„Manchmal muss man sich auf den Mond setzen, um die Erde zu sehen” – Maria Ehrich im Interview

„Manchmal muss man sich einfach auf den Mond setzen und von außen auf die Erde schauen.“ – Von diesem Gedanken geleitet, begann die 7-monatige Weltreise der Schauspielerin Maria Ehrich und ihrem Freund Manuel Vering. Sie reisten 2018 von Kenia nach Hawaii und dann nach Mexico, wo sie sich einen ausrangierten cremefarbenen VW-Käfer kauften und ihn mithilfe eines Freundes herrichteten – getauft auf den Namen „Heidi“. Von dort fuhren die beiden 20 000 Kilometer durch die USA, durch Kanada bis zu ihrem Ziel – Neufundland. Dabei drehten sie Reportagen über ihre Reise und Menschen, die sie begeisterten. Darunter eine Frau namens Sister Mary Jane, die alleine schon über 300 Waisen in Kenia großgezogen hat. Später wurde daraus der Kinofilm „Leaving the Frame“. Im ZEITjUNG-Interview sprachen wir mit Maria Ehrich über ihre Reise.

Hast du dein Gefühl von Freiheit auf der Weltreise gefunden?

Ja, auf jeden Fall: Ich wollte objektiver auf mein Leben schauen und das ist mir gelungen. Ich hatte oft Schiss davor, dass die Schauspielangebote nachlassen und ich keine guten Rollen mehr bekommen könnte. Du kannst noch so viel Glück und Erfolg im Beruf haben, aber diese Gedanken wirst du wohl nicht loswerden. Diese Sorgen werden dich immer begleiten, wenn du es nicht schaffst, dich auf den Mond zu setzen und von außen auf die Erde zu schauen. Natürlich habe ich mich jahrelang über die Schauspielerei definiert, aber mich macht ja noch viel mehr aus. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr als Schauspielerin arbeiten könnte, dann würde ich mir etwas Neues überlegen, das mich erfüllt. Dafür hat mir vor der Reise aber ein bisschen das Vertrauen in mich selbst gefehlt. Auch zu wissen: Selbst, wenn das irgendwann wegbricht, bin ich immer noch ich. Das macht keinen schlechteren Menschen aus mir. Unsere Auszeit hat mich im Kopf so sehr befreit, dass ich diese Ängste jetzt nicht mehr habe.

Als Schauspielerin bist du viel vor der Kamera – weshalb habt ihr die Kamera dann wieder mit auf die Reise genommen?

Wenn ich einen Film drehe, dann sind da oft mindestens 50 Leute am Set – mit ganz viel Technik und man ist im Kostüm und in der Maske. Insofern war das für mich schon neue Erfahrung, ich selbst sein zu können. Die Kamera war dabei, weil wir dokumentieren wollten, was uns passiert und was die Menschen zu erzählen haben, mit denen wir gesprochen haben. Aber es gab natürlich auch ein paar Momente, wo ich gesagt habe, wir müssen die Kamera jetzt auch mal weglassen, damit wir all die Eindrücke richtig erleben und genießen können. Es hatte alles sein Für und Wider. Natürlich besteht die Gefahr, durch das ständige Filmen nicht im Moment sein zu können, weil man daran denkt, wie man wohl das beste Bild einfangen kann. Wenn wir die Kamera daheim gelassen hätten, wäre es bestimmt eine andere Reise geworden, aber dann hätten wir auch keinen Film daraus machen und unsere Erlebnisse nicht mit den Menschen teilen können.

Wie habt ihr die Reise und euer Leben dort finanziert?

Wir haben alles selbst finanziert – wir sind beide recht sparsam und hatten daher Rücklagen. Wir haben uns vorher zwar einen finanziellen Rahmen gesteckt, aber oft kommen dann doch noch unerwartete Ausgaben hinzu.

Wurde deine Beziehung zu deinem Freund Manu durch die Weltreise auf die Probe gestellt?

Ja, mehrfach! (lacht) Wenn man 7 Monate so eine Reise durchzieht und dann auch noch in einem kleinen Dachzelt wohnt, dann geht man sich natürlich auch mal auf die Nerven und macht wahrscheinlich das durch, was manche Paare in 10 Jahren nicht erleben würden. Und das ist auf der einen Seite wunderschön, weil man ganz andere Gespräche führt, aber natürlich gibt es dann auch die Momente, in denen man sich Haare raufend gegenübersteht und sich fragt, wie es jetzt dazu kommen konnte. Aber wir haben es immer wieder gut geschafft uns da rauszuholen. Unser Geheimnis ist einfach, dass wir nichts in uns hineingefressen, sondern immer darüber gesprochen haben.

Hattet ihr ein Lied, das euch auf eurer Reise im VW-Käfer begleitet hat?

Ja, das ist ganz witzig: Heidi, so haben wir unser Auto genannt, hatte nur einen CD Schlitz, also es gab keinen Schlitz für Kassetten. Am Anfang dachten wir uns noch: Voll gut, dann kaufen wir uns einfach ein paar CDs! Dann haben wir aber festgestellt, dass es kaum mehr CDs gibt. Die Einzige, die wir gefunden haben, war die von dem Disney Film „Coco“, der Soundtrack. Und die Lieder liefen dann tausende Kilometer. Irgendwann in San Francisco haben wir dann einen Plattenladen gefunden, der eine ganz kleine verstaubte Rubrik mit CDs hatte und dort haben wir uns dann noch Max Romeo und Bob Marley rausgesucht.

Deine Tipps für Reiselustige?

Ganz oben steht: Rucksäcke sind praktische Wegbegleiter! Und: Wenn ihr in die USA einreisen wollt, dann nehmt auf jeden Fall den Zettel ernst, der auf der Flugreise ausgeteilt wird. Den sollte man vorbildlichst ausfüllen, damit man zügig durch die Kontrollen kommt. Aber am wichtigsten ist, dass man sich ausreichend Zeit nimmt, um das Land in das man reist richtig entdecken zu können und die Freiheit zu spüren.

Wenn du mehr über die Reise erfahren willst: Den Film „Leaving the Frame“ findest auf hier auf Netflix.

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Bildquellen: Leaving the Frame

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