Selbstversuch: Wir haben mit Arbeitskollegen feministische Pornos geguckt

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Sharon – Freie Autorin

Was ich von einem feministischen Film erwarte? Wahrscheinlich das, was ich mir auch von gutem Sex erwarten würde. Dass alle Beteiligten ihren Spaß haben. In meinem Kopf war das der größte Unterschied zu konventionellen Pornos, in denen es vorwiegend darum geht, den männlichen Zuschauer zu erregen. Und das war aus meiner Perspektive definitiv der Fall. Körper, Lust und Fantasien wurden in sehr vielen Facetten gezeigt, ohne sie als Spleen zu kategorisieren. Endlich Schluss mit der Problematisierung von Normabweichungen!

Was nicht zu meinen Erwartungen gehört hat, war erregt zu sein. Dafür ist Sexualität dann doch ein zu intimes Thema – das Filmchenschauen glich eher einem Abend mit Freund*innen beim GNTM gucken. Da wird dann auf alles geachtet, was vom Thema ablenkt: Tattoos, abstruse Gespräche, Filmfehler. Trotzdem sind mir natürlich die kleinen, aber feinen Unterschiede zu konventionellen Pornos aufgefallen. Wichtigster Unterschied: es wurde definitiv gezeigt, dass auch Frauen Sex genießen mit allem, was dazu gehört. Ein Teil von mir möchte bei so viel weiblicher Selbstbestimmung natürlich applaudieren, ein anderer denkt sich: wird aber auch höchste Zeit!

July – Stellvertretende Chefredakteurin

Ich hatte mir vor unserem Filmchenabend einen Zusammenschnitt verschiedener Erika Lust-Pornos angeguckt und daraufhin erst einmal einen Lachanfall bekommen. Erika setzt nämlich die Fantasien ihrer Zuschauer*innen um und die können ganz schön abgedreht sein (Zwei Worte: Menstruation und Vampir). Deshalb war mir klar, dass der Abend vermutlich eher lustig als weird wird – das hat sich bewahrheitet.

Die Filme per se empfinde ich als mäßig spannend. Klar, sie sind besser ausgeleuchtet, zeigen Frauenkörper in allen Farben und Formen und dass keine der Darstellerinnen aufgepustete F-Körbchen vor sich hertrug, fand ich richtig abwechslungsreich. Nur: bei vielen Videos war die Story so dermaßen doof, dass ich vermutlich auch ohne die biertrinkenden Kollegen in Sichtweite nicht erregt sein könnte. Abgesehen davon, wer guckt sich bei Pornos den Plot an?

Was aber definitiv toll war: spätestens nach dem dritten Film diskutierten wir alle absolut offen und ohne Scham über die intimsten Dinge.

Dennis – Freier Autor

Ich kam an besagtem Abend ohne große Erwartungen in unser – eigens für diesen Anlass geschaffene – Heimkino. Feministische Pornos und ihre Unterschiede zu „handelsüblichen“ Begattungsfilmen? Darunter konnte ich mir nun wirklich nichts vorstellen. Recht schnell wurde deutlich: Erika Lusts Produktionen setzen – neben dem Ziel, die Frau und ihren Spaß an der Sache in den Vordergrund zu rücken – auf Ästhetik. Dementsprechend war ich bei dem ein oder anderen Porno mindestens irritiert, kann ein Hauch Ästhetik zu viel doch gerne mal in etwas Abstruses umschlagen.

Natürlich fragt man sich im Vorfeld, wie so ein etwas unkonventioneller Filmabend aussehen könnte. Gebe ich pubertäres Gekichere ab, überspiele ich meine eigene Unsicherheit mit unangebrachten Machosprüchen? Bin ich peinlich berührt? Die Bandbreite der Gedanken, die ich mir vorher gemacht habe, war groß. Das eigentlich Ziel, dem diese Filme dienen sollen, nämlich den Zuschauer zu erregen, wurde in meinem Fall nicht erfüllt, was vordergründig mit der Tatsache zusammenhing, die Pornos in großer Runde geschaut zu haben.

Vielmehr diente das lockere Ambiente dem Umstand, dass sich im Laufe des Abends, im Zuge des ansteigenden Alkoholkonsums, sehr angeregte Gespräche über intime Themen entwickelten. Nein, ein Feuerwerk der Lust haben die Pornos nicht ausgelöst – dafür aber allemal einen sehr interessanten Gedankenaustausch.

Wer Erika Lust im Interview mit ZEITjUNG lesen will, klicke sich hier zur Lust und Freude! 

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