Gegner der Liebe: Unabhängig, anspruchsvoll und keine Zeit

Unabhängigkeit Hürde der Liebe

Früher war es irgendwie einfacher mit der Liebe, oder? Ja, nein, vielleicht auf dem Zettel angekreuzt und schon war die Sache erledigt. Heute ist Suche und Auswahl eines “perfekten” Partners hingegen ein einziger Wettlauf. Ein achtloser Sprint voller Hürden, Zweifel und dem Glauben, es gäbe jemanden, der perfekt zu einem passt. Was nicht passt, wird eben passend gemacht? Nicht so in der Liebe. Ist man erst mal erwachsen, ist alles ziemlich komplex. Erwartungen und Realität prallen aufeinander, besonders für unabhängige Menschen gestaltet sich die Partnersuche als schwierig. Hat man dann noch Ansprüche, scheint es gar unmöglich zu sein, die oder den Richtige/en zu finden.

Eine Studie versucht hinsichtlich der Ursachen für das Single Dasein, Licht ins Dunkle zu bringen. Ergebnis? Auf Platz 1 der Top 10 Hürden seitens der Frauen: “Meine Ansprüche an einen Partner sind zu hoch”. Platz 1 am männlichen Ufer gegenüber: “Ich bin zu schüchtern, lerne zu wenige Leute kennen”. Die Silbermedaille wird von beiden Geschlechtern an die vermeintliche Unabhängigkeit vergeben: “Ich möchte meine Unabhängigkeit noch nicht aufgeben”. Verblüffender Grund auf Platz 3: “Ich habe keine Zeit für die Partnersuche”. Wie bitte, keine Zeit? Das ist ja, als wäre die Suche nach der Liebe ein Punkt auf der To-Do-Liste.

 

Was heißt eigentlich unabhängig sein?

 

Unabhängig, aber keine Zeit. Die rosarote Brille verschleiert einem scheinbar zunehmend immer weniger die Sicht. Warum wird das Verlieben nicht einfacher, sondern tendenziell schwerer? Das ergibt keinen Sinn. Mit gesammelter Lebenserfahrung, Weisheit und Erkenntnis, sollte es uns doch ein Leichtes sein, die “große” Liebe zu finden. Pustekuchen, denn die Aussage “Ich habe keine Zeit (…)” lässt vermuten, dass wir bewusst nach der Liebe suchen müssten.

Will man dafür keine Zeit aufbringen, findet man auch keine, so die These. “Wer suchet, der findet” trifft jedoch nicht immer zu. Die Liebe ist wohl eher so, als wäre man auf der Suche nach einer Hose und findet stattdessen drei T-Shirts und zwei Armbänder. Das Leben ist nicht wie im Film und das Lieblingsthema eben dieser, ist von Haus aus keine Harry-Potter-Magie, oder eine zeitaufwendige Recherche, sondern eine mehr oder weniger bewusste Entscheidung für die Liebe. Die Magie müssen wir zulassen, ob wir gerade Zeit und dafür haben oder nicht, oft genug rennen wir vielleicht wegen angeblichen Zeitmangels an einer “möglichen großen Liebe” vorbei. Häufig sind unsere Augen verschlossen, wir geben der Liebe keine Chance.

 

Unangefochten: Disney-Ansprüche

 

Wenn man sich dann doch mal auf jemanden eingelassen hat, scheitert es zumeist an Einem. Unerfüllbare und maßlose Monsteransprüche, die einem in zahlreichen Disney-Kinderfilmen gelehrt wurden und die der Vielleicht-bald-Partner gefälligst zu erfüllen hat. Groß, fit und braunhaarig soll er/sie sein, verständnisvoll aber bestimmt, liebevoll aber auch ein bisschen Arschloch, romantisch aber nicht zu kitschig, Sexbombe aber bitte nicht zu “erfahren”, erfolgreich im Beruf aber gleichzeitig massig Zeit für die Familie. Puh, ein endloses Unterfangen. Auch gut: Intelligente Frauen ohne Karriere. Am besten gut aussehend und klug, aber nicht erfolgreicher als der Mann selbst. Wir machen uns das Leben gerne schwer.

 

Kann man alles haben? Nein, denn die Liebe ist verzwickt. All-Inclusive und Disney Märchen gibt es im Reallife nicht. Das müssen wir alle akzeptieren. Sind wir doch ein bisschen weniger unabhängig, rational und anspruchsvoll und stattdessen aufmerksamer und leidenschaftlicher. Doch das ist wie so oft: Leichter gesagt als getan.

 

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Bildquelle: Ryan Polei unter CC by 2.0

 

 

Praktikantin: Jenny, 22 Jahre jung und studiere derzeit Communication & Multimedia Design (also eigentlich mache ich irgendwas mit Medien) in Aachen. Da ich nun für mein Praxissemester in München bin, werde ich mich wohl an „Semmel“ und „bayrisches Bía“ -, was viel zu hell ist, gewöhnen müssen. Gell? Meiner Oma muss ich jeden Tag auf’s Neue erklären, dass ich eigentlich noch keine Ahnung habe, was ich mit meinem Studium anfangen soll. Ansonsten tendenziell zu spät, offen, facebook-los, oft sarkastisch - zu häufig falsch verstanden.