Fütterer is(s)t anders: So erkennst du tierische Zusatzstoffe

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

„Ist das vegaaan?“ Diese Frage habe ich als Neu-Veganerin vor acht Jahren bei jeder Gelegenheit rausposaunt – egal ob bei der Essenseinladung meiner Freundin, im Café oder beim Bäcker meines Vertrauens. Was auf die anderen nervig und besessen gewirkt haben muss, hat mir hingegen eine innere Ruhe verschafft: Ich wollte schließlich nicht das Risiko eingehen, dass der Carrot Cake im Café und das Franzbrötchen vom Bäcker vielleicht Butter enthält oder mit Eigelb bepinselt wurde. Glücklicherweise muss ich die Frage mittlerweile nur noch sehr selten stellen: Viele Produkte in Bäckereien und Lebensmittelläden sind heute nämlich explizit als vegan gekennzeichnet. Das erleichtert den Einkauf und spart Zeit – und bei meinem morgendlichen Stopp bei Kamps muss ich die nette Verkäuferin nicht mehr mit einer 15-minütigen Frage-Antwort-Runde nerven.

Hoch lebe die Zutatenliste

Zutatenlisten helfen extrem dabei, vegane und nicht vegane Produkten zu entscheiden – im Supermarkt reicht oft schon ein schneller Blick auf die Verpackungsrückseite. Das hat bei mir allerdings auch schon für einige Überraschungen gesorgt und mich dazu veranlasst, das ein oder andere Produkt wieder kopfschüttelnd in die Tiefen des Edeka-Regals zu schieben. Wusstest du zum Beispiel, dass in Rotkohl (tiefgefroren oder aus dem Glas) häufig Schweineschmalz enthalten ist? Auch, wenn ich meine Hand dafür ins Feuer gelegt hätte, dass in der roten Gemüsezubereitung keine tierischen Bestandteile stecken: Es lohnt sich, die Zutaten zu checken. Tierische Inhaltsstoffe, die sich oft – wenn auch nur in kleinen Teilen – in Lebensmitteln wiederfinden lassen, sind zum Beispiel Honig, Ghee (geklärte Butter), Butterfett, Magermilchpulver oder eben Schweineschmalz. Es ist ziemlich offensichtlich, dass Veganer*innen davon lieber die Finger lassen wollen.

Nicht vegane Lebensmittelzusatzstoffe

Manchmal verstecken sich aber auch chemische Begriffe oder E-Nummern auf den Listen, hinter denen tierische Produkte stehen. Das ist häufig bei Lebensmittelzusatzstoffen der Fall. Laut der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Lebensmittelzusatzstoffe sind Lebensmittelzusatzstoffe als Stoffe definiert, „die in der Regel nicht selbst als Lebensmittel verzehrt, sondern Lebensmitteln aus […] technologischen Gründen, wie etwa zu deren Konservierung, zugesetzt werden“. Diese Stoffe dürfen nur zugesetzt werden, wenn der Gebrauch notwendig ist und einen Nutzen bringt. Das können zum Beispiel Farbstoffe oder Süßungsmittel sein, aber auch Hilfsstoffe wie Säuerungsmittel oder Emulgatoren, die ein Lebensmittel haltbarer machen oder deren Konsistenz verbessern.

Hinter folgenden E-Nummern verbirgt sich ein tierischer Bestandteil:

  • E120: Der rote Farbstoff Karminsäure wird aus Schildläusen hergestellt und bei der Herstellung von Marmelade, Lippenstift oder alkoholischen Getränken eingesetzt.
  • E 441: Gelatine. Das in der Regel aus Tierknochen oder Bindegewebe hergestellte Protein wird u.a. als Gelier- oder Schönungsmittel in Light-Produkten, Süßwaren, Backwaren, Getränken oder alkoholischen Getränken verwendet.
  • E 901: Bienenwachs. Dient in der Lebensmittelindustrie als Füll- und Trägerstoff, Trennmittel und Überzugsmittel und findet sich zum Beispiel in Schokolade, Kaffeebohnen, Nüssen, Süßigkeiten oder in Früchten wie Ananas, Melonen, Zitronen oder Äpfeln (als Überzugsmittel).
  • E 904: Schellack. Wird aus dem Sekret weiblicher Lackschildläuse gewonnen (hmm). Einsatz findet der Stoff als Überzugsmittel für Obst, Snacks und Süßwaren oder auch in Kaugummi.
  • E 966: Lactit. Ist ein Milchzuckeralkohol und wird für die Produktion von Süßspeisen, Senf, Kaugummi oder Soßen eingesetzt.
  • E 913: Wollwachs, hergestellt aus dem Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen. Findet vornehmlich Verwendung in der Kosmetik, z.B. als Ersatz für Vaseline.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.