Sex und Soda: Dating während Corona

Eine Frau und ein Mann küssen sich mit Mund-Nasen-Schutz (Comic)

In dieser Kolumne schreibt Mila Bach über die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal geht es darum, was Corona mit ihrem Dating-Verhalten gemacht hat.

Da diese „Corona-Sache“ nun doch ein bisschen länger dauert, als wir es uns alle gewünscht hätten, hat sich auch unsere Datingkultur verändert. Ist es überhaupt noch in Ordnung sich mit Tinder-Typen zu treffen oder Casual Sex zu haben? Es ist eine Gratwanderung zwischen Vernunft und Lust.  

Verzicht

Es gibt drei Monate in diesem Jahr, die für mich in sexueller Hinsicht ein Trauerspiel waren. März, April, Mai. Oder auch: Lockdown Eins. Alles war neu, die Krankheit veränderte nicht nur die Politik, sondern auch unseren kompletten Alltag. Angst hatte ich nie, aber Respekt. Und ich wollte auf keinen Fall eine Schuldige sein, die das böse Virus verbreitet. Also saß ich drei Monate alleine in meiner Wohnung und verzichtete komplett auf Dates, die seit zwei Jahren wie Kinobesuche zu meinem Leben gehörten.

Leider konnte ich das Ausmaß des Lockdowns nicht einschätzen und hatte keinen „Lockdown-Buddy“, mit dem man Netflix schauen, Essen bestellen und Sex haben konnte. Den Zug habe ich leider verpasst. Sogar mit meiner Langzeitaffäre traf ich mich nur zum Kaffee. Kein Scherz. So viel Selbstbeherrschung sollte belohnt werden! Vor allem, weil ich weiß, dass nicht jeder so vernünftig war. Einigen Typen auf Tinder wäre der Lockdown egal gewesen, viele wollten sich treffen. Und ich weiß von einigen, die das Dating nicht eindämmten, sondern erst richtig aufdrehten. Man hat ja jetzt schließlich mehr Zeit…

Eskalation

Nachdem ich brav durchgehalten hatte, merkte ich schnell, dass auf mein Tief ein Hoch folgen muss. Ohne Ying eben kein Yang. Also traf ich mich in der ersten Woche nachdem der Lockdown vorbei war mit einem Mann, bei dem ich 24 Stunden verbrachte. Und die meiste davon nackt. Es tat gut und fühlte sich an, als hätte ich die drei Monate innerhalb eines Tages wieder wettgemacht. Manchmal braucht man eben den Exzess, um die Langeweile nicht siegen zu lassen.

Obwohl der Sommer viele Einschränkungen hatte, fühlte ich mich frei. Ich traf tolle Menschen und hatte viel Sex. Und das Gute an den fehlenden Partynächten ist, dass betrunkene One-Night-Stands ausbleiben. In Corona-Zeiten überlege ich nämlich drei Mal, ob es wirklich notwendig ist, sich mit jemanden zu treffen. Zwar waren wir alle im Sommer etwas nachsichtiger, aber mir war das Risiko stets bewusst. Im Nachhinein sehe ich aber ein, dass mein Verhalten vermutlich auch nicht immer besonders vorbildlich war. Ich hatte einfach Glück, dass niemand meiner Sexpartner Corona hatte. Und ich hätte mich wahrscheinlich auch anders verhalten, wenn meine Familie samt Omas und Opas in meiner Stadt wohnen würden. So konnte ich es relativ gut ausblenden. Bis es kälter wurde.

Verpasse ich was?

Der zweite Lockdown ist zugegebenermaßen härter. Ich habe zwar noch sporadisch Sex mit einer ausgewählten Person, aber auch hier hatte ich den Aufsprung auf den Lockdown-Buddy-Zug verpasst. Und das ist gerade als Single und mit dem kuschelig-kalten Wetter keine optimale Ausgangslage. Mir stellt sich öfter die Frage, was ich durch Corona sexuell dieses Jahr verpasst habe. Und ich glaube, gar nicht so wenig. Anfang des Jahres habe ich mich endlich bereit für Sexpartys gefühlt und wollte unbedingt die ein oder andere besuchen. Ich weiß zwar, dass im Sommer trotzdem ein paar stattfanden, aber ich wollte es nicht riskieren, von der Polizei aufgrund einer illegalen Corona-Sex-Party festgenommen zu werden. Ciao, lückenloses Führungszeugnis.

Am Ende bin ich einfach froh darüber, dass ich dieses Jahr nicht frischer Single war. Denn die aufregende erste „Hörner abstoßen“-Zeit durfte ich schon 2019 genießen. Mit guten und schlechten Erfahrungen. Und dieses Jahr durfte ich eben entschleunigen, auch beim Dating mal ein bisschen den Druck rausnehmen. Denn wir sitzen ja alle im selben Boot, verpassen alle die gleichen Partys und trauern dem Sex nach, den wir dieses Jahr hätten haben können. Aber es gibt Licht am Tunnel. Denn wie bereits gesagt: Nach jedem Tief folgt ein Hoch…

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Bildquelle: Pixabay; CCO-Lizenz