahnung habe, was ich mit meinem Studium anfangen soll. Ansonsten tendenziell zu spät, offen, facebook-los, oft sarkastisch - zu häufig falsch verstanden.